Schock-Diagnose Krebs: Landrat Oswald Marr kann sich heute noch gut an den Moment erinnern, als ihm im November 2013 seine Erkrankung mitgeteilt wurde. "Es hat sich wie pelzig angefühlt, es war eine gefühlte Leere", sagt er. Nach einer kurzen Phase der Niedergeschlagenheit, schöpfte der Landrat allerdings schnell Hoffnung und überstand die schwere Erkrankung letztlich gut. "Ich weiß aus eigener Erfahrung, was man da durchmacht", sagt Marr. "Eine Stufe schwieriger ist es aber noch mal, wenn Kinder betroffen sind."
Um die Öffentlichkeit auf diese schwierigen Fälle aufmerksam zu machen, hat der Landrat am Montag passend zum "Tag des krebskranken Kindes" zu einem Pressetermin eingeladen. "Die Krankheit verläuft ja in der Regel im Verborgenen", so Oswald Marr.

Öffnen können sich betroffene Familien unter anderem bei der Stiftung für krebskranke Kinder Coburg. Die Stiftung unterstützt derzeit 37 Familien, in denen ein Kind an Krebs erkrankt ist. Tätig ist man in sechs Landkreisen, auch im Kreis Kronach. Vorsitzender Uwe Rendigs und Stiftungsmitglied Franz Kluge erklärten gestern die vielfältigen Aufgabenfelder der Stiftung. Diese entstand 2003 aus dem Verein "Elterninitiative krebskranker Kinder Coburg", zu deren Gründern im Jahr 1989 auch Franz Kluge gehörte. In seinem Vortrag stellte Kluge aktuelles Datenmaterial vor. 1657 Kinder und Jugendliche bis 15 Jahren erkrankten 2015 in Deutschland an Krebs, davon 276 in Bayern. Rund 80 Prozent der erkrankten Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre überlebten die Krankheit. "Manchmal weiß ich selbst nicht, wie die kleinen Fratzen sowas überleben können", sagt Kluge. Kinder, die eine solche Krankheit durchstehen, seien allgemein viel reifer und aufgeweckter. "Die sind ihren Altersgenossen um Schritte voraus", sagt Kluge.

Das konnte er auch bei seiner eigenen Tochter feststellen, die in den 1980er-Jahren an Leukämie erkrankte und die Krankheit trotz schwieriger Chemotherapie besiegt hat.
Die Stiftung unterstützt die betroffenen Familien nicht nur direkt mit wertvollen Tipps und medizinischen Ratschlägen, sondern fördert mit Spendengeldern auch den Aufbau einer Knochenmarkspenderdatei oder bestimmte Forschungsprojekte in diesem Bereich. "Es ist wichtig zu wissen, dass es eine Stiftung gibt, an die man sich in der Not wenden kann", erklärt Oswald Marr.

Mit unterschiedlichen Hilfeleistungen möchte die Stiftung dazu beitragen, dass sich die Lebensqualität der krebskranken Kinder verbessert. Vorsitzender Uwe Rendigs erinnert sich an ein krebskrankes Mädchen, das nicht aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte, weil die Familie zuhause keine Waschmaschine hatte. Die Stiftung sprang finanziell ein. Auch letzte Herzenswünsche werden erfüllt. Ein Mädchen, das bereits im Endstadium an Krebs erkrankt war, wünschte sich einen Rundflug mit einem Heißluftballon und bekam diesen geschenkt. Uwe Rendigs hofft, dass die Stiftung in Zukunft noch mehr betroffene Eltern erreichen kann. "Aber die Leute müssen zu uns kommen, allein aus Datenschutzgründen können wir nicht selbst auf die Betroffenen zugehen", appelliert der Stiftungsvorsitzende.



Stiftung für krebskranke Kinder Coburg


Gemeinnütziger Zweck Die Stiftung unterstützt betroffene Familien mit wertvollen Ratschlägen und hilft bei der Finanzierung von Ausgaben, die nicht durch Versicherungen abgedeckt werden. Dazu werden Forschungsprojekte und ärztliche Fortbildungen in der Onkologie unterstützt. Die Stiftung ist in den Landkreisen Coburg, Kronach, Lichtenfels, Haßberge, Sonneberg und Hildburghausen aktiv.

Spende Die Leistungen der Stiftung kann durch eine Zuwendung unterstützt werden.
Bank: Sparkasse Coburg-Lichtenfels.
IBAN: DE18 7835 0000 0092 0115 19, BIC: BYLADEM1COB