Wo die Zahme Rodach von Steinwiesen und die Wilde Rodach von Wallenfels her bei Erlabrück zusammenfließen, erhebt sich der Silberberg. Ursprünglich Stiftsberg genannt, erhielt er seinen Namen vom Silbererz, das einst mit Blut, Schweiß und Tränen aus den Tiefen des Berges gewonnen wurde. Dichte Nadelwälder, umsäumt von dornenreichem Strauchwerk, bedecken heute fast symbolisch die Steilhänge hin zur B 173.Neben der Flößerei und dem Weberhandwerk war in früheren Zeiten der Bergbau eines der ertragreichsten Gewerbe im Frankenwald. Der Abbau vorhandener Erze und Gesteine im Rodachtal wird erstmals im 13. Jahrhundert dokumentiert, als Kaiser Friedrich II. an Bischof Heinrich von Bamberg das Mutungsrecht auf Silbergruben und "unterirdische Zehente" verlieh. Ein Aufschwung der Zeche scheint allerdings erst in der Zeit um 1400 gekommen zu sein.
Unter Bischofs Philipp von Henneberg wird das Bergwerk am Silberberg mit allen Freiheiten auf Gold, Silber, Kupfer und Blei an die sich allmählich formierenden Zünfte und bergrechtlichen Gewerkschaften verpachtet.


Holzkohle notwendig

Außer den eigentlichen Vorkommen der Erze waren zu ihrer Gewinnung und nutzbringenden Verarbeitung zwei weitere Faktoren unumgänglich: Der Wald musste die zur Aufbereitung notwendige Holzkohle und das fließende Wasser die Kraft zum Betreiben der Hammerwerke liefern, die das erzhaltige Gestein brachen und in eine für die Verhüttung notwendige Form zerkleinerten. Die Anlage der Stollen war durch die tiefen Täler des Frankenwaldes begünstigt. Es brauchte in der Regel kein senkrechter Einfuhrschacht angelegt zu werden. Dieser führte von der Talsohle aus waagrecht in den Berg.
Mit der Anlage von Gruben und Gewerken wurde von landesherrlicher Seite auch eine Bergordnung eingeführt, um den "wilden Abbau" in geordnete Bahnen zu lenken, Streitigkeiten zwischen den Grubenbesitzern zu unterbinden und nicht zuletzt auch einen botmäßigen Anteil an den Erträgen als Einkünfte für die fürstbischöfliche Kasse sicherzustellen. "Welcher einen fündigen Gang aufdeckt, der erhält bei sich zeigendem silberhaltigem Erz zehn Gulden Fundlohn. Wenn in Bächen und Flüssen Gold gefunden wird, so darf der Ertrag nur dem Stifte Bamberg zu Nutz und Frommen gereichen. Alle Unterschleifung und Veruntreuung wird mit strengsten Strafen geahndet", drohte das Bistum.


Sekundäre Bleivorkommen

Bei den Bergwerken am Wallenfelser Silberberg handelte es sich im wesentlichen um den Abbau sekundärer Bleivorkommen, die als Bleiglanz in grobkristalliner Form auftraten. Nicht unbedeutend war der Silbergehalt. Er betrug etwa 50 Gramm pro Doppelzentner Roherz. Das Blei wurde zur Herstellung von Geschossen, zur Fertigung von Haushaltsgegenständen und zum Einglasen von Butzenscheiben verwendet.
Das Bergwesen bestand aus Grube, Pochwerk und Hütte. In fündigen Zeiten arbeitete der Bergmann mit seiner Haue unter "spartanischen" Verhältnissen täglich zwölf Stunden im Stollen. Karg war auch der Lohn. Drei Taler in der Woche reichten gerade für das Nötigste. Im Pochwerk wurde das Roherz von Wasserkraft getriebenen Hämmern zerkleinert. Diese Tätigkeit verrichteten meist die "Pochjungen", die Kinder der Bergleute. Schon vom zehnten Lebensjahr an führte man sie an die leichteren Arbeiten heran, bis sie ab dem 18. Lebensjahr selbst in den Berg einfahren konnten. In der Schmelzhütte wurde das im Pochwerk aufbereitete Erz unter Zuhilfenahme großer Blasebälge geschmolzen und das Silber auf Treiböfen getrennt. Hierzu verwendete man Holzkohle aus den zahlreichen Köhlereien des Frankenwaldes.
Silber war neben dem Gold das gesuchteste und teuerste Metall. Deshalb war es nicht verwunderlich, dass "Venezianer" in Erscheinung traten, die bereits im 16. Jahrhundert erwähnt werden. Es waren fremde Erz- und Mineraliensucher südlich der Alpen, die meist für Goldsucher gehalten wurden. Aufgrund ihrer fremden Sprache und ihres unverständlichen Tuns in den Bergen regten sie in ganz Mitteleuropa zur Sagenbildung an. Dabei werden ihnen auch magische Eigenschaften zugeschrieben. Sie gelten als zauberkundige und geisterhafte Fremdwesen und als Verfasser der sogenannten Walenbücher, das sind mutmaßliche Wegbeschreibungen zu verborgenen Schätzen und reichen Erzadern. In einer alten Aufzeichnung heißt es: "Drei Acker abwärts der Erlabrucken ist ein bleihaltiger Stollen, wo ein Zentner Gestein sechzig Unzen Blei enthält." Männlein aus Venedig seien herausgekommen und hätten dort mitgebaut.
Alte Wallenfelser Flößer und Holzmacher berichteten von einem Zwerg, der im Berg hauste. Die Leute nannten ihn nur das "braune Silberbergzwerglein". Den Beinamen "braun" erhielt er, weil das Wams und sein Höschen braun waren.


"Neue Aufbrüche mit gutem Blei"

Im Jahr 1549 stand das Bergwerk wieder zur Verfügung der Landesherren. Bischof Weigand von Redwitz ließ zur Verbesserung und Hebung des Handwerks eine Schmelzhütte errichten, die näher bei den Gruben und moderner ausgestattet war. Doch der 30-jährige Krieg brachte den Bergbau erstmals zum Erliegen. Unter Bischof Franz von Schönborn wird 1729 wieder von "neuen Aufbrüchen mit gutem Blei" berichtet. Ungeachtet dieser Erfolge scheint eine Absatzkrise entstanden zu sein. Streit und Zwietracht über nicht eingehaltene Verträge seitens der Obrigkeit hinderten zusätzlich das Bergwesen. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) kam der Abbau erneut zum Stillstand. Allmählich verfielen die Stollen und mit dem Ende der Fürstenherrschaft wurde der "alte Bergbau" eingestellt.
1856 konnte durch Finanzierung der Freiherren von Künsberg-Langenstadt ein neuer Stollen, die "Carlszeche", in den Berg getrieben werden. In den Gängen fanden sich allerdings nur geringe Spuren von abbauwürdigem Erz. Und auch die verborgenen Schätze aus der Sagenwelt blieben unentdeckt, so dass dieses Unternehmen 1874 zum Erliegen kam. Als im Ersten Weltkrieg das für die Herstellung von Geschossen wichtige Blei knapp wurde, erinnerte man sich an den Silberberg. Im Winter 1917/18 wurde geschürft und die "Carlszeche" noch einmal unter Abbau genommen. Mit dem Ende des Krieges erlosch auch diese letzte Mission. Seitdem ist es still geworden in den Stollen. Das klare Bergwasser hat die Gruben aufgefüllt.