Ferdinand Krüglein hämmert auf die Hupe ein. Hinter ihm wird gefeiert, vor ihm versagt der Knopf so langsam den Dienst. Doch das ist an diesem Tag allen in dem Kleinbus egal. Der SV Friesen ist erstmals Aufsteiger in die Landesliga und damit die unbestrittene Nummer 1 im Fußballkreis Kronach. Das Aushängeschild aller Frankenwald-Kicker sind die "Flößer" heute immer noch. Auch in der Landesliga mischen sie weiter mit. Doch dieser ganz spezielle Jubeltag in der 100-jährigen Vereinsgeschichte liegt bereits 20 Jahre zurück.

"Das kleine Flößerdorf stand Kopf", erinnert sich Josef "Sepp" Geiger. Der heutige Dritte Vorsitzende und Hauptsponsor erinnert sich noch gut an die Zeit um den Pfingstmontag des Jahres 2000. Nach der Niederlage im ersten Relegationsspiel gegen den TSV Aubstadt (1:3 in Bamberg) wurden am 11. Juni in Marktschorgast Nägel mit Köpfen gemacht. Ein 2:1-Erfolg stand am Ende für den Tabellenzweiten der Bezirksoberliga zu Buche.

"Die Mannschaft wurde nach dem furiosen Sieg am Dorfeingang von der Friesener Musikkapelle empfangen und frenetisch gefeiert", erinnert sich Geiger an die emotionalen Momente vor zwei Jahrzehnten. Vom Balkon des Backhauses Müller grüßten die SV-Akteure wie echte Profis ihre fußballverrückte Anhängerschaft. "Die meisten Spieler ließen sich sogar ihre Haare blond färben", weiß der Dritte Vorsitzende noch genau, welche Kreise der Aufstieg in Friesen gezogen hat.

Vizemeister mit 59 Punkten

Der Weg dorthin war jedoch steinig. 30 Saisonspiele waren der Relegation vorausgegangen. Am Ende stand Platz 2 mit 59 Punkten und 63:42 Treffern zu Buche. Besser war damals nur der SV Mitterteich (64/76:27). Dann folgte die Niederlage im ersten Relegationsspiel gegen Aubstadt. So blieb nur das Hoffen auf das Thiersheim-Spiel auf neutralem Gelände in Marktschorgast.

"Thiersheim war stark", stellt der damalige Spieler und heutige Schatzmeister Bernd Assion fest. "Die Mannschaft war mit neun Tschechen besetzt. Am Anfang schien sie uns fast zu überrollen." Sein Team sei langsam ins Spiel gekommen - aber dann immer besser geworden.

Nicht zuletzt Ralf Wagner erinnert sich noch an die Nervosität, die auch ihn auf der "nicht besonders üppig besetzten Ersatzbank" ergriffen hat. Er hatte schon gar nicht mehr mit seinem Einsatz gerechnet, als er doch noch aufs Feld durfte. "Ich weiß noch, dass ich zwei verschiedene Stutzen anhatte", sagt er mit einem Schmunzeln.

Als Spielführer war Alexander Graf, heute Vorsitzender des SV, damals besonders stolz auf die Leistung seines Teams. "Das Spiel stand Spitz auf Knopf. Es war vom Kampf und von den Emotionen geprägt."

Dass es am Ende zum Sieg reichte, war auch Clemens Schirmer zu verdanken. Er erzielte das 2:0 für die Friesener. "Es war das schönste Spiel meiner Karriere. Es war auch das wichtigste." Und nicht zuletzt sei es für ihn sein wichtigster Treffer gewesen.

Ein Eckpfeiler des Erfolgs: Johannes Lehnhardt

Über die gesamte Spielzeit betrachtet war aber ein Mann ein ganz besonderer Erfolgsgarant. Holger Geiger, damals 26 Jahre alt und bis zu seinem 40. Lebensjahr für den SV Friesen aktiv, rückt "unseren legendären Trainer Johannes Lehnhardt, der leider viel zu früh verstarb", in den Fokus. Lehnhardt wusste mit seiner menschlichen Art genau, wie er die Spieler auf die Herausforderung einschwören und sie über die Saison auf Kurs halten konnte. Das fing mit dem Auftaktsieg gegen den Nachbarrivalen FC Kronach (2:1) an und gipfelte im 3:1-Erfolg am letzten Spieltag gegen den Meister SV Mitterteich. Was in der Relegation folgte, ist in Friesen Kult.

Einen Teil dieses Fußballerlebnisses steuerte auch Ferdinand Krüglein bei. Damals immerhin schon 38 Jahre alt, saß er nicht nur am Steuer des Kleinbusses für "die Jungs", sondern er wurde in der Schlussphase sogar noch eingewechselt. "Auf der Heimfahrt habe ich dann so lange auf die Hupe gedrückt, bis sie defekt war."