Ein Treffpunkt für Jung und Alt, das Schaffen altersgerechter Wohnungen und Betreuungsformen, eine Managementstelle für Leerstände, eine Ehrenamtsbörse, eine bessere Vernetzung der Tourismusverbände und - der Dauerbrenner - ein Radweg nach Gifting. Dies sind nur einige Ideen für eine zukunftsorientierte Entwicklung der Gemeinde Wilhelmsthal. Das Potenzial, um die Attraktivität als Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum im gesamten Gemeindegebiet zu erhalten und zu verbessern, ist zweifellos vorhanden. Darin zeigten sich die Planer beim offiziellen GEK-Startschuss in der Turnhalle in Wilhelmsthal sicher. Über 100 interessierte Bürger hatten sich hierzu eingefunden.
"Sie sind die Personen, die wir am meisten brauchen", appellierte Bürgermeisterin Susanne Grebner (SPD), die sich sehr über den großen Zuspruch seitens der Bevölkerung freute.
Dies belege das große Interesse an der Zukunft ihrer Gemeinde und auch ihre Bereitschaft, an Verbesserungen mitwirken zu wollen. Laut dem Abteilungsleiter Wolfgang Kießling sehe sich unsere Gesellschaft großen Herausforderungen entgegen, die größte von allen sei in unserer Region die demografische Entwicklung. "Es gibt aber nicht nur Probleme. Jede Ortschaft hat auch Stärken und Potenziale. Das ist eine große Chance", ermunterte er. Für eine strategische Zukunftskonzeption der Gemeinde in den kommenden zehn bis 15 Jahren gelte es zunächst einmal, die jeweiligen Stärken und Schwächen zu analysieren und einen Fahrplan zu entwickeln. Hierfür seien die Bürger die Experten.
Die Handlungsfelder sind in der Tat vielfältig: Nahversorgung, medizinische Versorgung, soziale Infrastruktur, öffentlicher Personennahverkehr, Kfz-Verkehr, Land- und Forstwirtschaft, Tourismus und Naherholung, Vereinswesen, Nachbarschaftshilfe, Heimat/Brauchtum, Wohnen, Wirtschaft/Gewerbe und weitere. Entsprechende Fragebögen, wie die Bürger die jeweilige Situation in den Gemeindeteilen beurteilen, waren im Vorfeld an die Haushalte ergangen. Darin konnten auch Verbesserungsvorschläge unterbreitet werden.
Mit der fachlichen Begleitung waren vom Gemeinderat die Büros Planwerk Stadtentwicklung, Stadtmarketing, Verkehr aus Nürnberg sowie Müller-Maatsch Landschaftsarchitekt & Stadtplaner aus Burghaslach beauftragt worden. Gunter Schramm von Planwerk gab einen Überblick über Inhalte und Ablauf der Konzepterarbeitung, was circa ein Jahr in Anspruch nehmen werde. Darin sollen alle Gemeindeteile einbezogen werden. Als nächste Schritte stehen noch im Oktober Ortsspaziergänge sowie Anfang 2017 Planungsworkshops an. "Wir verstehen uns als Begleiter und Mutmacher. Vorausdenken aber müssen sie", appellierte Frieder Müller-Maatsch, der aktuelle Bilder der jeweiligen Ortsteile zeigte.


Appell an die Bürger

Anschließend waren alle anwesenden Bürger dazu aufgerufen, an den vier Themenecken Landwirtschaft/Natur, Daseinsvorsorge/Mobilität, Wirtschaft/ Tourismus sowie Innenentwicklung/Leerstand die derzeitige Situation zu analysieren sowie erste Projektideen zu formulieren. Betreut wurden die Workshops von Gunter Schramm und Ann-Sofie Beuerle von Planwerk sowie Frieder Müller-Maatsch und Barbara Schimmel vom Büro Müller-Matsch, die auch die Ergebnisse vorstellten. In der Daseinsvorsorge wurden die zeitgemäßen Betreuungsangebote für Kinder gelobt. Als Schwäche erachtete man die Betreuungsmöglichkeiten für Senioren und die medizinische Versorgung in der Gemeinde. Bezüglich der Innenentwicklung wurde der Leerstand angeprangert sowie die mangelnde Pflege der betroffenen Grundstücke. Ein großes Thema ist die enge Bebauung gerade in Steinberg und Wilhelmsthal. In der Kategorie Wirtschaft und Tourismus wurden die sehr guten Handwerksbetriebe vor Ort, die Nähe zur Kreisstadt, die Wohnqualität sowie das gut ausgebaute Wege- und Radwegenetz gelobt. Schwächen sah man in einer teilweise vor Ort fehlenden Gastronomie sowie mangelnder Einzelhandels- und Dienstleistungsangebote, einer mangelnden Vernetzung von Tourismusverbänden, in den fehlenden Radwegen nach Gifting sowie Roßlach-Friesen als auch in der schlechten Breitbandversorgung in den Ortsteilen. In der Landwirtschaft wurden die großen Waldflächen sowohl positiv als auch negativ empfunden. Angeprangert wurde eine fehlende Vermarktung der Natur, eine Verwilderung ungenutzter Bauflächen, der fehlende Hochwasserschutz in Steinberg sowie die mangelhafte Pflege des Bachbeets in Gifting. Als Projekte konnte man sich beispielsweise Ehrenamtsbörsen, das Schaffen altersgerechter Wohnungen, zeitgemäße Bestattungsformen, Treffpunkte für jung und alt, eine zentrale Erfassungs- und Managementstelle für Leerstände, beschilderte Wanderwege sowie einen Steg zum Einkaufsmarkt in Steinberg vorstellen. Erfreulicherweise haben sich für alle vier Bereiche Bürger zur Mitarbeit in entsprechenden Arbeitsgruppen bereit erklärt. Die Bürgermeisterin zeigte sich sehr beeindruckt für die zahlreichen guten Anregungen: "Das Gemeindeentwicklungskonzept ist der richtige Schritt", zeigte sie sich sicher und lud zu den Planungsspaziergängen in den kommenden Wochen ein.
Die Bürgermeisterin teilte mit, dass aufgrund von Schieber-Austauscharbeiten die Straße in Gifting innerorts ab 21. Oktober bis Dezember halbseitig gesperrt wird. Weiter teilte sie mit, dass die von der Telekom zugesagte Fertigstellung des Breitbandausbaus Ende Oktober nicht eingehalten werden kann. Die Fertigstellung werde aber noch heuer erfolgen. Sich ergebende weiße Flecken könnten nachgebessert werden.


Ortsbegehungen


Termine/Treffpunkte: Freitag, 21.10.2016: Ortsbegehung Steinberg und Roßlach: Treffpunkte: 14 Uhr in Steinberg am Rathaus, um 17 Uhr in Roßlach - Ortsmitte, Samstag, 22.10.2016: Ortsbegehung Hesselbach, Lahm, Effelter, Gifting: Treffpunkte: 9 Uhr in Hesselbach, 11 Uhr in Lahm, 14 Uhr in Effelter und 16 Uhr in Gifting, jeweils Ortsmitte, Freitag, 28.10.2016: Ortsbegehung Wilhelmsthal und Eibenberg: Treffpunkte: 14 Uhr in Wilhelmsthal an der Kirche, 17 Uhr in Eibenberg - Ortsmitte. hs