Brust, Ellenbogen, Knöchel: Hier ist es besonders schmerzhaft. Etwa einen halben Millimeter tief unter die Haut, 120 Stiche pro Sekunde, so kommt die Farbe beim Tätowieren unter die Haut. Laut einer Studie der Uni Leipzig ist mittlerweile jeder fünfte Deutsche tätowiert. Am Wochenende kommen wieder einige dazu. Die 3. Kronacher Tattoo Convention öffnet ihre Türen für Schaulustige und Freunde des schönen Schmerzes.

An zwei Tagen versammeln sich 31 Tattoo-Künstler aus 22 Studios im Schützenhaus in Kronach. Viele davon kommen aus der Region - aus Coburg, Bad Staffelstein oder Lichtenfels - andere reisen aus Berlin oder Weimar an. Den weitesten Weg hat das "Inkwell Arts Tattoo Studio" aus England vor sich, den kürzesten vermutlich Ivan Pirsel, Inhaber von "Good Vibes Tattoos" in Kronach.

Erst seit Juli betreibt er sein Studio - wobei Atelier vielleicht treffender wäre. Ivan versteht sich in erster Linie als Künstler. Über Leidenschaft für Graffiti, Air-Brush und Kalligraphie ist der 27-Jährige zur Körperkunst gekommen. Sein Schwerpunkt sind realistische Tattoos und sogenanntes "custom lettering" - individuell gestaltete Schriftzüge. Auf der Convention aus Kronach wird er nur zwei Motive stechen. Für ihn geht es bei der Veranstaltung vor allem darum, sein Können zu zeigen und bei den Wettbewerben gut abzuschneiden. In insgesamt zwölf Kategorien können die Tätowierer Trophäen abstauben. Nur Werke, die auch während der beiden Tage gestochen wurden, gehen ins Rennen. Ivan konnte bei der letzten Convention in der Kategorie "Script" - Schriftzüge - punkten und versucht auch 2017 wieder sein Glück.

Chancen für Laufkundschaft?

Laufkundschaft wird er an dem Wochenende keine bedienen - aber viele andere Künstler, verspricht Organisator Herbert Müller. "Die Leute sollen auch ohne Termin kommen können, um sich tätowieren zu lassen", sagt er. Er stellt die Convention schon zum dritten Mal auf die Beine und rechnet an beiden Tage mit circa jeweils 400 Besuchern. Sich im Vorfeld beim Studio zu informieren, ob die auch spontan zur Nadel greifen, lohnt sich allerdings.

Auch "Magestic Tattoos" aus Kronach ist fürs Wochenende ausgeplant. Artur Kucharski hat schon zwei größere Projekte auf dem Plan. Der Hutmacher aus "Alice im Wunderland" und den "Cristo Retendor" (das weltberühmte Christus-Monument in Rio de Janeiro) sollen ihm den Sieg in möglichst vielen Kategorien bringen. Acht bis neun Stunden müssen die Modelle dafür ausharren. Die Pokale wären in guter Gesellschaft: Zirka 180 Trophäen aus 26 Jahren Karriere zieren das Studio in Kronach. Kucharski sticht alles - am liebsten aber realistische Motive und Porträts.

Ivan sticht hingegen nicht alles - und vor allem auch nicht jeden. "Die Chemie muss stimmen", sagt er und erklärt, dass er auch hin und wieder potenzielle Kunden und Motive ablehnt. Ein klassisches Beispiel sind die momentan sehr angesagten "Unendlichkeits-Zeichen", die sich vor allem weibliche Kunden möglichst klein und filigran stechen lassen möchten. Ivan erklärt: "Die Haut arbeitet - diese kleinen Tattoos sehen in zehn oder 15 Jahren nicht mehr gut aus." Auch ein Grund, warum er "Trend-Tattoos" ablehnt: Er will keine Kopien stechen - und versucht lieber, etwas Individuelles für den Kunden zu finden.




3. Tattoo Convention Kronach
28.-29. Oktober im Schützenhaus Kronach, Tageskarte 8 Euro
Samstag 10 - 22 Uhr
Sonntag 10 - 20 Uhr
http://www.kronachertattooconvention.de/