Anita Herrgesell zeigt ihr Haus gerne. "Ich bin immer noch ganz aufgedreht", sagt sie beim Rundgang. Zwar wohnt sie mit ihrem Partner Bernd Ehrhardt schon seit Ostern in dem roten Backsteinhaus in der Festungsstraße. Doch freut sie sich noch immer darüber, wie schön das denkmalgeschütze Gebäude geworden ist. Kein Wunder, haben die beiden doch eineinhalb Jahre daran gebaut, kennen jeden Winkel in dem Haus - vor und nach dem Umbau. "Vorher war es ganz dunkel", erinnert sich Anita Herrgesell. Unter anderem mit ihrem Faible für schöne Lampen, hat sie quasi Licht ins Denkmal gebracht, denn nachher ist das Haus hell, freundlich.

Doppelt so viel Spaß


"Wir haben ein Haus gesucht und als ich gehört habe, dass das zum Verkauf steht, bin ich sofort hoch getigert und habe es angeschaut. Als ich dann das erste Mal drin war, wusste ich: das Haus oder keines", erinnert sich die Hausherrin. Sofort habe sie sich in das rote Backsteingebäude, das um 1867 im englischen Chalet-Stil erbaut wurde, verliebt. Und wohl auch die Herausforderung gesehen, denn Anita Herrgesell hat beim Umbau kräftig selbst mit angepackt und sagt heute: "Ein denkmalgeschützes Gebäude umzubauen macht doppelt so viel Spaß wie ein Neubau und ist doppelt so teuer." Wie teuer, bleibt das Geheimnis von Anita Herrgesell und Bernd Ehrhardt.
Gemacht werden musste viel: alte Holzverkleidungen an den Wänden im Obergeschoss kamen runter, die Türen wurden abgeschliffen und neu gestrichen, Holzbalken mit Sandstrahl bearbeitet und abgeschliffen, Eisenträger eingezogen und und und. Mehrere Schichten vom Boden wurden abgenommen und der ganz unten liegende Holzboden aufbereitet. Außerdem waren die hohen Decken in dem Haus abgehängt, die Rundbögen-Fenster dadurch gar nicht sichtbar. Auch hier haben Anita Herrgesell und Bernd Ehrhardt mit Hilfe verschiedener Firmen und einigen Helfern den Original-Zustand wieder hergestellt. Sogar Anita Herrgesells über 80-jähriger Vater kam oft mit dem Zug aus Windheim, um mit anzupacken.
All diese Maßnahmen mussten immer mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt werden - ebenso wie die Isolierung des Hauses: "Von außen darf man es wegen des Denkmalschutzes nicht dämmen und das hätten wir auch nicht gemacht", erklärt Ehrhardt. Eine Dämmmöglichkeit für innen zu finden, sei allerdings gar nicht so einfach gewesen. Der Architekt habe hier immer wieder Lösungen mit dem Amt für Denkmalpflege besprochen. Von diesem selbst seien leider wenig Vorschläge gekommen. Doch letztlich habe man sich geeinigt, einen Isolierputz auf das Mauerwerk aufzutragen, darauf eine Wandflächenheizung und wiederum darauf mehrere Schichten Lehmputz anzubringen.

Erker angebaut


Außerdem musste auch der Anbau eines Erkers genau abgesprochen werden, dieser durfte nämlich nicht größer sein als der, der schon zur Vorderseite des Hauses hinaus geht, weil dies sonst nicht dem Chalet-Stil entspreche. Bernd Ehrhardt und Anita Herrgesell haben einen zweiten Erker gebraucht, um im oberen Stockwerk noch ein Bad unterzukriegen. Außerdem haben sie dafür noch eine Wand eingezogen. Und im Erdgeschoss hat das Paar aus drei Fenstern Balkontüren gemacht, auch das mit dem Denkmalschutz absprechen müssen.
Ohne die Auflagen des Denkmalschutzes hätten Bernd Ehrhardt und Anita Herrgesell optisch zwar nicht anders gebaut, aber wohl billiger, sagen sie. Schließlich waren unter anderem Auflagen, echten Schiefer außen anzubringen und Holzfenster einzubauen. Ansonsten wären die Zuschüsse gestrichen worden. Diese seien - in Relation zu den Gesamtkosten des Umbaus- aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen.
Doch trotz aller Auflagen des und aller Absprachen mit dem Amt für Denkmalpflege, würden die beiden jederzeit wieder ein denkmalgeschütztes Gebäude sanieren. Die Lust daran haben sie in der ganzen Bauzeit kein einziges Mal verloren. Zu sehr freuten sie sich daran, zu sehen, wie man Licht ins Denkmal bringen kann.