Werden illegal aus Osteuropa importierte Hundewelpen von einem Züchter aus dem Landkreis als vermeintliche Eigenzucht angeboten? Viele Hinweise aus der Bevölkerung deuten zumindest darauf hin. Die Polizeiinspektion Kronach hat entsprechende Ermittlungen aufgenommen.

Bereits im August hat ein Hundebesitzer Anzeige bei der Polizei gegen einen Hundezüchter aus dem Raum Kronach/Mitwitz erstattet. Dabei gebe es konkrete Hinweise, dass die Tiere aus Ungarn stammen und über Internet-Plattformen oder Anzeigen als eigene Züchtungen weiterveräußert werden. Nach Informationen der Polizei handelt es sich bei den bisherigen Hinweisen konkret um die Rassen Mops und Chihuahua.

Nach Vorermittlungen startete die Polizei in Kronach gestern einen öffentlichen Aufruf, in dem um Hinweise zu möglichen Hundezüchtern oder Käufern gebeten wurde. Ein Echo ließ nach der Verbreitung durch viele Online-Medien nicht lange auf sich warten. Auch auf der Facebook-Seite von infranken.de haben sich Hundebesitzer ausführlich ausgetauscht. "Das ist sehr schnell in Bewegung gekommen, es haben sich bereits vier Hundekäufer bei uns gemeldet", erklärte der zuständige Sachbearbeiter Reinhard Silz gestern Nachmittag auf Nachfrage unserer Zeitung. Obwohl die vielen Hinweise aus der Bevölkerung den Vorwurf erhärten, stünden die Ermittlungen jedoch noch ganz am Anfang. Um ein mögliches Verfahren nicht zu gefährden, möchte Silz noch nicht konkret werden und eine Auskunft über Verdächtige geben. So kann auch noch keine Prognose abgegeben werden, ob die Tiere tatsächlich aus Osteuropa stammen oder "nur" aus einer ganz normalen Hobbyzucht ohne entsprechende Genehmigung, erklärt Silz. Aufklärung sollen in den nächsten Wochen die Zeugenbefragungen geben. Bis dahin ist aber noch Geduld gefragt. Bis die Zeugenaussagen alle zusammengeführt seien und eine konkrete Aussage getroffen werden können, vergehe möglicherweise ein halbes Jahr, teilte Silz unserer Zeitung mit.
Was bereits feststeht: Die der Polizei gemeldeten Hunde wurden über Online-Plattformen wie Ebay-Kleinanzeigen angeboten. Ohne Züchternachweis, Impfpass und weit unter dem normalerweise üblichen Preis, so Reinhard Silz. Es überrascht daher nicht, dass bei drei Hunden gesundheitliche Beeinträchtigungen vorliegen.


Warnung vor niedrigen Preisen

Den Käufern möchte Reinhard Silz keinen Vorwurf machen, warnt aber für die Zukunft. "Wer ein Tier unter 50 Prozent des Werts kauft, muss sich Gedanken machen, ob alles mit rechten Dingen zugeht", sagt er. Zur Vorsicht beim Hundekauf warnt auch Markus Heckel, Leiter des Veterinäramtes in Kronach. Bei zu günstigen Preisen müsse man als potenzieller Käufer misstrauisch werden. Im Internet könne man sich schon mal kundig machen, wie viel bestimmte Rassen kosten. 300 Euro für einen Chihuahua seien beispielsweise deutlich zu wenig. "Da sollte man die Finger von lassen, billig gekauft heißt meistens doppelt bezahlt", sagt Heckel. Für einen illegalen Handel sei der Preis aber nur ein Indiz von vielen. Beim Hundekauf sollte man sich immer einen Kaufvertrag ausstellen lassen, in dem Gesundheit, Impfung und weitere Daten des Tieres beschrieben sind. Dazu empfiehlt Heckel, sich Bedingungen der Hundehaltung vor Ort bei den Züchtern genau anzusehen. Bei solchen Terminen rät er jedoch davon ab, bereits Kinder mitzunehmen oder sich die Tiere vorschnell in die Hand drücken zu lassen. "Kinder fangen da schnell das Quengeln an", sagt Heckel. "Wenn man die Tiere erst mal in der Hand hält, entsteht schnell eine emotionale Bindung und man ignoriert die Mängel der Tiere." Mängel, die bei Hundewelpen aus dem osteuropäischen Raum häufig vorkommen. Dort werden Welpen oft viel zu früh von der Mutter getrennt und meist nicht geimpft. "Hunde werden dort als Gebärmaschinen benutzt", so Markus Heckel.

Für den aktuell konkreten Verdachtsfall im Kreis Kronach könne er unserer Zeitung keine Auskunft erteilen. "Das ist nicht Sache des Landratsamts, sondern der Polizei Kronach", sagt er. Grundsätzlich seien ihm aber ähnliche Fälle aus Deutschland bereits bekannt. Oft seien dabei den Hundehändlern in Osteuropa und den Züchtern hierzulande Strohmänner zwischengeschaltet, um Spuren zu verwischen.

Entsetzt über ein solch mögliches Gebaren im Landkreis zeigen sich andere Züchter aus der Region. "Das ist Betrug ohne Ende", distanziert sich Silke Löffler deutlich von derartigen Machenschaften. In Gehülz betreibt sie eine Zucht für die Rasse "Australian Shepherd". Beim Kauf eines Hundes sollte man sich vor Ort unbedingt die Elterntiere zeigen lassen. "Wie die Mutter ist, so werden auch die Kinder", erklärt sie. Ist kein Elterntier zu sehen, rät Silke Löffler von einem Kauf ab und fügt hinzu: "Man darf sich auch nicht vom Kleinen und Süßen blenden lassen, sondern sollte auf seinen gesunden Menschenverstand hören."


Polizei bittet um Hinweise

Im Zuge der Ermittlungen bittet die Polizeiinspektion Kronach um Hinweise aus der Bevölkerung.
• Wer hat von 2013 bis 2015 Mops- und Chihuahua-Welpen aus dem Raum Kronach/Mitwitz gekauft?
• Wer kann sachdienliche Hinweise zu möglichen Hundezüchtern oder Käufern der genannten Rassen geben?
Jeder Hinweis könne wichtig sein. Betroffene Hundebesitzer dürfen die Welpen beziehungsweise Junghunde behalten und haben keinerlei strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten, teilt die Polizei mit. Hinweise können der Polizeiinspektion Kronach unter Telefon 09261/5030 oder über pp-ofr.kronach.pi@polizei.bayern.de mitgeteilt werden.