Morgens in sein Auto einsteigen und nicht wissen, wo man heute unterwegs ist. "Dieses Phänomen erleben wir jeden Tag aufs Neue", erklärt Evelyn Schönmüller. Zusammen mit ihrer Kollegin Eva Grahmann ist sie im betreuten Fahrdienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) aktiv.

Nach den täglichen Dialysefahrten, die schon sehr früh am Morgen beginnen, muss ein Patient vom BRK-Seniorenheim zu einem Arzttermin in die Frankenwaldklinik gebracht werden. Eva Grahmann erkundigt sich bei ihrer Kollegin Evelyn: "Brauchen wir einen Tragestuhl?" Diese bejaht und kontrolliert die Papiere des Patienten. "Die Hilfsbedürftigen können sich meistens nicht selbstständig darum kümmern, deshalb übernehmen wir auch das Anmelden beim Arzt", informiert Schönmüller.

Evelyns Kollegin und Mitfahrerin Eva Grahmann ist noch relativ neu in dieser Branche. "Ich bin erst seit Juli dieses Jahres angestellt und befinde mich noch in meiner Einarbeitungsphase", erläutert sie und ergänzt, "ich habe eine soziale Ader und arbeite gerne mit Menschen." Bevor man im Auto mitfahren darf, muss man erst bestimmte Trockenübungen absolvieren. Zusätzlich zum betreuten Fahrdienst bietet das BRK auch noch andere diverse Dienste an.

Zurück zum Patienten: "Er war bei uns ambulant eingetragen, kommt jetzt aber auf Station. So etwas kommt auch oft vor", berichtet Evelyn. Die beiden Helferinnen erklären dem Patienten sehr fürsorglich, dass er nun im Krankenhaus bleiben muss. "Man muss schon einfühlsam und geduldig sein", weiß Schönmüller.
Zum täglichen Geschäft der beiden Helferinnen gehören Dialysepatienten, Klinikentlassungen und Arztfahrten. Dabei müssen sie auch des Öfteren einmal den Landkreis verlassen. "Wir waren auch schon im Schwarzwald, Freiburg und kurz vor Berlin. Das sind dann meistens Rehapatienten oder Verlegungen", informiert Evelyn Schönmüller.

Am Einsatzwagen angekommen, wartet schon der nächste Auftrag auf die beiden Fahrdienstleistenden: Ein Patient muss von der Frankenwaldklinik nach Hause gebracht werden - und zwar über die Grenzen Bayerns hinaus. Evelyn Schönmüller gibt Auskunft: "Der Patient muss liegend nach Thüringen transportiert werden." Sogleich holen die zwei Frauen die Trageliege aus dem Auto und eilen zurück in die Klinik.

Wichtig sei es in diesen Beruf auch, mit den älteren Menschen zu reden und ihnen die Situation zu erklären. "Oft bekommen sie Angst, da sie aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen werden", klärt Schönmüller auf und ergänzt, "auf der anderen Seite, freuen sie sich, wenn wir sie von ihrer Wohnung abholen und unter Leute bringen." So könnten diese - auch wenn es nur ein kurzer Arztbesuch sei - mit Bekannten reden. "Das Funkeln in den Augen der Menschen bestätigt unsere Arbeit. Es sind die tagtäglichen Ereignisse, die man nie vergisst", teilt Schönmüller freudig mit. Im Zimmer des Patienten angekommen, wird dieser erstmal auf die Liege gehoben. "Man braucht schon Kraft und darf keine Berührungsängste haben", verrät Eva Grahmann. Im Wagen wird dann speziell nach den Wünschen des Patienten die Temperatur angepasst. Nach ca. 45-minütiger Fahrt durch die Landschaft Thüringens haben Evelyn und Eva das Ziel erreicht. Vorfreudig wartet auch schon die Frau des Patienten auf das BRK-Auto.