Im "Struwwel" geht es an diesem Vormittag rund. In allen Ecken wird gemalt, geklebt, geschnitzt, gebastelt und verziert. Verschiedene Mal- und Kunsttechniken werden ausprobiert, darunter sogar eine traditionelle Kunstform der Ureinwohner Australiens.

Wer da so geschickt und voller Tatendrang bei der Sache ist, sind Sechstklässler der Realschule (RS) II. Sie nehmen an den heuer bereits im siebten Jahr in Folge stattfindenden Kunsttagen teil.

Mit diesem besonderen Angebot möchte die Schule ihnen eine Entscheidungshilfe für die Wahl ihres Schulzweigs ab der siebten Jahrgangsstufe an die Hand geben. Neben dem mathematischen, kaufmännischen oder französischen Zweig kann an der RS II - als eine von insgesamt nur drei Schulen in ganz Oberfranken - auch der künstlerische Zweig gewählt werden.

Ein großer Befürworter des künstlerischen Zweiges ist der Kunst- und Werklehrer Robert Haynes, der neu an der RS II ist und dort für ein Schuljahr unterrichtet. Der Halbamerikaner absolvierte sein Vorpraktikum und sein Fachjahr an der Waldorf-Schule in Nürnberg. Dort arbeitete er bevorzugt mit Stein und Ton und nahm sich der Bildhauerei an. Der Liebe wegen verschlug es ihn nach Kronach.


Kunst hat viele Facetten



Wie er ausführt, sei Kunst weit mehr als "nur" Zeichnen und Malen, Kunst sei Kreativität mit allen Sinnen. "Sie fördert die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, ihre mathematische Intelligenz und ihre räumliche Vorstellungskraft. Der Gegenstand, an dem gearbeitet wird, wird ja von allen Seiten betrachtet. Kunst entfaltet intelligente Fähigkeiten. Man weiß, dass Arbeiten mit Händen und manuelle Fertigkeiten - wie zum Beispiel Stricken - die mathematische Intelligenz fördern." Junge Menschen, die kreativ sind und die Gelegenheit haben, eigene Ideen umzusetzen, lernen für ihr ganzes Leben ist der Lehrer überzeugt. Gleichzeitig würden sie Sozialkompetenzen erwerben sowie auf die zukünftige Berufswelt vorbereitet.

Und was sagen die Schüler zum künstlerischen Vormittag? Sie sind begeistert vom vielfältigen Angebot. Auch
Christina Hofmann aus Neuses, Nadine Müller aus Kämmerlein sowie Sophia Letsch aus Roßlach sind sich einig, dass der Kunsttag eine "tolle" Sache ist. "Ich finde, dass Kunst eines der schönsten Fächer überhaupt ist. Deswegen habe ich mich auch für den Kunstzweig entschieden", meint die elfjährige Christina, die in ihrer Freizeit sehr gerne malt und bastelt. Sie möchte später einmal einen Beruf im Bereich Kunst oder Gesundheitswesen ausüben.

Den kaufmännischen Zweig haben die gleichaltrige Nadine sowie die ein Jahr ältere Sophia gewählt. Nadine erzählt: "Ich bin schon kreativ und male gerne. Aber mir liegt halt auch das Kaufmännische." Den Kunsttag erachtet sie als eine gute Entscheidungshilfe für noch Unentschlossene. Sophia schließt sich dem an. "Es ist einfach einmal etwas Neues und eine andere Art von Kunst."