So hatte sich Marco Großmann seinen Einstand beim Fußball-Bezirksligisten ASV Kleintettau nicht vorgestellt. Der großen Euphorie ging zunächst ein kleiner Schock voraus: "Bei meinem ersten Ballkontakt haue ich erst einmal voll drüber, und ich habe mich schon geärgert, dass das meine erste Aktion gewesen sein soll", erinnert sich Großmann.

Nur Sekunden später kommt der Stürmer erneut an den Ball, lässt zwei Gegenspieler aussteigen und bringt bereits nach fünf Minuten das Spielgerät von der Strafraumgrenze im Gehäuse des Tabellenzweiten FC Coburg unter. "Für mich war das, als hätte ich ein Tor in einem Champions-League-Finale erzielt. Das waren Gefühlsausbrüche ohne Ende", so Großmann.


Eine eigene Rechenweise

Genau diese Aktionen sind es, für die die "Glasmacher" den 37-Jährigen in der Winterpause für ein halbes Jahr verpflichtet haben. In den verbleibenden Partien der Rückrunde soll der "Oldie" mit weiteren Treffern und der richtigen Einstellung dazu beitragen, den Klassenerhalt noch zu erreichen.

Weil Coburg noch in der ersten Halbzeit den 1:1-Ausgleich erzielte, reichte sein Treffer zwar nicht zum Sieg, doch auch ein Punkt gegen eines der Spitzentams der Liga könnte im Abstiegskampf bereits entscheidend sein. Derzeit beträgt der Rückstand auf den TBVfL Neustadt Wildenheid, der als 13. den ersten Nichtabstiegsplatz einnimmt, fünf Punkte. Der ASV favorisiert momentan aber eine andere Rechenweise. "Weil Neustadt noch bei uns antreten muss, sehe ich es so, dass wir nur noch zwei Punkte aufholen müssen. Ich bin überzeugt, dass wir den Klassenerhalt noch schaffen. Wenn nicht direkt, dann halt in der Relegation", sagt Großmann.

Zuerst tat er sich jedoch damit schwer, den sicheren Platz in der Startelf seines Heimatvereins TSV Windheim (Kreisliga) aufzugeben und noch einmal sein Glück in einer höheren Klasse zu suchen. "Natürlich gab es Überlegungen, ob ich es noch einmal schaffe, aber über das Angebot habe ich mich sehr gefreut. Es ist schon eine tolle Sache, mit bald 38 Jahren noch einmal die Chance zu bekommen, in der Bezirksliga zu spielen", sagt Großmann, der bei der Gemeinde Steinbach am Wald als Bauhofarbeiter angestellt ist. Sein vorrangiges Ziel sei es nun aber, Stammspieler zu werden und Kleintettau mit vielen Toren zum Klassenerhalt zu schießen.

Von der Rettung ist Großmann nicht nur deshalb überzeugt, weil sich die Mannschaft seiner Meinung nach sehr geschlossen zeigt, sondern auch, weil er von Spielertrainer Matthias Deuerling überzeugt ist. "Der kann die Systeme schon richtig gut erklären, wie die entsprechenden Laufwege sind und wie man verschieben muss", lobt der 37-Jährige.

Deuerling erhofft sich von seinem neuen Stürmer vor allem eines: Tore. "Unser Spiel krankte zuletzt daran, dass wir keinen Sürmer hatten, der aus dem Nichts einen Treffer erzielen kann und einfach mal den Fuß rein stellt", findet der Trainer. "Dass er nicht mehr der Schnellste ist, ist klar. Aber wir wollen auch einmal aus einer halben Chance ein Tor erzielen. Und das kann er."

Erfahrung als Spielertrainer

Den Blickwinkel eines Trainers auf das Spiel kennt auch Großmann. Als Spielertrainer sammelte er auf seinen vorherigen Stationen in Windheim und beim SV Gifting bereits Erfahrungen, wie es ist, die Verantwortung für eine Mannschaft zu tragen. "Die Rolle des Trainers interessiert mich gerade aber überhaupt nicht. In Gifting waren es schon sehr intensive Jahre. Jetzt freue ich mich, wenn ich einfach nur das Training verfolgen darf und nichts erklären muss", sagt er. Außerdem habe er so mehr Zeit für seine Frau und die beiden Söhne Lenny (4) und Tony (1).

"Stelle die Schmerzen hinten an"

Die gesparte Energie soll dann möglichst in Form von Toren auf dem Platz entladen werden. Weshalb er offenbar besser als andere zu wissen scheint, wo das Gehäuse steht und wie der Ball in diesem unterzubringen ist, weiß er selbst nicht richtig: "Ich war noch nie der lauffreudigste Spieler, aber ich kann halt Tore schießen. Ich kann es nicht erklären."

Den Unterschied zwischen der Kreisliga und der Bezirksliga merkt er allerdings schon. "Gerade am Läuferischen hat man in der Bezirksliga zu knabbern. Aber ich stelle die Schmerzen einfach mal hinten an", sagt Großmann, der zudem hofft, die jungen Spieler mit seiner Leistung mitziehen zu können, sodass der Abstiegskampf für die Mannschaft nur ein kleiner Schock bleibt und mit dem Klassenerhalt die große Euphorie folgen kann.