Eine Parkscheibe hat so ziemlich jeder im Auto. Benutzt wird sie vor allem in Innenstädten. Zum Beispiel während eines kurzen Einkaufsbummels. Beim Besuch im Supermarkt aber eher nicht, vor allem nicht, wenn das Auto auf dem dazugehörigen Parkplatz abgestellt wird. Das kann den Kunden von Norma und "denn's Biomarkt" in Kronach jetzt zum Verhängnis werden.

Bereits Anfang November hatte Christine H. in der Facebook-Gruppe "Kronach-Portal" bemängelt, dass auf dem Parkplatz der Norma 25 Euro Vertragsstrafe für diejenigen fällig werden, die einkaufen, ohne vorher eine Parkscheibe im Auto zu platzieren. Generell könne sie verstehen, dass die Supermarktkette gegen Dauerparker vorgehen wolle, aber nicht die Art und Weise. "Ich finde das eine ganz gemeine Abzockerei. Wie schnell ist eine Parkscheibe einmal vergessen", äußerte sie ihre Empörung. Eine andere Nutzerin erwiderte, dass die Situation bei "denn's" dieselbe sei.

Laut Tina Pfeifer, Regionalleiterin bei "denn's Biomarkt" für die Region Töpen (Landkreis Hof), habe die Fremdparker-Thematik in der Vergangenheit zugenommen. "Wir möchten in Zusammenarbeit mit einem externen Partnerunternehmen sicherstellen, dass die Parkflächen ausschließlich unseren Kunden zur Verfügung stehen", betonte Pfeifer auf Anfrage des Fränkischen Tags. Als Fachmarkt vor Ort sei "denn's Biomarkt" bemüht, den Kunden das Einkaufen so angenehm wie möglich zu bereiten. Dazu gehöre auch das Parken in unmittelbarer Marktnähe auf den dafür vorgesehenen Parkflächen.

Die häufigsten Parkdelikte

"Kunden, die ihre Parkscheibe dann nicht dabei oder im Fahrzeug angebracht haben und daraufhin einen Hinweis des externen Partnerunternehmens erhalten haben sollten, können sich direkt an unsere Mitarbeiter im Markt wenden", betont Pfeifer. Die Situation werde dann unmittelbar geklärt, sodass für die Kunden keinerlei Forderungen entstehen. Norma war trotz mehrerer Anfragen des Fränkschen Tags nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Weil es sich bei Supermarktparkplätzen um private Parkplätze handelt, ist die Polizei machtlos.

Die Polizei verlangt kein Bußgeld für zu langes Parken auf Supermarktparkplätzen. "Ob eine Geldstrafe gerechtfertigt ist oder nicht, ist die Entscheidung des Betriebs und geht nicht mit dem Bußgeldkatalog einher", sagt Matthias Stöcker, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Kronach. "Wir sind nur für den öffentlichen Verkehrsraum zuständig", ergänzt sein Stellvertreter Wolfgang Schramm. Die Betreiber könnten die Summe, die für einen Parkscheibenverstoß fällig wird, frei wählen. Für einen Parkscheibenverstoß im öffentlichen Verkehr werde demgegenüber ein vorgeschriebener Betrag in der Höhe von zehn Euro fällig.

Zu den häufigsten Delikten gehören Stöcker zufolge das Parken im absoluten Halteverbot oder der Verstoß gegen das Zonenhalteverbot: "Wer im absoluten Halteverbot steht und eine Feuerwehrzufahrt blockiert, muss 35 Euro zahlen." In dem Fall sei es sogar gerechtfertigt, das Fahrzeug abzuschleppen.

Das kommt besonders teuer

Gegen das Zonenhalteverbot verstößt, wer sein Auto außerhalb der gekennzeichneten Parkflächen abstellt. "In Kronach sind vor allem die Obere Stadt und der Marienplatz betroffen", schildert Schramm die Situation. Auf dem Marienplatz würden auch häufig Behindertenparkplätze blockiert.

