Feste feiern, wie sie fallen - oder was Corona daraus macht. In einem Jahr wie diesem hat sich auch Markus Oesterlein zweimal überlegt, ob er es wirklich tun kann: 100 Menschen aus verschiedenen Regionen Deutschlands einladen. Alle mit Kärtchen an den Tischen platzieren und penibel darauf achten, dass die Gäste nicht die Plätze wechseln oder Tischnachbarn begrüßen. Er hat sich Mitte September bei erneut steigenden Infektionszahlenzahlen gefragt: Ist das noch Feiern? Und vor allem: Ist das trotz Hygienekonzept sicher?

Der Vorsitzende der Jungen Union hat die Frage mit Nein beantwortet und alles Langgeplante über den Haufen geworfen. Zum 30. Geburtstag gibt es nun Kaffee und Kuchen mit der engsten Verwandtschaft. Alles andere muss warten. Vielleicht ein Jahr, womöglich länger.

"Das Letzte, was ich jetzt will, ist, dass meine Partygäste in Quarantäne müssen", sagt der Noch-29-Jährige. Dass es schnell gehen kann, hat man bereits an anderen Landkreisen gesehen.

In Kronach mit den 2016 vom Statistischen Bundesamt erhobenen 67 613 Einwohnern reichen bereits knapp 24 Erkrankte innerhalb einer Woche aus, damit die erste Inzidenz-Warnstufe von 35 erreicht ist.

Dann wären nur noch 50 Gäste auf privaten Feiern in öffentlichen Räumen erlaubt, 25 im eigenen Heim empfohlen. Markus Oesterlein berichtet, dass er 100 Gäste empfangen hätte - genau so viele, wie ohne erhöhte Fallzahlen bei Familien- und Freundesfeiern erlaubt sind. Zu viele, um in Zeiten deutschlandweit steigender Zahlen Sicherheit zu gewährleisten, entscheidet er nun aus Vorsicht.

Kein Risiko eingehen

Außerdem, erklärt er, gibt es zwei Ebenen für ihn. Einerseits die soziale. Es sei allgemein schwierig, in diesen Zeiten zu feiern und noch Spaß daran zu haben - wie sich am Platzkärtchen-Beispiel unschwer feststellen lässt. Die zweite ist die politische. Als JU-Vorsitzender will er mit gutem Beispiel vorangehen und nicht einen Shutdown riskieren. Er verspricht nur für die Zukunft: "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben" und plant bereits für seinen 31. Geburtstag am 13. November 2021, wenn es das Virus zulässt.

Markus Oesterlein hatte seine Gäste ins Kitsch eingeladen, bevor er abgesagt hat. Den Inhabern Sonja und Markus Welsch ist er besonders dankbar, dass sie sich so kulant gezeigt haben. Markus Welsch reagiert gelassen. Er sagt, dass es absolut nachvollziehbar sei, wenn in den nächsten Wochen zwei Feiern abgesagt werden, weil es den Gastgebern zu riskant geworden ist.

Die Gründe seien einleuchtend: Einmal handelt es sich um Markus Oesterlein, bei dem überregional Gäste zusammengekommen wären. Im zweiten Fall sei der Gastgeber in der Nähe von Welitsch zu Hause. Über die hohe Ansteckungszahl bei einer Familienfeier berichtete der FT bereits am Donnerstag.

Kitsch-Betreiber Markus Welsch sagt zwar, dass selbst bei 100 Gästen in seinen Räumen immer noch genug Platz sei, aber es komme eben immer auf die Umstände an. In beiden Fällen kann er die Absagen nachvollziehen. Er habe sogar einen neuen Luftreiniger mit Virenfilter eingebaut, erzählt er. "Viele sind schon verängstigt", weiß auch Besitzerin Sonja Welsch. Es kämen aber auch immer wieder spontane Anfragen von Gästen herein, die ihre Familienfeier unter Einhaltung der Vorschriften im Kitsch abhalten wollen. "Es gleicht sich also ein Stück weit aus."

