Es sind harte Zeiten. Für uns alle. Je länger die Einschränkungen andauern, desto mehr liegen bei vielen die Nerven blank.

Das ist besonders in den vergangenen Wochen des zweiten Lockdowns spürbar. Die Unzufriedenheit wächst - und der eigene Frust verleitet den ein oder anderen dazu, missgünstig auf seine Mitmenschen zu blicken. Auf Freunde, die mit Partner und Kindern zusammenleben, während man selbst vielleicht alleine zuhause sitzt. Oder auf Nachbarn, die es wagen, Freunde aus zwei weiteren Haushalten einzuladen, obwohl das nicht erlaubt ist.

Ärgerlicher als all die Einschränkungen ist jedoch die Art und Weise, wie die Menschen miteinander umgehen. Ständig werden Sündenböcke gesucht und regelrechte Hexenjagden veranstaltet. Aber die Polizei klingelt nicht aus Spaß am Schikanieren an Wohnungstüren und schreibt Anzeigen. Sie macht einfach nur ihren Job.

Genauso wenig hat die Familie aus Tschirn ein Schwerverbrechen begangen. Ja, sie haben einen Fehler gemacht, obwohl sie es besser hätten wissen müssen. Von einer wilden Party kann in diesem Fall jedoch keine Rede sein. Und nicht zuletzt bezahlen sie für ihren Fehler höchstwahrscheinlich ein üppiges Bußgeld.

Doch anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen und uns gegenseitig zu zerfleischen, sollten wir uns daran erinnern, dass jeder Fehler macht. Keiner von uns hat das Patentrezept, wie wir die Pandemie aufhalten. Doch eines ist sicher: Der Tag wird kommen, an dem Corona verschwunden oder zumindest keine akute Bedrohung mehr ist. Doch wie wir uns bis dahin anderen gegenüber verhalten, werden unsere Nachbarn, Freunde und Bekannten nicht so schnell vergessen.