Für Hans Müllers Mutter war es eine schlimme Überraschung. Seit Jahren war die 93-Jährige und ihr 91-Jähriger Lebensgefährte gewohnt, dass sie der Bus aus der Kronacher Siedlung zum Marienplatz bringt. Die beiden Senioren, die ihre Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, haben schließlich einige Termine: Einkaufen. Arztbesuche. Hörgeräte nachstellen lassen. Das zählt Hans Müller auf, der sich an diesem Morgen schon ziemlich aufgeregt hat.

Er erzählt, seine Mutter und ihr Partner standen vor vollendeten Tatsachen. Plötzlich kam kein Bus mehr an die Haltestelle Konrad-Popp-Platz. Bis zum 1. August habe der Bus an einem Werktag siebenmal dort gehalten. Nicht nur ältere Menschen seien regelmäßig mit dem Bus in die Stadt gefahren, erzählt Hans Müller, der seine Mutter dazu befragt hat. Doch plötzlich war der Bus weg. Für dringende Erledigungen stiegen seine Mutter und ihr Partner auf das Taxi um.

Er hat versucht, im Landratsamt jemanden zu erreichen, der sich für das Mobilitätskonzept zuständig fühlt. Irgendwann ist er bei Gabriele Riedel gelandet. Nach einem längeren Gespräch ändert er seine Meinung und auch der Ärger ist begraben. "Das Gespräch verlief sehr gut", sagt Hans Müller. Die Leiterin des Konzeptteams zum neuen Nahverkehr im Landkreis sei hilfsbereit und freundlich gewesen. Schon am Mittwoch werde sich die Situation für die Siedlungsbewohnerin verbessern, verspricht Gabriele Riedel gegenüber Hans Müller und auch dem FT.

Landratsamt reagiert schnell

Die Linie 2 wird angepasst und damit sollte auch das Problem für die Bewohner der Kronacher Siedlung gelöst sein. Der stellvertretende Pressesprecher des Landratsamtes, Alexander Löffler, schreibt dazu an den FT: "Anpassungen gibt es auch im Bereich der Linie 2, die nun stündlich an der Haltestelle Musikfachschule/Netto-Markt hält und damit eine bessere Anbindung der Kronacher Siedlung ermöglicht." Damit wird der Stopp von der Linie übernommen, die aus Weißenbrunn kommt. Das ist Teil des Konzepts. Auch die Linien, die aus dem Landkreis kommen, übernehmen Teile des Stadtverkehrs.

Über diese Entscheidung ist auch Hans Müllers Mutter "hocherfreut", erklärt ihr Sohn. Vor zum Netto könne sie problemlos laufen, hat sie über ihn im Landratsamt ausrichten lassen. Und auch über die schnelle Umsetzung habe sie sich gefreut. Nun könne seine Mutter wieder alles am Marienplatz erledigen, sagt Hans Müller.

Dass das neue Verkehrskonzept "nicht in Stein gemeißelt" ist, sagt auch Pressesprecher Löffler. Ganz im Gegenteil: Das Landratsamt hoffe sogar auf Fahrgäste, die den Mitarbeitern ihre Probleme mit dem Mobilitätskonzept mitteilen. "Wenn wir also erkennen, dass es an irgendeiner Stelle hakt und mit einer Veränderung eine deutliche Verbesserung für eine breite Bevölkerungsschicht erreicht werden kann, dann werden wir das auch tun beziehungsweise haben wir dies bereits getan."

Auch eine zweite Anpassung der Linien wird es in den nächsten Tagen geben, erklärt Löffler. Auf der Buslinie 9 wird künftig Zeyern nur noch mit dem Kleinbus angefahren. Dadurch werde die Hauptlinie vor allem zeitlich entlastet, erklärt der stellvertretende Pressesprecher.

Außerdem wird auch ab Donnerstag die Linie 4 angepasst. Wer bislang in Gehülz eingestiegen ist, musste an einer kleinen Rundfahrt über Mitwitz, Beikheim und Johannisthal teilnehmen, erklärt Pressesprecher Löffler. Ab Donnerstag fährt ein Bus direkt von Gehülz nach Kronach.

Zusätzlich wird der Stadtbus auf den Linien 1 und 2 durch den Rufbus ergänzt, erklärt Gabriele Riedel. Dieser Bus folgt nicht einem festgelegten Zeitplan, sondern wird je nach Anrufaufkommen eine Tour abfahren, die Menschen abseits der Haltestellen zur Hauptverkehrsachse bringt, damit sie auf Bus und Bahn umsteigen können. Diese Bedarfshaltestellen sind auch als Punkte auf unserer Karte vermerkt. Die Rufbusse sind täglich von 8 bis 18 Uhr unter der Rufnummer 09261/678678 zu erreichen und zu buchen.

So kommen die Tickets an

Das Landratsamt macht den Passagieren des neuen Konzepts ein Angebot für die Testphase im August und Anfang September mit den kostenlosen Tagestickets: Grundsätzlich muss man sagen, dass wir uns in einem dynamischen Prozess befinden, der ständig fortgeschrieben und weiterentwickelt wird. Deshalb sind wir natürlich auch weiterhin für jeden Verbesserungsvorschlag dankbar."

Die kostenlosen Tickets werden außerdem gut angenommen, teilt Pressesprecher Löffler mit. 748-mal hat die Mobilitätszentrale das bis Anfang September kostenlose Tagesticket solo an Kunden verteilt - nicht mitgerechnet sind die Tickets, die in den Bussen abgeholt wurden.