Nach einer Ausstellung, Orgel- und Kirchenkonzerten, Messen, Vorträgen und einem Kammermusikabend war er dann da, der 100. Geburtstag von Max Baumann am 20. November. Zeitlebens hatte der Komponist und Musikpädagoge seine Verbundenheit zu seinem Geburtsort mit dem Bekenntnis "Ich bin a Kroniche" zum Ausdruck gebracht. Da ließ es sich die Stadt natürlich nicht nehmen, ihrem international renommierten Sohn die Ehre zu geben. Das Werk Baumanns habe viele süße Früchte getragen, meinte Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein und auch eine süß-herbe. Damit spielte er auf das Cranach-Oratorium an, das Baumann für seine Heimatstadt geschrieben hatte und dessen Uraufführung im Kreiskulturraum 1972 er selbst geleitet hatte: "Der Venus süß und herbe Früchte."
Um das umfangreiche musikalische Erbe kümmert sich liebevoll und leidenschaftlich Baumanns ehemalige Schülerin Prof. Adelheid Geck. Sie hat die Veranstaltungsreihe um den Jahrestag konzipiert und ideenreich gestaltet. Wer wollte, konnte sich in den letzten Wochen umfassend mit dem Werk Baumanns und seiner Persönlichkeit vertraut machen. Und selbst am Festakt wusste sie mit ihren kreativen Einfällen zur Programmgestaltung zu überraschen: Zeitgenossen und Weggefährten von Baumann waren anwesend, seine Musik sowieso und seine wertvolle Bratsche war zu hören. Bei der jungen Künstlerin Isabel Meuser aus München ist die Dauerleihgabe der Max-Baumann-Gesellschaft buchstäblich in den besten Händen.
Nur Marianne und Wolfgang Boettcher führten keinen Baumann auf. "Leider hat er keine Musik für ein Geigen-Cello-Duett geschrieben", bedauerte Marianne Boettcher, "aber wir haben ein schönes russisches Werk gefunden." So erfuhr man bei der Gelegenheit vom Faible Baumanns für russische Musik und auch, dass er der Nachbar von Wolfgang Boettcher in Berlin war. Es sei immer eine Freude gewesen, ihn beim Spazierengehen zu sehen, meinte dieser. Auch Prof. Albert Richenhagen von der Universität der Künste in Berlin könnte persönliche Anekdoten beisteuern, er kannte Baumann schon aus Kindertagen.
In seinem Festvortrag, oder war es eine kleine Vorlesung?, beleuchtete er dessen Kompositionstechnik. Eingehend hatte Baumann sich mit den verschiedenen musikalischen Gattungen vertraut gemacht und quasi alles von der Pike auf gelernt, um seine erworbenen Fähigkeiten später ganz in den Dienst der Kirchenmusik zu stellen: In den Psalmen heiße es, Musik spreche aus, was die Sprache nicht könne. Und so übernahmen Isabel Meuser an Baumanns Viola und Madlen Kanzler an der Gitarre das Wort. Adelheid Geck hatte die Berceuse und Hommage a la de Falla aus Duo, op. 62 für diese reizvolle Instrumentierung bearbeitet.
Das Andante und Rondo aus dem schwungvollen Concertino op. 38 hatte Madlen Kanzler für die beiden Instrumente adaptiert. Ein Musiker habe es immer schwerer als ein Maler oder Schriftsteller, denn stets schalte sich ein Interpret dazwischen, zitierte Adelheid Geck ihren alten Lehrer. "Hier sind nur Großmeister zu hören gewesen!", freute sie sich zu Recht.
Der ehemalige Leiter der Berufsfachschule für Musik Oberfranken, Walter Klose, erzählte von einer persönlichen Begegnung mit Baumann, den er als gesellig, bodenständig und eloquent mit Kronacher Dialekt beschrieb. Die Berufsfachschule hatte 1987 ein Baumann-Konzert zu dessen 70. Geburtstag aufgeführt. Nun erlebe er, dass sich die dritte Generation Chorleitung, in Person Burkhart M. Schürmann, den Werken Baumanns annimmt. Der Chor sang die Motette "Sei getrost und unverzagt". Mit dem eindringlich berührenden "Salve Regina", schickten sie auch einen Abschiedsgruß an den, der nicht selbst teilnehmen konnte, dessen Geist aber in jedem Augenblick anwesend war: Salve Max Baumann, Komponist aus Kronach!