Teuer kommt es für all diejenigen, die ihr Auto auf dem Gehweg abstellen. "Die Strafe für den Grundtatbestand beträgt 20 Euro. Wenn eine Frau mit Kinderwagen auf die Straße ausweichen müsste, kommen weitere 15 Euro dazu", erklärt Stöcker. Für das Parken außerhalb gekennzeichneter Zonen im verkehrsberuhigten Bereich werden zehn Euro fällig. In Kronach sei davon vor allem der Bereich in der Rosenau betroffen.

Insgesamt haben die Kontrollen in den letzten Jahren abgenommen. "Der ruhende Verkehr ist eine von vielen Tätigkeiten der Polizei, aber nicht die Haupttätigkeit. Unfälle und Straftatbestände haben immer Priorität", sagt Schramm. Wenn allerdings Zeit und Personal zur Verfügung stehen, gebe es mehr Kontrollen.

ADAC-Experte: "Es ist verboten, die Parkscheibe weiterzudrehen"

Warum belangt die Polizei keine Parksünder auf Supermarktparkplätzen und wie ist eine Parkscheibe korrekt zu benutzen? Wolfgang Lieberth, Verkehrsexperte beim ADAC Nordbayern für die Abteilung Verkehr, Technik und Umwelt, klärt auf. Warum wird auf dem Supermarktparkplatz eine Vertragsstrafe und kein Bußgeld fällig, wenn man sein Auto dort zu lange abstellt? Wolfgang Lieberth: Wer sein Auto auf einem Supermarktparkplatz abstellt, schließt einen Vertrag mit dem Grundbesitzer und akzeptiert die Geschäftsbedingungen. Das Abstellen eines PKWs auf privaten Grundstücken gilt als Besitzstörung. Dagegen dürfen Grundstückseigner, wie etwa Supermärkte, vorgehen. Firmen werden zur Überwachung beauftragt, infolge werden Vertragsstrafen verhängt.

Die allgemeinen Geschäftsbedingungen müssen auf den Parkplätzen zu sehen sein. Es muss hervorgehen, was Verstöße sind und wie hoch die entsprechenden Strafen. Wer sein Auto auf einem Supermarktparkplatz abstellt, sollte sich daher nach einem entsprechenden Schild umsehen. Welche Fehler werden bei der Platzierung einer Parkscheibe gemacht? Die Parkscheibe muss von außen gut sichtbar und lesbar angebracht sein. Einen konkreten Platz, an dem sie liegen muss, gibt es nicht. Sinnvoll ist die Platzierung auf dem Armaturenbrett, dort ist sie durch die Frontscheibe gut lesbar. Wie stellt man die Zeit auf der Parkscheibe korrekt ein? Die Parkscheibe muss immer auf die nächste halbe Stunde nach der Ankunft eingestellt werden. Wenn man um 16.05 Uhr sein Auto parkt, muss sie auf 16.30 Uhr eingestellt werden. Ist es erlaubt, die Parkscheibe nach Ablauf der Zeit weiterzudrehen? Nein, das sollte tunlichst unterlassen werden. Es ist verboten, die Scheibe nach Ende der erlaubten Parkzeit weiterzudrehen. Wenn Autofahrer die Parkzeit um 30 Minuten überziehen, werden zehn Euro fällig. Nach 45 Minuten sind es bereits 15 Euro. Die Polizei oder die beauftragten Firmen überwachen, wann der PKW abgestellt wurde. Gibt es Alternativen, wenn man gerade keine Parkscheibe im Auto hat? Nein, die gibt es nicht. Es ist wichtig, immer eine Parkscheibe griffbereit im Auto zu deponieren. Das spart viel Ärger, Geld und Unannehmlichkeiten. Für das Parken ohne Parkscheibe wird im öffentlichen Raum eine Strafe von zehn Euro fällig, auf dem Supermarktparkplatz die geltende Vertragsstrafe. Die Fragen stellte Cindy Dötschel