Die Mundart im Frankenwald, wo ja jedes Dorf etwas anders spricht, liegt Hans Blinzler ebenso seit vielen Jahren am Herzen wie seine Heimat, das Rodachtal. Beides wird er in seiner künftigen Funktion als Kreisheimatpfleger ab Juli betreuen dürfen.

Doch damit ist es nicht getan. Der frühere Leiter der Realschule I in Kronach darf sich auch um die Flößerei kümmern. Und um ein für ihn völlig neues Betätigungsfeld, die Trachtenpflege. "Ich bin daran interessiert, zumal es bisher kaum jemanden für diesen Bereich gegeben hat", stellt der Nordhalbener fest, dass er sich auch in Sachen Trachten mit Engagement einarbeiten will.

Wenn es darum geht, wie den Menschen im Kreis Kronach der Schnabel gewachsen ist, kennt sich Blinzler hingegen schon jetzt bis ins Effeff aus. Den Wert der heimischen Mundart will er künftig stärker unterstreichen.
"Die Mundart kommt im Moment in der Öffentlichkeit kaum vor", ärgert er sich ein wenig, dass dieses Kulturgut ein Schattendasein fristet.

Resonanz ist schon da

Dass er mit seiner Absicht allem Anschein nach offene Türen einrennt, zeigte sich bereits, als seine Ernennung zum Kreisheimatpfleger bekannt wurde. "Weil ich in der Zeitung gestanden habe, habe ich schon zwei Arbeiten bekommen", erzählt er. "Bei der einen Geschichte ging es um ein paar Ausdrücke, mit der anderen war ich zwei Nächte lang beschäftigt - sozusagen als neutraler Korrektor", blickt Blinzler mit einem Schmunzeln auf seinen etwas vorgezogenen, inoffiziellen Amtsantritt zurück.

"Die Mundart ist mir schon wichtig, weil sie etwas brach liegt", stellt er fest und erinnert sich an die so genannten See lacher Gespräche. Vor etwa 15 Jahren waren alle Mundartschreiber dazu eingeladen, über mögliche Schreibweisen für die Mundart zu diskutieren. "Auf dieser Grundlage möchte ich aufbauen. Ich möchte gerne eine Normierung, der man nicht folgen muss, aber kann", zielt er auf ein Angebot für alle Mundartschreiber ab, das deren Wirken erleichtern soll. Bei seiner Arbeit hofft er natürlich auch auf die Unterstützung seiner Kollegen und Gleichgesinnter.

Interesse schon in Kindheit geweckt

Blinzler möchte durch seine Tätigkeit seine Mitmenschen wieder mehr für die Heimatgeschichte sensibilisieren. "Alles was die Heimat betrifft, interessiert mich von Klein auf", erzählt er. Nur gebe es heutzutage keine Heimatkunde mehr wie zu seiner eigenen Schulzeit. "Der Heimatbezug ist nicht mehr so da", bedauert er. Dieser Entwicklung möchte er ein Stück weit entgegenwirken.

Das ist eine Aufgabe, zu der er übrigens gleich dreifach aufgefordert worden ist. Für sein neues Amt wurde er vom Gemeinderat, von der CSU-Kreistagsfraktion und vom Verein für Heimatpflege Gehülz-Ziegelerden-Seelach aufgefordert. Aller guten Dinge sind eben doch drei.