"Manchmal ergeben sich Dinge im Leben, die man sich selbst im Traum nie hätte vorstellen können", beschreibt die Chanson-Sängerin Sarah Laux ihr Leben. Sie singt am Dienstag auf der Beerdigung des Feinkost-Königs, Gerd Käfer, in München. Durch viele Zufälle kam sie zu dieser Ehre.

Sängerin mit fränkischen Wurzeln
Sarah Laux wurde als Baby von einer Lehrerin aus Steinwiesen adoptiert. Nach vier Jahren wurde ihre Adoptivmutter nach Nürnberg versetzt. Sarah Laux musste mit. "In den Ferien wollte ich immer zurück. Mein Herz schlägt für Steinwiesen und den Frankenwald", sagt sie. Mit 16 Jahren ging sie als jüngste Schülerin in die Opernklasse des Meistersinger-Konservatoriums in Nürnberg und wurde schon früh wegen ihrer besonderen Begabung gefördert. Durch ihre vier Oktaven-Stimme kann sie von Kontra-Alt bis zum hohen C alles singen. Neben Auftritten in der Oper und im Theater war Sarah Laux auch viele Jahre als Sängerin mit dem Traumschiff unterwegs.

Ihr Lebensgefährte Dieter Morjan ist Chefredakteur eines großen Journals, das für Sarah Laux einen Auftritt in einem Fünf-Sterne-Hotel in München organisierte. Dort wurde Uschi Ackermann, Frau des Feinkost-Königs Gerd Käfer, auf die Sängerin aufmerksam. Sie lud Laux zu sich nach Bogenhausen ein. "Ich hab mir lange Gedanken gemacht, was ich mitbringen kann. Pralinen sind bei dieser Familie eher weniger geeignet", scherzt Laux. Sie erinnert sich an den Hund von Uschi Ackermann: Mops Sir Henry. "Ich habe über ihn ein kleines Lied geschrieben. Sollte eigentlich ein kleiner Scherz sein." Doch der Song beeindruckte die Käfer-Gattin, brachte sie zum Weinen und machte aus Sarah Laux und Uschi Ackermann Freundinnen.

Nach Bogenhausen folgte im Dezember letzten Jahres ein Besuch im Käfer-Domizil in Kitzbühel. Dort lernte Sarah Laux auch den Gourmet-Papst Gerd Käfer kennen und beeindruckte ihn nachhaltig. Seine Frau bat Laux ein Lied zu singen. "Während ich sang, schaute er mich die ganze Zeit an. Ich wusste, dass er krank war", sagt sie. Gerd Käfer konnte von der Stimme nicht genug bekommen. "Er bekam rote Bäckchen und Uschi sagte zu mir: Ich habe ihn schon lange nicht mehr so gesehen." Das letzte Weihnachtsfest feierten Sarah Laux und ihr Mann gemeinsam mit der Familie Käfer. Eigentlich wollten die beiden nur Heiligabend in Kitzbühel verbringen, doch dann blieben sie drei Tage. "Ich habe viel für ihn gesungen und Geschichten vorgetragen. Das hat ihm sehr gefallen", meint die Sängerin.

Als Gerd Käfer erfahren hat, dass Dieter Morjan und Sarah Laux heiraten wollen, übernahm er überraschend alle Planungen. Die Hochzeit sollte in der Kapelle auf dem Kitzbüheler Anwesen stattfinden. "Ich habe zu ihm gesagt, dass ich das nicht annehmen kann. Das kann ich mir ja überhaupt nicht leisten." Doch Gerd Käfer ließ sich das nicht nehmen: Er plante die gesamte Hochzeit und sprach alles mit dem Pfarrer ab.

Gerd Käfer ging es immer schlechter
Im April sah Sarah Laux Käfer wieder. "Ich bin erschrocken. Er hat so abgenommen und sah wirklich schlecht aus." Gerd Käfer musste erneut operiert werden. Trotz alledem: Die Hochzeit hatte er noch immer fest im Blick. "Er nahm meine Hand und sagte: ,Sarah, du kommst wieder‘", erinnert sie sich. Im April hat Gerd Käfer seine Freundin zum letzten Mal gedrückt. "Ich hatte ein blödes Gefühl." Und das bewahrheitete sich. Nach der Operation rief Uschi Ackermann bei Sarah in Mühldorf am Inn an. Ihrem Mann ging es immer schlechter. "Sie hatte ein schlechtes Gewissen wegen der Hochzeit. Aber das ist doch klar, dass wir die dort nicht feiern, wenn es ihm nicht gut geht."

Letzte Woche dann die traurige E-Mail von Uschi Ackermann: Gerd Käfer war in der Nacht auf Samstag, um vier Uhr morgens gestorben. Seine letzten Worte: "Ich will, dass Sarah bei meiner Beerdigung singt." Gemeinsam mit dem Richard-Strauß-Orchester erweist Sarah Laux ihm seine letzte Ehre. Sie singt in der Allerheiligen-Hofkirche das Ave Maria in einer besonderen Version. Platz ist für 399 Gäste. 1000 sind geladen.

"Das ist eine große Ehre für mich." Viel Zeit zum Proben bleibt nicht. "Ich bin sicher, Gerd ist da wenn ich singe. Es ist seine letzte große Party, da soll er es schön haben", meint Sarah Laux.