"Wie beurteile ich die wirtschaftliche Lage in Deutschland und wie meine eigene Situation?", "Worüber mache ich mir Sorgen?", "Habe ich Vertrauen in die Polizei, in die Justiz, zum Jobcenter, in unseren Landrat und in den Bürgermeister meiner Gemeinde?" Rund 100 Fragen umfasst die groß angelegte Umfrage zur poltischen und persönlichen Zufriedenheit der Landkreisbürger, konzipiert vom BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) in den Dekanaten Kronach und Teuschnitz.
Hauptverantwortlich für die Erstellung des Fragebogens "Mind Map KC" zeichnet Florian Bätz, der an der Hochschule in Coburg Internationale Soziale Arbeit studiert, in Kooperation mit BDKJ-Bildungsreferent Andy Fischer. "In unserer Gesellschaft können im Wesentlichen zwei Phänomene beobachtet werden: Demokratiefeindlichkeit und eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, also gegen bestimmte Bevölkerungsschichten", erklärt der Student. Zu diesen Ergebnissen kommen verschiedene Studien wie die Langzeituntersuchung "Deutsche Zustände - gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" der Uni Bielefeld oder die "Mitte"-Studien der Uni Leipzig - eine alle zwei Jahre durchgeführte repräsentative Erhebung zu rechtsextremen Einstellungen in Deutschland. Diese Studien spiegelten die bundesweite Stimmung und Meinung. Man könne daraus aber kaum die jeweilige Situation in den Landkreisen ableiten.
Der Fragebogen wurde an 1000 zufällig ermittelte Personen quer durch den Landkreis Kronach - also an alle Bevölkerungsschichten und Jahrgänge - mit frankierten Rückumschlägen versandt. Es handelt sich dabei überwiegend um Ankreuzfragen, in wie weit man bestimmten Aussagen zustimmt - von "stimme ich zu" - über "stimme ich eher zu" und "stimme ich weniger zu" - bis zu "stimme ich nicht zu". Die Befragung ist anonymisiert, da es sich dabei um intime Fragen handelt.
Rückschlüsse auf eine vorhandene gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit will man durch Aussagen erhalten - wie beispielsweise ... "Arbeitslose müssten zur Arbeit gezwungen werden" oder "Homosexualität ist unmoralisch". In die "Kategorie" Demokratiefeindlichkeit fällt etwa die These "Unter Hitler war nicht alles schlecht". Durch die Beantwortung solcher Fragen könne man, so Andy Fischer, zugleich die eigene Meinung und Einstellung reflektieren, ob man nicht vielleicht selbst auch gewisse Vorurteile habe: Trifft das auch auf mich zu? Wie lange denke ich über eine Antwort nach? Warum muss ich da überhaupt überlegen?
Die Studie wird durch Mittel des Bundesministeriums für Familien, Frauen, Jugend und Senioren gefördert, das unter dem Namen "Demokratie Leben" Kommunen in ganz Deutschland Fördermittel zur Verfügung steht. "Um jene Produkte zielführend zu gestalten und für Kronach passende Projekte zu kreieren, müssen wir aber den Bedarf kennen. Deshalb machen wir diese Untersuchung", verdeutlicht der Bildungsreferent. Für die Aussagekräftigkeit der erhobenen Daten bedürfe es der Mithilfe der Bevölkerung. Daher bittet man die Adressaten beziehungsweise eine mit ihnen im Haushalt lebende Person, den Fragenbogen sorgfältig und vollständig auszufüllen. Dies werde ungefähr 15 Minuten Zeit in Anspruch nehmen. "Es werden keine Daten erhoben", versichert er. Alle Teilnehmer werden daher gebeten, weder Namen noch Adresse zu hinterlassen, damit keine Rückschlüsse auf ihren Haushalt gezogen werden können. Die Ergebnisse werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und auch im Rahmen der nächsten Demokratiekonferenz präsentiert. Sehr würde man sich freuen, wenn man damit einen Diskussionsprozess in Gang setzen könne - beispielsweise in Vereinen oder Jugendgruppen, wobei jeder Einzelne ab 14 Jahren zur Teilnahme eingeladen ist. Diese kann auch online (www.umfrageonline.com/s/mindmapkc) erfolgen.