Die 20-jährige Tanja Kestel hatte die Wappen der Festung Rosenberg als Thema für ihre Facharbeit gewählt. Hierfür entwickelte sie zwei Wappen-Rundgänge - einen im inneren Bereich der Festung sowie einen öffentlichen Rundgang um die Festung. Zu Letzterem lud am Samstag der Verein "1000 Jahre Kronach" ein.
"Schon so viele Jahre lebe ich nun in Kronach. Unzählige Male habe ich die Festung selbst besucht und bewundert. Oft habe ich mich gefragt: Wie wurde das früher nur alles erbaut - ganz ohne Maschinen und technische Mittel, die uns heute zur Verfügung stehen" - so erklärte Tanja Kestel ihre Motivation, die Arbeit zu schreiben und das Thema näher zu betrachten. Wie viel Leben in solch alten Mauern stecken kann, davon konnten sich die Teilnehmer der Führung am Samstag selbst ein Bild machen.
Die bunt gemischte Gruppe startete vom Parkplatz der Festung aus. Die jüngste Teilnehmerin war die kleine Hannah Kestel mit drei Jahren, die zu Besuch bei ihren Großeltern in Kronach ist. Aber auch junge Erwachsene, Frauen und Männer in mittleren Jahren sowie Senioren zeigten sich geschichtlich interessiert.
Die erste Station führte an die Bastian I, "St. Kunigunde". "Die vielen Wappen an der Festung sind nicht nur schön anzuschauen, sondern weisen auch auf die Verantwortlichen des damaligen Burgenbaus hin - sprich die Fürstbischöfe", erklärte Tanja Kestel und zeigt auf das Wappen von Philipp Valentin Voit von Rieneck - angebracht an der Spitze der Bastion, die er 1663 hatte errichten lassen. "Während meiner Arbeit habe ich erkannt, wie viel uns diese Wappen und das alte Gemäuer noch sagen können, wenn man sich nur etwas damit beschäftigt", meinte Tanja Kestel, die den aufmerksamen Gästen den Aufbau und die Bestandteile des Wappens vorstellte.

Wunderschöne Wappen


Weiter ging es entlang der Festungsmauer in nördlicher Richtung zur Bastion II, "St. Valentin". An der südwestlichen Flanke und an der Spitze der Bastion finden sich ebenfalls zwei wunderschöne Wappen. Der Rundgang zog sich dann durch den äußeren Wallgraben zwischen Bastionen und Vorwerken hindurch. Die Gäste waren sehr aufmerksam bei der Sache. Stifte und Papier wurden gezückt und eifrig Notizen gemacht. Auch der Fotoapparat kam immer wieder zum Einsatz. Während der Schilderungen war zustimmendes Nicken der Teilnehmer zu sehen. Aber auch Fragen wurden gestellt, auf welche Tanja Kestel stets fundiert Antwort geben konnte.

Lampenfieber war unbegründet


Entlang der Festungsmauern zog sich die Route weiter in südliche Richtung, bevor an der Bastion V, "St. Heinrich", der Rundgang endete. Die 20-Jährige, die vor ihrer Führung ganz aufgeregt war und Lampenfieber hatte, erhielt viel Applaus von den Gästen - verdientermaßen, hat sie es doch geschafft, die Spannung von der ersten Minute an bis zum Schluss aufrecht zu erhalten. Auch ihre Absicht, andere mit dem "Festungsfieber" anzustecken, dürfte sich erfüllt haben.
Die junge Frau studiert übrigens nicht, wie man vielleicht meinen könnte, etwa Kunstgeschichte. Vielmehr ist sie zurzeit in Ausbildung im gehobenen Dienst im Ingolstädter Finanzamt. Zeitgleich absolviert sie ihr duales Studium in Kaufbeuren.
Die Facharbeit von Tanja Kestel liegt in der Kreisbibliothek vor.