Wenn Bürgermeister Stefan Heinlein (CSU) auf die ersten neun Monate seiner Amtszeit als Rathauschef im Markt Pressig zurückblickt, war diese nicht nur wegen der Corona-Pandemie, eher von stürmischer See als vom ruhigen Fahrwasser geprägt. Die Crew und der Kapitän trotzen auch der stürmischen See, sagt Heinlein, in einem Gespräch lachend, als ihn unsere Zeitung auf die unruhigen und arbeitsreichen Anfangsmonate anspricht. Es stimmt, sagt er. Neben Corona-Pandemie und dem neuen ÖPNV- Mobilitätskonzept des Landkreises Kronach, sorgten auch personelle Umstrukturierungen im Rathaus für unruhige Tage nach der Amtseinführung. Aber alles ging gelassen und geordnet über die Bühne, fasst Heinlein zusammen.

Noch als Geschäftsleiter musste er nach gewonnener Kommunalwahl ab 15. März 2020 die zukünftige Personalstruktur nach seiner Amtsübernahme am 1. Mai, vorbereiten. Grundlagen für die Notwendigkeit einer Umstrukturierung der Verwaltung waren die Verabschiedung der langjährigen Führungsfachkräfte, Geschäftsleiter Edmund Lang und Kämmerer Heinrich Grebner, die beide im Jahr 2019 in den Ruhestand verabschiedet wurden. Die Position des Geschäftsleiters wurde damals Stefan Heinlein vom Marktgemeinderatsgremium übertragen, die er bis zur Wahl zum Bürgermeister ausführte.

Personelle Umstrukturierung

Kurz nach seiner Amtseinführung zum Bürgermeister war Handlungsbedarf im Verwaltungsteam angesagt. Der zu Beginn des Jahres 2019 neu eingestellte Verwaltungsfachwirt Antonio Sauchella (bisher Kämmerer) übernahm in Personalunion die Position als Geschäftsleiter und Kämmerer. Als Leiter für die Hauptverwaltung wurde der Verwaltungsfachangestellte und Bachelor of Laws (Rechtswissenschaft) Thomas Frashek berufen, der auch erst im September 2018 neu als Leiter des Ordnungsamtes eingestellt wurde und mittlerweile auch seine Fortbildung zum Standesbeamten erfolgreich absolviert hat. Dem Einwohnermeldeamt, Pass- und Ordnungswesen steht seit 1. November 2020 als Leiter, der neu in die Verwaltung gekommene Verwaltungssekretär, Jürgen Fischer, vor. Dazu waren viele Gespräche und Aussprachen nötig um "sein Team", wie es Heinlein nennt, nach seinen Vorstellungen zusammen zu stellen. Abgeschlossen wurde nach seinen Worten die Personalumstrukturierung im November 2020. Deshalb möchte er die etwa 4 000 Einwohner des Marktes Pressig auf diesem Wege von den in der Verwaltung durchgeführten Veränderungen informieren, zumal wegen der Corona-Pandemie nur eingeschränkter Publikumsverkehr und Sprechzeiten für Bürgerinnen und Bürger möglich waren und auch eine Bürgerversammlung bisher entfallen musste.

Ohne Einschränkungen, aber unter gesonderten Corona-Umständen- und Hygienebedingungen, konnten fünf Marktgemeinderatssitzungen und vier Bau- und Umweltausschusssitzungen abgehalten werden. Auch zwei Ortssprecherwahlen für Förtschendorf und Größau konnten unter Beachtung eines besonderen Hygienekonzeptes durchgeführt werden. Der Rathauschef schnauft tief durch und ist sehr froh auch einige, in seiner neunmonatigen Amtszeit, schon abgeschlossene Maßnahmen nennen zu können. An erster Stelle nennt er unter anderem die Umstellung der Straßenbeleuchtung in allen Gemeindeteilen auf LED- Technik. "Mit den neuen Leuchten spart der Markt Pressig jährlich rund 165 000 Kilowattstunden Strom und reduziert den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) um rund 85 Tonnen", sagt Heinlein. Durch das Bayernwerk hat Pressig 537 Brennstellen umrüsten lassen, 506 Leuchten auf vorhandenen Masten und 31 Leuchten erhielten LED- Einsätze in das bestehende Leuchtgehäuse. Die Kosten für diese Innovationsmaßnahme beliefen sich auf rund 210 000 Euro.

