Was für ein herrlicher Anblick: Die Klosterkirche fügt sich mit ihrem erneuerten Anstrich im schönen warmen Gelbton sehr harmonisch an das Oblatenkloster St. Heinrich an. Aufgrund der aufwändigen Sanierungsarbeiten war die Frontseite der schmucken Barockkirche mit den beiden großen Fenstern und der - sich in einer Nische über den Hauptportal befindlichen - Steinfigur des leidenden Heilandes "Ecce, homo!" seit Herbst vergangenen Jahres eingerüstet. Nun aber konnte die Maßnahme abgeschlossen werden - und das zuletzt 1990 sanierte Gotteshaus erstrahlt förmlich im neuen Glanz, sehr zur Freude der zahlreichen Kirchenbesucher wie auch der vorbeigehenden Passanten, deren Blick fast automatisch vom schönen neuen Erscheinungsbild angezogen wird.
Auch Regionaldekan Thomas Teuchgräber, Pater Werner Pieper - Rektor des Klosters - sowie Thomas Beierwaltes von der Müller Architekten GmbH, Kreisheimatpfleger Robert Wachter und
Kirchenpfleger Wolfgang Simon stand beim Vor-Ort-Termin die Freude über das Gelingen der aufwändigen Sanierung ins Gesicht geschrieben. Wie umfassend sich diese tatsächlich gestalten würde, war zu Beginn der Maßnahme in keiner Weise absehbar. So liegt beim Giebel eine ganz besondere Bautechnik zugrunde, die nun erhalten und im historischen Rahmen - entsprechend dem 17. Jahrhundert - ausgebaut wurde. Auf die Besonderheit war man im Rahmen einer Fassadensanierung gestoßen. Hierfür hatte man aufgrund auftretender Schäden den Putz am Giebel abschlagen müssen.
Eigentlich war es geplant, nur auf der rechten Giebelseite den Putz auszubessern und neu zu streichen. "Es sollte also nur die Fassade gemacht werden", erinnert sich Architekt Thomas Beierwaltes. Damals hatte sich an der Vorderfront des Putzes eine etwa circa 50 mal 50 cm große Wölbung befunden. Beim Abschlagen stellte man fest, dass sich der ganze Putz des Giebels gelockert hatte, so dass man diesen daraufhin komplett abnehmen musste. Dabei stieß man auf eine außergewöhnliche Bautechnik. Die Besonderheit besteht darin, dass einstmals dort - zur Verblendung der Fachwerkkonstruktion - auf die Holzbalken speziell angefertigte Abdeckplatten aus Ziegel und Sandstein befestigt wurden. Die Ausmauerung des Fachwerks ist bündig mit den Ziegelplatten ausgeführt. Die Befestigung der Platten erfolgte durch schmiedeeiserne Nägel beziehungsweise Eisenklammern. "Wir haben daraufhin die untere Denkmalschutzbehörde eingeschaltet und die Untersuchung des Bauwerkes veranlasst", erklärt Kirchenpfleger Wolfgang Simon. Das Schadensbild mit geschätzten Kosten von rund 150 000 Euro gestaltete sich weitaus höher als angenommen. Die Untersuchungen fanden bereits im Sommer des vergangenen Jahres statt. Da sich jedoch im Dachraum eine Fledermauskolonie befindet und die Jungtiere noch nicht flugfähig waren, musste man - auf Anordnung der ebenfalls mit hinzu gezogenen Naturschutzbehörde - mit dem Sanierungsbeginn bis September 2015 warten.
"Mit dieser Bautechnik wurde wohl gewährleistet, dass mit den damals zur Verfügung stehenden Baumaterialien eine optimale rissfreie Putzoberfläche hergestellt werden konnte", vermutet Kreisheimatpfleger Robert Wachter, tief beeindruckt von der besonderen Fachwerkskonstruktion. Die Zeitstellung dieser interessanten Bautechnik an der Klosterkirche sei noch nicht ganz klar, eventuell stamme sie aber sogar aus der Bauzeit von 1671. Der zuständige Gebietsreferent vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Robert Pick, habe sich unter seinen Kollegen einmal diesbezüglich umgehört. Ihnen allen seien bislang nur einzelne ähnliche Fälle untergekommen, bei denen eine ähnliche Bautechnik zugrundegelegt worden sei - und zwar bei Gebäuden in der Regensburger Ecke. "Die Bautechnik ist schon etwas Einmaliges", freute sich Wachter, der sich für die fachkompetente Beratung des Landesamtes sehr dankbar zeigt.
Die Tragwerksuntersuchung führte das " Büro für angewandte Denkmalpflege" Johann Müller aus Stettfeld durch. Dieses untersuchte den konstruktiven Zustand des Giebels und schlug geeignete Sanierungsmaßnahmen vor. Der Untersuchungsbericht verdeutlichte die zahlreichen Schäden. Der Giebel hat kleinere horizontale Verformungen. Stark geschädigt sind die Schwelle des Giebels wie auch die Hölzer im Bereich des Ortsgangs. Einzelne Konstruktionshölzer seien schon so stark geschädigt, dass sie nicht mehr standsicher seien. Die vorgefundenen Schäden seien durchaus typisch für Fachwerkgiebel. Die Schäden gebe es meist an den Rändern des Giebels, stellenweise auch im Bereich der Fensteröffnungen. "Der Giebel wurde selbstverständlich im historischen Rahmen - entsprechend dem 17. Jahrhundert - ausgebaut", betont Bauprojektleiter Thomas Beierwaltes, der zugleich Kirchenverwaltungsmitglied von St. Johannes Kronach ist.