"Jetzt können wir anfangen, die Szene zu perfektionieren!" Als dieser Satz von Stefan Haufe fällt, haben die 13 Laiendarsteller zweieinhalb Stunden intensiv geprobt. Während sich alle anderen bei 30 Grad im Schwimmbad oder in der Eisdiele erfrischen, sprechen, spielen, singen und tanzen die Statisten an diesem heißen Tag die erste Szene vom "Wirtshaus im Spessart". Bis zur Premiere vom Wirtshaus im Spessart am 28. Juni ist es nicht mehr weit hin.

Doch: Zum Schluss weiß jeder, wo er wann sein muss. Die Einsätze stimmen, das Timing auch. Stephan Haufe, künstlerischer Leiter der Rosenbergfestspiele und Regisseur des Stücks betont: "Diese Szene ist die wichtigste des Abends. Sie ist der Anfang."


Mühe und Detailarbeit

Das erklärt die Mühe und Detailarbeit, mit der Regisseur und Darsteller die Szene angehen. Das fordert den Laien einiges ab, zeigt aber auch, dass Stefan Haufe seine Darsteller ernst nimmt. "Sie unterstützen das Spiel der Hauptrollen. Daher müssen sie wissen, warum sie etwas tun", erläutert er. Auf dem Würzburger Marktplatz tummeln sich Fischverkäuferinnen, Hausfrauen, Händler und Gaukler und jeder muss authentisch agieren. Ida Engelhardt gefällt die neue Herangehensweise, bei der viel über Inhalt und Rollen kommuniziert wird. "Wir müssen alle mehr arbeiten", lacht Rosi Ross, was sie allerdings auch motiviert.


Der Beginn der Probe

Die Probe beginnt mit einem Textdurchgang im Schatten der Linde. Den ersten Satz hat Hedwig Hasselbacher: "Was ist denn das für ein Hanswurst?" Und bevor Bärbel Drexel den Dialog fortführt, vergewissert sie sich beim Regisseur: "Dialekt oder hochdeutsch?" Lokalkolorit war schon immer ein Markenzeichen der Festspiele.

Haufe hat sich unter den unzähligen Fassungen des Wirtshauses für die von George Isherwood entschieden, weil er deren Sprachwitz mag. So entwickelte sich aus der deutschen Erzählung ein englisches Theaterstück, das ins Deutsche rückübersetzt wurde und jetzt mit original "Fränggisch" angereichert ist.

Im fränkischen Idiom fällt einer aus dem Rahmen: Klaus Meile ist zwar gebürtiger Bayreuther, aber das hört man ihm als ausgebildeten Schauspieler und Sänger nicht an. An diesem Probennachmittag ist er neben dem Regisseur der einzige Profi. Das lässt er sich aber nicht raushängen: der Umgang im Team ist locker und wertschätzend. Schließlich verbindet alle die Liebe zum Theater.

Einige wie Hedwig und Bärbel bezeichnen sich selbst als "Urgesteine", so oft waren sie schon dabei. Aber auch die Jungen zieht es immer wieder auf die Festung. Tochter Sophie und Mutter Stephanie Hopfenbeck zum Beispiel, die ihr Debüt im Kinderstück im letzten Jahr gaben. Stephanie spielte eine Hexe und jetzt eine Nonne. "Mein Mann sagt, letztes Jahr hat's gepasst, dieses Jahr nicht so", schmunzelt sie.


Überzeugende Vorstellung

Ihr Ohnmachtsanfall angesichts der Blöße des Steuereintreibers, den die Räuber seines Gewands beraubt haben, wirkt jedenfalls sehr überzeugend. Auch dem Abiturienten Paul Steinke nimmt man die Rolle des Bischofs ab. Neben seinem Sprechpart darf er sogar eine Strophe solo singen.

Die Musik komponierte Sebastian Paul Rehnert eigens für die Inszenierung für die Rosenbergfestspiele. Kronacher Musikliebhaber kennen ihn als Komponist für die Kronacher Klassik Akademie und das Cäcilia-Orchester. Seine musikalische Laufbahn startete er hier an der Berufsfachschule für Musik.


Sprechen, Singen und Tanzen

Die Statisten dürfen also sprechen und singen und, wie es Jürgen Malcher auf den Punkt bringt: "Sogar tanzen habe ich gelernt!" In Wirklichkeit ist die ganze Szene durchchoreographiert. Wer wann wo steht, wie er oder sie dorthin kommt, wie die Wege sind und in welche Richtung gesprochen wird, dies alles wird nicht dem Zufall überlassen. Auf einer Bühne gibt es hierfür Markierungen, auf der Wiese müssen sich die Akteure alles merken.
Jede kleinste Geste ist durchdacht. Das sieht oft leichter aus, als es ist. Lia-Marie Tremel und Franziska Maurer haben kleinere Sprechrollen ergattert. Lampenfieber sei schon da, sagen sie, aber nach jedem Auftritt gewinne man an Routine, berichten sie.