Wenn im Januar mehrere Tausend Unternehmer aus dem Landkreis Kronach aufgerufen sind, bei der IHK-Wahl ihre Stimme abzugeben, wird sein Name nicht mehr auf dem Wahlzettel stehen: Paul Rudolf Schnell war fünf Jahre Mitglied im IHK-Gremium Kronach, mehr als 20 Jahre im Handelsausschuss in Bayreuth dabei, zehn Jahre im Handel sausschuss des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.

Für einen der 30 Sitze im Gremium kandidiert er nun nicht mehr und der Abschied vom Ehrenamt fällt dem Geschäftsführer des traditionsreichen Weka-Kaufhauses nicht leicht: "Für die Unternehmen konnten wir einige Dinge auf den richtigen Weg bringen. Mir persönlich hat das viel gegeben."


Sich einbringen

Dazu sei es auch bitter nötig, dass über das, was die Unternehmer betrifft, nicht die Politik allein entscheidet, sagt Schnell. Die Unternehmerperspektive müsse miteinbezogen werden. Als Mitglied im DIHK-Handel sausschuss habe er ein ums andere Mal Gesetzesvorlagen gesehen, "die völlig an der Realität von uns Unternehmern vorbeigingen".

Wie wichtig sei da die Stimme der Fachleute und Praktiker aus der Wirtschaft, die in den Gremien sitzen, heißt es in einer Pressemitteilung der Industrie- und Handelskammer. "Die Basis dafür sind starke Gremien hier vor Ort mit sachkundigen Unternehmern aus den eigenen Reihen. Das ist meines Erachtens nach für jedes IHK-Mitglied wichtig."

Welche Rolle die Selbstverwaltung der Wirtschaft durch die IHK dabei spielt - als Interessensvertretung und Dienstleister mit einem breitgefächerten Angebot für die Unternehmen - sei Schnell selbst erst vollends bewusst geworden, nachdem er sich ehrenamtlich zu engagieren begonnen habe.

"Zuvor hatte ich nur in Sachen Berufsausbildung mit der IHK zu tun", sagt der Chef des Weka-Kaufhauses. "Wir haben immer viel ausgebildet, bis zu 16 neue Auszubildende pro Jahr; gerade in den Jahren, in denen viele junge Leute Probleme hatten, einen Ausbildungsplatz zu finden." Als sich für ihn dann die Möglichkeit ergab, sich ehrenamtlich bei der IHK zu engagieren, war klar: "Da mache ich mit."


Langer Atem nötig

Nicht immer war die Interessensvertretung für die regionale Wirtschaft dabei sofort von Erfolg gekrönt - das gibt der 64-Jährige zu. "Die Entscheidungsprozesse in der Politik sind lang, da wird längst nicht alles sofort 1:1 umgesetzt. Aber auch wir Unternehmer, vielleicht gerade wir Einzelhändler, müssen uns selbstkritisch hinterfragen: Schotten wir uns als Konkurrenten zu sehr voneinander ab, haben wir zu große Berührungsängste? Wenn alle mitmachen, könnten wir gemeinsam häufig mehr erreichen."

Auch aus diesem Grund hofft Schnell im Januar auf eine hohe Wahlbeteiligung, die die IHK-Stimme auf eine breite Basis stellt. Er selbst zieht sich mit 64 Jahren aus dem Gremium zurück, da die Legislaturperiode in seinen Ruhestand hineingeht und "die aktiv im Unternehmen Handelnden besser wissen, welche Themen die Unternehmer beschäftigen".

Mehr als 60 Kandidaten gibt es für das IHK-Gremium Kronach. Informationen zur Wahl und zu den Kandidaten können online abgerufen werden unter www.2017ihkwahl.de.