Denise Spindler erinnert sich noch genau an die Schrecksekunde, als sie beim Stillen von Tochter Alma kürzlich einen Knoten in ihrer Brust feststellt. "Ich wollte das abchecken lassen, doch dafür hätte ich zu meiner Hausärztin in Kronach gemusst", erklärt die Mutter aus Kleintettau. Mit einem sechs Monate alten Baby sei das ein halber Tagesausflug.

Glücklicherweise gibt es seit September vergangenen Jahres eine Wochenbett-Sprechstunde, die sich an Eltern in den Wochen und Monaten nach der Geburt richtet. Jeweils einmal pro Woche bieten Hebammen in Kronach und Steinbach am Wald (siehe Infokasten) eine Beratung an. Bisher haben bereits rund 40 sogenannte Wöchnerinnen - Mütter kurz nach der Geburt - das gemeinsame Angebot der Gesundheitsregion Plus des Landkreises Kronach und der hiesigen Hebammen genutzt - so auch Denise Spindler: "Die Hebammen sind Expertinnen. Sie haben mich untersucht und konnten dann sehr schnell Entwarnung geben." Auch hätten sie die junge Mutter beruhigt und ihr erklärt, dass Verhärtungen während der Stillzeit in der Brust ganz normal sind.

Antworten auf alltägliche Fragen

Was kann ich tun, wenn mein Baby jede Nacht durchschreit? Wie führe ich Beikost als Nahrung ein? Und wo kommt eigentlich dieser Ausschlag her? Frisch gebackene Eltern kennen solche Fragen nur zu gut. Beantwortet werden sie in der Regel von Hebammen, die Mutter und Kind nach der Geburt zu Hause besuchen und weiterbetreuen. Doch das ist längst nicht selbstverständlich.

Jede gesetzlich krankenversicherte Frau hat nach der Geburt zwölf Wochen lang Anspruch auf die Unterstützung einer Hebamme, bei Bedarf auch bis zum Ende der Stillzeit. Das besagt das Sozialgesetz, doch die Praxis sieht anders aus:"Es gibt hier im Landkreis Mütter, die keine Hebamme gefunden haben", schildert Kristina Schnappauf die aktuelle Lage, die laut der Hebamme und ihren Kolleginnen im nördlichen Landkreis besonders angespannt ist.

"Von einem Mangel kann hier bei uns derzeit noch nicht gesprochen werden", betont Cilli Volk - eine von zwölf Hebammen im Kreis Kronach. In manchem Nachbarlandkreis sei die Versorgung noch schlechter. "Doch wir müssen vorbeugen, dass es in naher Zukunft nicht dazu kommt."

"Die Hebammen wechseln sich ab und leisten das im Rahmen ihrer freiberuflichen Tätigkeit", erklärt die Projektkoordinatorin des Landkreises, Andrea Hahn. "Die Hebammen haben den Wunsch nach einer solchen Anlaufstelle im Herbst 2018 eingebracht." Die Kapazitäten der Hebammen, Mütter nach der Geburt - im sogenannten Wochenbett - angemessen zu betreuen, würden schlicht nicht immer ausreichen.

Großer Bedarf im Nordkreis

Vor allem Hausbesuche im nördlichen Landkreis sind häufig mit langen Fahrstrecken verbunden. "Folge kann sein, dass junge Mütter ungewollt ohne Betreuung bleiben. Dem soll vorgebeugt werden." Dass das Bayerische Gesundheitsministerium gleichzeitig sein "Zukunftsprogramm Geburtshilfe" startete, kam genau zur richtigen Zeit und ermöglichte die Umsetzung des Angebotes.

Bedarf ist vorhanden

Bedarf für das zusätzliche Beratungsangebot ist jedenfalls vorhanden: "In meinem Freundeskreis sind derzeit mehrere Frauen schwanger", erzählt Denise Spindler. "Da wird es mit den Hebammen dann schon eng." Wer keine Hebamme findet - oder keine Betreuung nach der Geburt möchte, weil es beispielsweise nicht das erste Kind ist -, wird während der Sprechzeiten ohne Termin und als Kassenpatientin kostenlos von den Hebammen beraten. "Für uns ist es das dritte Kind", erzählt die Mutter des sechs Monate alten Matthis, Caroline Ziebe. "Wir sind mit unserer Hebamme sehr zufrieden. Aber wenn wir doch mal eine kleine Frage haben, wenden wir uns an die Beratungsstelle."

Kein Ersatz

Die ersetzt zwar bei medizinischen Notfällen nicht die Fahrt zum Kinderarzt oder ins Krankenhaus. "Aber bei Kleinigkeiten wie einem eingewachsenen Zehennagel können die Hebammen eine Einschätzung geben, ob wir einen Kinderarzt aufsuchen müssen oder auch ob eine Salbe reicht."

Vor Ort

Auch Michaela und Thomas Gertloff aus Kleintettau sind mit ihrem neun Monate alten Paul treue "Kunden" der Wochenbett-Sprechstunde: "Wir müssten sonst jedes Mal zum Wiegen oder Messen nach Sonneberg fahren. So können wir das hier vor Ort erledigen."

Außerdem dient die Sprechstunde als Alternative, falls die eigene Hebamme gerade im Urlaub ist. "Weil jede Hebamme viel zu tun hat, ist es schwierig, eine Kollegin im Urlaub zu vertreten", erklärt Kristina Schnappauf. Das regelmäßige Beratungsangebot sei somit auch eine Entlastung für die Hebammen.

Problematik

Steinbachs Bürgermeister Thomas Löffler ist selbst stolzer Vater eines neun Monate alten Sohnes. "Wir haben derzeit leider noch keinen Kinderarzt gefunden, der sich hier niederlassen möchte", erklärt er die Problematik. "Wenn die Eltern dann eine Frage haben, müssen sie erst einmal eine halbe Stunde, etwa bis nach Neuhaus, fahren."

Umso erfreulicher sei es, dass die Eltern aus der Umgebung nun eine zentrale Anlaufstelle im Beratungshaus am Rennsteig haben. Eine weitere schöne Nachricht erreichte jüngst unsere Redaktion: Eine der Mütter hat sich bereiterklärt, in Steinbach eine Krabbelgruppe für Eltern aus der Umgebung zu betreuen. Wer Interesse hat, kann sich direkt bei der Gemeinde unter der Telefonnummer 09263/ 97510 melden.

Sprechstunde

Kronach Jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr in den Räumen der Stillambulanz (1. Obergeschoss, Raum A-1-004) in der Helios-Frankenwaldklinik, Friesener Straße 41.

Steinbach am Wald Jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr im Beratungshaus am Rennsteig, Rennsteigstraße 19. saha