Wenige Feiern auf der Festung

Geburtstage sind die eine Seite der Familien- und Freundesfeiern. Die als einmalige Veranstaltungen angelegten Feiern des Lebens trifft es allerdings besonders hart. Zwar sind derzeit unter den Trauungen keine Rückgänge gemeldet, erklärt Standesbeamter Harald Suffa-Blinzler, auch wenn viele Paare nun für 2021 geplant hätten. Dieses Jahr habe er noch keine spontanen Absagen erhalten, seitdem die Behörden wieder für den Besucherverkehr geöffnet sind.

Deutlicher spürbar sind die Auswirkungen für Kerstin Löw, die Leiterin des Tourismus- und Veranstaltungsbetriebs der Stadt Kronach. Erst im Juli des vergangenen Jahres habe die Stadt den Neuen Zeughaussaal in der Festung Rosenberg eröffnet und auf viele Gäste gehofft. Ein halbes Jahr hat es geklappt. Dann erreichte Covid-19 Europa. Mit dem Lockdown waren erst einmal alle Feiern verboten, dann haben die Kronacher Veranstaltungsbetriebe trotz der Wiedereröffnung beschlossen, keine neuen Anmeldungen für Hochzeitsfeiern auf der Festung für das Jahr 2020 anzunehmen.

Für die Gastgeber, die sich bereits vor der Pandemie für den Herbst die Räume reserviert hatten, haben Kerstin Löw und ihre Kollegen ein Sicherheitskonzept mit dem Gesundheitsamt ausgearbeitet. Leiterin Löw erklärt, sie haben sich dabei an der Devise orientiert: "Räumlichkeiten maximieren, Gästezahlen minimieren." Statt 100 hatten in der Regimentsstube nur noch 60 Gäste Platz. Im Neuen Zeughaussaal statt 200 noch 100.

Die letzten zwei Feste

"Das ist natürlich eine Schwierigkeit für unsere Kunden", erklärt die Leiterin. Einige haben ihre Feier abgesagt, weil sie nicht übermäßig viele Gäste ausladen wollten. Bei anderen hat es geklappt. Seit der Lockerung der Hygienevorschriften im Mai haben etwa acht Feiern stattgefunden, zwei stehen noch aus.

Für nächstes Jahr nehmen die Veranstaltungsbetriebe wieder Reservierungen entgegen. "Aber immer mit der Prämisse, dass sich etwas verändern kann", sagt Kerstin Löw. In diesen Zeiten weiß man automatisch, dass sie Inzidenzzahlen und einen möglicherweise wiederkehrenden Lockdown meint.

Befunde nach Corona-Meldungen im Kreis Kronach:

In Welitsch hatte es jüngst eine Feier gegeben, bei der ein Mann das Corona-Virus übertragen hatte (FT vom 8. Oktober). In der Folge rückte auch ein Fußballspiel in Ludwigsstadt in den Fokus. Ferner gab es eine Virus-Meldung in Kronach. Hierzu meldet das Landratsamt Folgendes: Im Zusammenhang mit der Familienfeier in Welitsch liegen bislang 41 Befunde der insgesamt 43 Kontaktpersonen vor. Demnach sind heute zu den bereits bekannten vier positiven Fällen zwei weitere hinzugekommen, so dass es zum jetzigen Stand als Resultat dieser Feier sechs Infizierte gibt. 35 Befunde wiesen demnach ein negatives Ergebnis aus. Die zwei noch ausstehenden Ergebnisse werden am Freitag erwartet.

Von den darüber hinausgehenden Tests in Verbindung mit einem Frauenfußballspiel einer bei der Feier in Welitsch infizierten Person sowie einem Corona-Fall an der Lucas-Cranach-Schule in Kronach liegen uns bislang keine weiteren positiven Befunde vor.