Im Dezember vergangenen Jahres konnte die "Gartenstraße" im Wohngebiet Anger auf einer Länge von 220 Meter erneuert werden und somit auch gleich das gesamte Trinkwasserleitungsnetz und Regen- und Schmutzwasserkanal nebst Hausanschlüssen mit erneuert werden. Auch Leerrohre für Breitbandanschlüsse wurden mit verlegt. Die Kosten der Maßnahme beliefen sich auf circa 850 000 Euro. Man nahm diese Gelegenheit wahr und sanierte zugleich die Asphaltdecke des nahe gelegenen "Wiesenweg". Ebenfalls noch im Dezember konnte die Erneuerung der Brücke über den Teuschnitzbach bei Marienroth fertiggestellt werden. Dadurch konnte die Dauerhaftigkeit, des von Land- und Forstwirtschaft viel genutzten Brückenbauwerks wieder auf längere Sicht gewährleistet werden. Die Maßnahme wird mit Kosten von rund 170 000 Euro beziffert.

Zusammenarbeit mit Landkreis

Ein Gehweg vom Ortsende Marienroth zum Friedhof konnte entlang der Kreisstraße KC 17, dank der Unterstützung von Landrat Klaus Löffler, erstellt werden. Rechtzeitig vor Wintereinbruch konnten im Dezember zwei neue Universal- Kommunaltraktoren mit Schneepflügen und Salzstreuern in Betrieb genommen werden. Für die Nutzung durch Land- und Forstwirtschaft, aber auch der Naherholung dienend, konnte eine wichtige Straßenverbindung zwischen Neukenroth und Welitsch noch zum Jahresende 2020 saniert werden. Die Generalsanierung des gemeindlichen Bauhofs und die Modernisierung der Kläranlage Pressig wurden fortgesetzt, ebenso wie die zweite Bauphase der Dorferneuerung Friedersdorf. Zusammen mit den Bürgern sei man auch hinsichtlich einfacher Dorferneuerung in Förtschendorf ein Stück weitergekommen.

Stolz zeigt sich Heinlein über die Anlage von Wiesenurnengräbern im Friedhof Rothenkirchen. "Verwaltung und Bauhof haben hier Hand in Hand etwas Großartiges geleistet", zeigt sich Heinlein begeistert von der Anlage, die auch mit einer Ruhebank ausgestattet wurde. Fortschritte zeigen sich auch in der Planungsphase der Generalsanierung der Grundschule und der Sanierung und Erweiterung des Kindergartens in Rothenkirchen. Die Förderanträge konnten bereits bei der Regierung von Oberfranken eingereicht werden. Ein bestehendes Gebäude (ein ehemaliges Textil- Fachgeschäft für Mode und Sport) wird für die Folgenutzung als dritter Kindergarten gerade fertig geplant. Die Planungen haben sich etwas verzögert, da anstatt einer Pelletheizung nun mit einer Holzhackschnitzelheizung weiter geplant wird, die sowohl Schule als auch Kindergarten beheizen soll.

Der Abriss eines maroden Gebäudes in der Nähe des Naturerlebnisbades Rothenkirchen konnte mit Förderung der Förderoffensive Nordostbayern im November abgeschlossen werden. Eine Neugestaltung um das Areal des Naturbades ist vorgesehen. Wichtige Kleinprojekte wie neue Begrüßungstafeln an den Ortseingängen, Berufung neuer ehrenamtlich aktiver Wanderwegewarte, neuer Aktiv- Fitness- Platz am Naturbad sowie die Sanierungen der Kinderspielplätze in Förtschendorf, Posseck und Marienroth wurden alle erfolgreich abgeschlossen.

Mittelfristig will Heinlein die Ausweisung von weiteren Bauplätzen im Gemeindegebiet angehen. Aktuell wird die Oberflächensanierung der B 85 Ortsdurchfahrt Förtschendorf zusammen mit dem staatlichen Bauamt vorbereitet. Die Sanierung der Kreisstraße KC 3 von Pressig nach Eila mit Gehweg und neuer Wasserleitung steht bevor. Für den Ausbau der Straße zeichnet der Landkreis Kronach verantwortlich.

Pressigs Bürgermeister bedauert sehr, dass im vergangenen Jahr viele große Festlichkeiten ausfallen mussten. Etliche Vereine haben mit Herzblut und Leidenschaft ihre Vorbereitungen getroffen, wobei natürlich die Vereinsaktivitäten durch ehrenamtliche Idealisten besonders zu erwähnen sind. "Aber es kommt auch wieder eine andere Zeit, in der wir gemeinsam in unsere Heimat im Frankenwald feiern können." So sieht Heinlein optimistisch in die Zukunft.