"Die Festung hat immer wieder Überraschungen parat!" - Rainer Gillde, Sachgebietsleiter für den Landkreis Kronach des Staatlichen Bauamts Bamberg, Bauleitung Coburg, Bereich Hochbau, weiß, wovon er spricht. Seit 1997 ist der 58-jährige Diplom-Ingenieur (FH) mit dem städtischen Bollwerk befasst. Damals wurde das Dach des Alten Zeughauses saniert - und in diesem Jahr beschäftigt ihn dieses Gebäude erneut.
1978 hat die Stadt Kronach, die Eigentümerin der Festung ist, mit den Sanierungsanstrengungen begonnen. Damals hat sie das Staatliche Hochbauamt Hof mit der Koordinierung der Bauarbeiten vor Ort beauftragt. Mitte der 1990er Jahre fand dann ein Wechsel zu Gilldes Dienststelle statt. "Oft sieht man gar nicht, was alles gemacht wurde", sagt er. Da sind zum Beispiel die 1,2 Kilometer der Äußeren Wallmauern, von denen "nur noch ein paar Meter saniert werden müssen", wie Gillde betont.
Oder der Fußboden in der zweiten Etage des Alten Zeughauses. In den Räumen daneben soll später einmal die erfolgreich arbeitende Museumspädagogik untergebracht werden. Die Fachleute waren auf den Schaden nur aufmerksam geworden, weil sich der Boden sichtlich abgesenkt hatte, wie Stadtplaner Daniel Gerber erklärt, der für die Stadt Kronach die Arbeiten koordiniert. Als die schweren Steinplatten entfernt waren, war darunter eine Reihe kaputter Balkenköpfe erkennbar.
Sie müssen nun unvorhergehesehenerweise komplett ausgetauscht, manchmal können passende Teile auch neu angesetzt werden. Allerdings: "Die Gelder, die dafür ausgegeben werden, fehlen an anderer Stelle", bedauert Rainer Gillde. Aktuell stehen für den laufenden Sanierungsabschnitt 2010 bis 2012 insgesamt 2,3 Millionen Euro zur Verfügung - die Stadt muss davon nur 150 000 Euro übernehmen.
Auch im Dachbereich des Nordflügels der Kernburg waren vor der Sanierung nur mehr drei Balkenköpfe in Ordnung. 600 laufende Meter Holzes wurden dort ausgetauscht, wie Rainer Gillde erklärt. "Immerhin soll das, was wir machen, langfristig halten." Deshalb werden Fachfirmen herangezogen, die Erfahrung mit der Bausubstanz einer Festung haben. Nun steht im Nordflügel in den Geschossen darunter die umfangreiche Sanierung der Festungsherberge an.
Das Alte Zeughaus war bereits einmal in den sechziger Jahren überarbeitet worden - später war dort dann das Frankenwald-Museum untergebracht. Die Räume dort werden aktuell grundlegend umgebaut. Im Treppenhaus zum Neuen Zeughaus wird derzeit unter anderem ein Aufzug eingebaut. Mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurde abgestimmt, dass dazu ein bestehendes Gewölbe durchdrungen werden darf. Studenten der Fachhochschule Coburg werden sich ums Lichtdesign kümmern.
Käfer, Pilze, Fäulnis - das sind die Ursachen für die Schäden an den Balkenköpfen. Dort, wo heute die Regimentsstube ist, war früher ein Pferdestall. Wegen der fehlenden Be- und Entlüftung konnte sich die Feuchtigkeit in den Holzbalken ausbreiten, auch der Schutt, der im Unterboden der Räume verbaut war, hat sie gespeichert. Jetzt wird er durch Blähton ersetzt.
"Ziel bei den Sanierungsarbeiten muss sein, weitestgehend historische Bausubstanz weiter zu verwenden", erklärt Daniel Gerber. Falls es wegen der Schädigungen unumgänglich ist, werden auf jeden Fall tragende Teile, Wände und Schwellen erneuert. Danach kommt die Installation von zeitgemäßen Sanitäreinrichtungen, Lüftung, Elektroleitungen und Heizung an der Reihe. Gegebenenfalls wird in den Räumen auch noch der Putz ergänzt. Ein besonderes Augenmerk richten die Sanierer auf die Aspekte Sicherheit, Einbruch- und Brandschutz.
Im zweiten Stock wird ein Festsaal mit einer Länge von fast 40 Metern entstehen. Der bestehende Sandsteinboden dort wird erhalten - allerdings wird man ihn nicht mehr sehen. Damit ist der Denkmalschutz zufrieden. Auf den Sandsteinen werden später die Leitungen für die Technik liegen - und darüber kommt der eigentliche Holzfußboden.