Wenn in alten Urkunden und Berichten über Kirchweihfeiern berichtet wird, dann könnte man sehr schnell zu der Meinung kommen, dass früher heftige Schlägereien zum Ablauf einer Kirchweih gehörten. Immer wieder kam es vor, dass sich rivalisierende Burschen um die Gunst der Mädchen prügelten oder anwesende Burschen der Nachbargemeinde mit üblen Bemerkungen provoziert wurden.

Im Kronacher Tagblatt von damals findet sich folgender Bericht: "Anlässlich der Steinberger Kirchweih kam es im September 1882, abends um 22 Uhr zu einer gewaltigen Schlägerei, welche die Bewohner in helle Aufregung versetzte. Steinberger und Friesener Burschen prügelten sich gegenseitig, wobei Augenzeugen von einer regelrechten Schlacht sprachen. Die gesamte Gendarmeriemannschaft und ein sich im Urlaub befindlicher Soldat mussten mit den Waffen die Kampfhähne trennen. Bei einem weiteren Zwischenfall zog ein Unbekannter ein Messer und versetzte einem Einheimischen so tiefe Schnittwunden an der Hand, dass diese abgenommen werden musste."

Selten hingegen wird berichtet, dass die zum Tanz aufspielenden Musikanten verprügelt und malträtiert wurden. Dennoch kam dies hin und wieder vor, wenn zum Beispiel die Musikkapelle zu lange Pausen zwischen den Reigen einlegte oder so schlecht spielte, dass die tanzenden Paare aus dem Takt kamen. Von einer solchen Kapelle soll auch der Ausruf eines Musikers stammen, der von der Bühne den Tänzern zurief: "Ihr Leut, tanzt ne weiter, wir kommen scho wieder nei."

Von einer solchen üblen Rauferei zwischen den Tänzern und der Musik berichtet die Tageszeitung im Jahre 1884 anlässlich der Glosberger Kirchweih. Zum Anlass dieser Schlägerei sei angemerkt, dass auf dem Land in der Regel kein Eintrittsgeld für das Tanzvergnügen erhoben wurde. Die Musiker erhielten ihren Lohn durch die sich auf dem Tanzboden drehenden Tanzpaare. Je fleißiger die Musiker spielten und je mehr getanzt wurde, desto größer war ihre Gage. Das Abkassieren des Tanzgeldes lief in der Regel nach folgendem Schema ab: Die Musik begann schwungvoll zu spielen und die Paare drehten sich auf der Tanzfläche. Etwa in der Hälfte des Musikstückes klatschte ein Begleiter der Musikanten, der gleichzeitig als Kassier fungierte, laut vernehmlich mehrmals in die Hände, worauf die Musik verstummte. Jedes der Tanzpaare hatte nun an den Begleiter einen Obolus von fünf oder zehn Pfennigen zu entrichten. Waren alle Tänzer abkassiert, so setzte die Musik wieder ein und es konnte fleißig weiter getanzt werden. Der Ablauf des Kassierens wiederholte sich den ganzen Abend bei jeder "Tour". Dabei war es üblich, dass die Männer den Frauen den Tanz bezahlten.

Abkassiert wurde am Ende

Anders verhielt es sich in Glosberg. Hier erfolgte das Abkassieren erst am Ende einer jeden Tour. Dies verleidete jedoch so manche Tänzer, sich heimlich, kurz vor dem Ende des Musikstückes, zu "verdrücken" und das Tanzgeld zu sparen. Dies verärgerte wiederum die Musikanten, denn sie kamen um ihren verdienten Lohn. Ihre Ermahnungen und Äußerungen, die eigentlich zur Einsicht der zahlungsunwilligen Tänzer gedacht waren, fanden kein Gehör, sondern schlugen ins Gegenteil um. Es kam zu einer heftigen Schlägerei.

Öffentlicher Brief

Seinen Unmut über das Verhalten der Glosberger veranlasste einen der betroffenen Musikanten zu einem öffentlichen Brief, den die Tageszeitung Fränkischer Wald veröffentlichte. Darin schreibt er: "Aus Anlaß der Glosberger Kirchweih am Sonntag den 17. August d. J. (1884) hatten wir Gelegenheit, uns von dem Bildungsgrade mehrerer jungen Herrn Bauern zu überzeugen; denn wir glaubten uns unwillkürlich auf eine Bauernkirchweih Kroatiens und in die Gesellschaft von Rattenfängern und Mausfallenfabrikanten versetzt. Da wir eifrig bestrebt waren, billigen Anforderungen, die man an eine Dorfmusik zu stellen gewohnt ist, gerecht zu werden, so fanden unsere Leistungen zwar Beifall, allein diesen Beifall bethätigten die Herren Tänzer nicht im Entferntesten mit klingender Münze, denn - sobald das Zeichen zum Auflegen gegeben war, kamen, obgleich 10 Paare sich in munteren Reigen geschwungen hatten, höchstens 3 - 4 der Herren Tänzer und beglückten uns je mit einem Nikelzehner, die übrigen waren spurlos verschwunden, um sich bei Beginn der nächsten Tour wieder flott und ungenirt zu betheiligen.

Genickabschlagen zu befürchten

Daß dies auf die Dauer nicht gut thun konnte, wird man auch von der geduldigsten Musikantenseele nicht erwarten wollen, und da man sich endlich veranlasst sah, die H.H. Tänzer aufzufordern, sie möchten sich wie beim Tanz, ebenso zahlreich bei der Kasse einfinden, - ja da gings eben slowakisch her: Erst kamen Seidelgläser, dann ein Literkrug, zuletzt sogar Stühle gegen die Musikantenköpfe geflogen; einige Musiker wurden bei den Füßen ergriffen und vom Orchester heruntergerissen, dass Genickabschlagen zu befürchten war und der allgemeine Wirrwar war fertig. Als sich hierauf die Musiker weigerten, ferner aufzuspielen, wurde ihnen mit Prügeln, Zusammenschlagen der Instrumente, Hinauswerfen etc. unter den unqualifizirbarsten Komplimenten gedroht und dieselben dadurch gezwungen, weiter zu spielen.

Würde die Bezahlung so reichlich geflossen sein, wie die eminenten Grobheiten - wahrlich dann hätten wir ein schweres Geld von Glosberg weggetragen; als wir aber am Montag nach unserer Kassa schauten und mit Schrecken gewahrten, dass wir im ganzen 16 blanke Mark verdient hatten, rechneten wir für das Manko die aufgedrungenen Höflichkeiten und suchten einen günstigen Augenblick zu erspähen (während des Mittagsschlafs unserer freundl. Gönner) zu entwischen. Und so sind wir denn, Gott sei tausendmal Dank! Mit heiler Haut davon gekommen, freuen uns heute um so mehr unseres Lebens und unserer Gesundheit, und sind um eine sehr traurige Erfahrung reicher geworden; aber unser Wahlspruch wird auf Lebenszeit sein: "Allüberall spielen, nur nicht mehr in Glosberg, und seien die Klöße dort so groß wie ihre Berge und ihre Thaler so schwer als wie die Zwerge."

Unterzeichnet war der Brief von Georg Fröba, Musiker von Windheim, im Namen der Übrigen.