Wir schützen, was wir lieben. Und Schutz bedeutet manchmal auch, dass man viele Dinge nicht darf, die vorher selbstverständlich waren. Der Gang in den Kindergarten zum Beispiel, oder der Besuch im Seniorenheim. Der Schulalltag. Und nicht nur die Kinder vermissen ihre Erzieher oder Lehrkräfte, der Zug fährt auch in umgekehrter Richtung. Und weil das so ist, gab es jetzt ein paar herzerweichende Aktionen in Marktrodach.

Die Erzieherinnen des Kindergartens "Villa Kunterbunt" haben etwas in Gang gesetzt, das unmittelbar danach auch das Team der Grundschule kopierte. Sie haben ein Video gedreht, in dem die Sehnsucht eine ganz klare Sprache spricht. Aber die musikalische Botschaft erzählt auch von Hoffnung, Freude auf ein Wiedersehen und von Durchhaltevermögen in einer schwierigen Zeit.

Wie sich die Idee entwickelt hat, erzählt Melissa Büttner vom Kindergarten "Villa Kunterbunt": "Nur wenige Kinder dürfen die Notbetreuung besuchen. Das Kita-Personal arbeitet jedoch weiter. Einige Erzieherinnen übernehmen die Notbetreuung für die Kinder, deren Eltern in einem systemrelevanten Bereich arbeiten, andere räumen auf, putzen, erledigen Büroarbeiten und bereiten vieles für das neue Kindergartenjahr vor.

In dieser Zeit kamen uns einige Ideen und so haben wir mit unserer ,Steine-Aktion' zuerst begonnen. Wir haben Steine bunt bemalt und gegenüber vom Kindergarten ausgelegt, um so allen Kindern, die vorbeilaufen, eine kleine Freude zu bereiten. Gleichzeitig haben wir sie dazu aufgefordert, auch selbst Steine zu bemalen und sie dazuzulegen, um so unsere ,Stein-Schlange' wachsen zu lassen. Sofort haben wir viele positive Rückmeldungen von den Familien bekommen, die die Aktion alle sehr gut aufgenommen und sich daran beteiligt haben.

Und so kam uns auch schnell die Idee für die nächste Aktion. Wir haben beschlossen, dass wir Farbe in diese graue und triste Zeit bringen wollen, und zwar in Form eines Regenbogens. Den Kindern möchten wir mitteilen, dass wir an sie denken, sie sehr vermissen und wir alle gemeinsam zusammen- und durchhalten müssen. Um dies den Kindern richtig zu vermitteln und es ihnen nahbar zu machen, haben wir ein Video für sie gedreht, in dem das gesamte Kita-Team zu einem Ausschnitt des Liedes ,Regenbogenfarben' eine Performance präsentiert. Diese Idee kam so gut an, dass sie selbst von der Marktgemeinde auf ihre Internetplattform gestellt wurde."

Kinder überraschen Erzieher

Melissa Büttner ist tief gerührt, als sie daran denkt, dass das Kita-Team am nächsten Tag selbst von einigen Kindern überrascht worden sei. "Mia Wich, Mia Jolie Gärtner, Mia Sophie Menschik und die Geschwister Amelie und Felix Gabel - alle aus Marktrodach - haben uns in diesem schönem und sehr rührendem Video zum Lied ,Möge die Straße uns zusammenführen' die Botschaft zukommen lassen, dass sie uns sehr vermissen."

Was Büttner aber vor allem bedauert, ist, dass momentan auch keine Besuche im ASB-Seniorenheim möglich seien. "Die Bewohner dort werden nämlich sonst einmal pro Monat immer wieder mit neuen Ideen überrascht. Um sie in dieser schweren Zeit doch etwas aufzumuntern und um auch dem Personal ,Danke' zu sagen, haben wir mit den Kindern aus der Notbetreuung Sterne gestaltet, die wir dann mit guten Wünschen versehen haben: Gesundheit, Freude, Glück, Spaß, Durchhaltevermögen, Liebe und so weiter. Wir freuen uns darauf, bald wieder all diejenigen zu sehen, die wir so schmerzlich vermissen."

"Wir haben die Aktion der Kindergärtnerinnen mit Erlaubnis ganz frech kopiert", gesteht die Schulleiterin der Grundschule Rodachtal, Annegret Hümmrich. Auch sie klagt über die "beklemmende Ruhe im Schulhaus und auf dem Pausenhof". Nur das Lachen der Kinder aus der Notbetreuung sei zu hören. Umso mehr habe es sie und ihre Kollegen bewegt, das Video zu planen und es dann auch aufzunehmen. "Uns wurde deutlich: Wir sind und leben gemeinsam die Schulfamilie."

Sie fing auch einige Stimmen der anderen Lehrkräfte ein und das ganze Ausmaß des Verlustes wird durch wenige Sätze erkennbar: "In der aktuellen Situation wird einem bewusst, dass Schule nicht nur Lehren und Lernen ist (das funktioniert auch online), sondern vor allem ein soziales Miteinander. Durch das Video hatte man das Gefühl der Verbundenheit - mit unseren Schülern, aber auch mit den Kollegen. Die Schulschließung ist für uns Lehrer, vor allem aber auch für die Eltern, eine große Herausforderung. Ich vermisse meinen "alten" Alltag, insbesondere die intensive Arbeit mit den Kindern. Am Tag der Videoaufnahme wurde mir besonders bewusst, dass eine Schule ohne Kinder eine ,traurige' Schule ist, aber auch wie wertvoll ein tolles Kollegium ist, das auch in schweren Zeiten zusammenhält. Uns bleibt in der momentanen Situation - so wie es auch im Songtext steht - wohl nur eins übrig: Abstand halten, Herzen eng zusammenrücken und das Beste draus machen."