Eigentlich könnte alles so schön sein. Nette Kollegen, gute Auftragslage und ein Betriebsklima, das sie jeden Tag mit Freude auf die Arbeit gehen lässt. Die rund 40 Angestellten arbeiten gerne bei dem Steinwiesener Werkzeugbauer Lead Mould - doch es gibt etwas, das den Hausfrieden seit einigen Monaten trübt: Über den Betrieb sind Gerüchte im Umlauf. Sie sind kurios, rufschädigend - doch vor allem nervtötend.

"Es fing etwa Anfang dieses Jahres an", erinnert sich Industriekauffrau Jasmin Pfalz. Privat würden sie und ihre Kollegen seitdem immer häufiger auf ihren Arbeitsplatz angesprochen. "Mir hat jemand erzählt, dass er gehört hat, dass Lead Mould uns seit sieben Monaten keine Löhne bezahlt", berichtet Betriebsleiter David Baumann, der für das Unternehmen arbeitet, seit es sich im Juni 2018 in Steinwiesen angesiedelt hat. "Da ist überhaupt nichts dran", beteuert er. "Die Auftragsbücher sind bis zum Jahresende voll. Wir können uns wirklich nicht beklagen."

Nicht einmal Kurzarbeit hätte der Betrieb während der Corona-Krise angemeldet. Sogar eine Prämie als Zeichen der Wertschätzung haben die Angestellten laut eigener Aussage in dieser Zeit erhalten. Doch die Gerüchte lassen nicht nach. "Wer auch immer so etwas erfindet: Die Fantasie ist sehr ausgeprägt", findet Werkstattleiter Peter Völk. "Ich frage mich: Wo ist der Sinn dahinter?"

Sieben Monate kein Lohn?

Das Unternehmen sei nicht stabil und stehe kurz vor der Insolvenz - das hätten die Mitarbeiter in den vergangenen Monaten häufig gehört. "Egal wo wir hinkommen, werden wir drauf angesprochen. Die Gerüchte halten sich hartnäckig", schildert Baumann. "Es nervt langsam." Spätestens als die Mitarbeiter eine SMS erhalten hätten, in der jemand gefragt hat, ob es stimmt, dass ihr Chef verhaftet worden sei, sei eine Grenze überschritten gewesen. Jasmin Pfalz zuckt mit den Schultern. "Er saß an dem Tag wie immer in seinem Büro." Nun wollen die Mitarbeiter den Gerüchten ein für alle Mal ein Ende setzen.

Sie befürchten, dass die Gerüchte langfristig den Ruf ihres Arbeitgebers schädigen. "Es haben uns auch schon Lieferanten darauf angesprochen. Die denken vielleicht noch, dass sie ihr Geld nicht bekommen", erklärt Jasmin Pfalz. "Am Ende glaubt das vielleicht wirklich jemand."

Neid spielt eine Rolle

Woher die Gerüchte stammen, können die Mitarbeiter nur mutmaßen. "Vielleicht kommt das von Mitbewerbern, denn einige ehemalige Mitarbeiter sind zu uns übergelaufen", erklärt David Baumann. Damit sei eventuell nicht jeder Betrieb einverstanden gewesen. "Ich vermute, da spielt Neid eine große Rolle, weil es uns hier gut geht und wir viel zu tun haben", glaubt Jasmin Pfalz.

Dass sich Mitarbeiter so für ihr Unternehmen einsetzen, ist ungewöhnlich und nicht selbstverständlich. Das weiß auch ihr Chef. "Natürlich freue ich mich über die geschlossene Reaktion unserer Belegschaft. Das ist nicht überall die Regel", sagt der Chef des Steinwiesener Lead Mould-Standorts Ralf Börner, der über das Gerücht, er sitze im Gefängnis, sogar noch lachen kann. "Da war ich dann doch einmal überrascht, um nicht zu sagen ein wenig sprachlos."

Während seiner 28 Jahre im Auslandsgeschäft habe er schon vieles erlebt - derartiger Klatsch und Tratsch sei jedoch auch für ihn neu. "So lange es nur um meine Person geht, ist mir das egal - nicht aber, wenn es die Firma betrifft!"

Auch wenn so manches Gerücht durchaus Unterhaltungswert hat: Die Belegschaft hofft, dass das Gerede bald aufhört. "Es ist schon ein bisschen traurig, wenn die Leute nichts Besseres zu tun haben", findet Fräser Roland Weber.

Die Geschichte von Lead Mould:

Die Lead Mould-Gruppe betreibt zwei Werke in China (Dongguan, Hubei), drei Vertriebsbüros in Deutschland (Kronach, Kempten, Bielefeld) sowie den Werkzeugbau in Steinwiesen.

Das Unternehmen ist auf Werkzeug- und Formenbau für die Automobilindustrie spezialisiert, führt jedoch auch individuelle Werkzeuganpassungen durch. In Steinwiesen als "Service Point" werden Erweiterungen, Änderungen, Reparatur- und Wartungsarbeiten vorgenommen.

Mit neun Mitarbeitern hat der Steinwiesener Standort im Juli 2018 seinen Betrieb aufgenommen - inzwischen sind es 40. Es werden noch weitere Mitarbeiter gesucht.