Ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum, Bratengeruch, der aus der Küche in das beheizte Wohnzimmer strömt und eine prunkvolle Tafel, an der all die Geschwister, Kinder und Enkel sitzen. Was für viele Menschen selbstverständlich ist, davon können andere nur träumen.

"Wir wollen nicht, dass unsere Bewohner an Weihnachten alleine in ihren Zimmern sitzen, denn dann kommt die Traurigkeit", erklärt die Leiterin des Kronacher BRK-Seniorenhauses Tanja Seuling.

Darum bietet das Pflegepersonal den 158 Bewohnern bereits in diesen Wochen ein buntes Vorweihnachtsprogramm. "Jeden Montag singen wir gemeinsam", berichtet die Leiterin des Betreuungsteams Teresa Schneider. Sie begleitet mit ihrem Schifferklavier die Senioren musikalisch.

Gemeinsames Baumschmücken

Für die weihnachtliche Deko im ganzen Haus sorgt Sibylle Buckreus. Die Leiterin der Raumpflege zaubert mit viel Nähtalent, Tischdeckchen, Stoffbahnen für die Wände und Kissenbezüge. Ein Höhepunkt ist jedes Jahr das gemeinsame Schmücken des Christbaums im Speisesaal. "Manche machen mit, andere beobachten und sagen uns, wo wir was aufhängen sollen - und andere wollen einfach nur dabeisitzen", erzählt die Leiterin. "Das Schönste ist, dass ich mich um nichts mehr kümmern muss", sagt eine Seniorin scherzhaft, "außer mal ein Geschenk zu öffnen."

Besuch vom Christkind

Apropos Geschenke: Natürlich darf auch der Besuch des Weihnachtsmannes und seinem himmlischen Gefolge nicht fehlen: "An Heiligabend kommt das Kronacher Christkind mit seinen Engeln. Dann gehen wir von Station zu Station - und wirklich jeder bekommt ein Geschenk - auch die Bewohner, die in ihren Zimmern bleiben", betont Seuling."

Vor der Weihnachtsfeier gibt es in der hauseigenen Kapelle an Heiligabend eine Christmesse - im einen Jahr evangelisch, im nächsten katholisch. "Da ist die Kapelle jedes Jahr rappelvoll", berichtet Schneider.

Doch auch im Krankenhaus kommt Weihnachten nicht zu kurz: Wer in der Helios-Frankenwaldklinik liegen muss, kommt in den Genuss, die "Fränkische Weihnacht" zu erleben - ein bunter und stimmungsvoller Abend in der Klinikkapelle, für den auch Nicht-Patienten gerne ins Krankenhaus kommen.

"Ein Wiedersehen mit vielen Beteiligten gibt es traditionell kurz vor Weihnachten, wenn die Musikgruppen noch mal die Frankenwaldklinik besuchen, über die Stationen ziehen und den Patienten, deren Angehörigen und Gästen Lieder zum Besten geben", schildert Pressesprecher Stefan Studtrucker. "Sie senden ein Signal der Mitmenschlichkeit und Wärme, gerade wenn jemand Weihnachten nicht in der gewohnten Umgebung verbringen kann."

Auch im Pflegeheim "Leben am Rosenberg", das an die Frankenwaldklinik angegliedert ist, weihnachtet es. Dort empfängt die Besucher bereits am Eingang ein Weihnachtsbaum. Überall auf den Gängen stehen kleine Schnee- und Weihnachtsmänner auf den Tischen, von der Decke hängen Dekosterne.

In dem Seniorenheim wohnen derzeit 33 Menschen, der Altersdurchschnitt beträgt laut Leiter Stefan Raible 84 Jahre. Manche von ihnen haben noch Verwandtschaft, andere nicht mehr. "Wir versuchen trotzdem, den Bewohnern ein besinnliches Weihnachtsfest zu bereiten."

Mehr Familienebesuch

Ein Pfarrer hält an Heiligabend eine Andacht, bevor den Bewohnern ein weihnachtliches Festmahl aufgetischt wird. Die Enkelin einer älteren Dame hat sich bereiterklärt, Akkordeon zu spielen. "Danach gibt es für jeden noch Geschenke - aber was, das wird natürlich nicht verraten", sagt der Leiter mit einem Augenzwinkern.

Zwar würden an den Feiertagen mehr Angehörige ihre Mutter, Tante oder den Großvater besuchen. "Aber natürlich gibt es auch Bewohner, die niemanden mehr haben und alleine wären, wenn sie noch zuhause leben würden. Hier sind sie es nicht."

Personal opfert Freizeit

Ein Großteil des Pflegepersonals opfert einen Teil seiner Zeit mit der eigenen Familie, um den Bewohnern ein schönes Weihnachtsfest zu bereiten - keine Selbstverständlichkeit, wie Raible betont: "Ohne den Einsatz unserer Mitarbeiter geht es nicht. Wir haben ein tolles Team, das einen sehr familiären Umgang mit den Bewohnern pflegt."

Das sei auch wichtig, denn während den Feiertagen kommen laut Raible bei manchem Bewohner Erinnerungen an vergangene Weihnachten auf: "Das ist für unsere Senioren oft eine sehr emotionale Zeit, wenn sie daran denken, wie es früher war - und bei dem ein oder anderen kommen manchmal auch ein paar Tränchen."

Vorzeitige Entlassung als Weihnachtsgeschenk in der JVA Kronach

Das Fest der Liebe ist für alle da - und der Weihnachtsmann macht auch nicht vor dicken Gefängnismauern Halt. Für einen Häftling der JVA Kronach hat der Mann mit dem weißen Bart in diesem Jahr ein besonderes Geschenk: Eigentlich hätte der Mann noch bis Anfang Januar seine Strafe absitzen und die Festtage somit hinter Gittern verbringen müssen. Doch er darf bereits am Freitag das Gefängnis verlassen und Weihnachten somit in Freiheit verbringen.

Möglich macht das Artikel 18 des Bayerischen Strafvollzugsgesetzes: "Fällt das Strafende in die Zeit vom 22. Dezember bis zum 6. Januar, so können die Gefangenen an dem diesem Zeitraum vorhergehenden Werktag entlassen werden, wenn dies nach der Länge der Strafzeit vertretbar ist und fürsorgerische Gründe nicht entgegenstehen", heißt es dort. Besagter Häftling hat gleich doppelt Glück, denn weil es sich beim 22. Dezember um einen Sonntag handelt, darf er bereits am Freitag den Duft der Freiheit genießen.

Derzeit ist die JVA Kronach, die Platz für bis zu 99 Insassen bietet, fast ausgelastet. Auch ihnen möchte die Justizvollzugsbediensteten ein besinnliches Weihnachtsfest bereiten. "Es gibt einen evangelisch-katholischen Gottesdienst mit musikalischer Untermalung", berichtet JVA-Leiter Ulrich Mann. "Anschließend gibt es an Heiligabend Bratwurst mit Kartoffelstampf." Traditionell erwarte die Insassen am ersten Weihnachtsfeiertag Gänse-, am zweiten Kalbsbraten. "Das lassen sich die Häftlinge auch immer schmecken."

Damit keine Langeweile aufkommt, gibt es in der JVA Kronach mit Tischtennis, Schafkopf- und Kickerturnieren ein besonderes Festtagsprogramm. "Das wäre nicht ohne die Kollegen möglich, die freiwillig an Weihnachten arbeiten und auf ein Stück Zeit mit der Familie verzichten", betont der JVA-Leiter.