Der Ostersamstag stand in diesem Jahr in Ludwigsstadt im Zeichen des Theaters: Im Rathaussaal begannen die Proben für die diesjährigen Shakespearespiele. Die müssen zwar dieses Jahr ohne Shakespeare auskommen, weil sein Freund Nestroy "auch mal" dran kommen wollte - und weil Festspielchef Daniel Leistner es so will.

"Am Abend haben wir dann im Rahmen einer großen Shakespeareparty zusammen mit den Schaupielern der Faust-Festspiele zum Saisonstart im Rathaussaal meinen 50. Geburtstag gefeiert"; so Leistner. Und das Nestroy-Stück "Einen Jux will er sich machen" ist sein eigenes Geburtstagsgeschenk.

Der Ostersamstag vor 25 Jahren stand auch ganz im Zeichen des Theaters - beim deutsch-deutsch Gastspiel im Meininger Hof in Saalfeld.
Die Freie Werkbühne Kronach, damals geleitet von Daniel Leistner und Ulrich Hammerschmidt, dem heutigen Kulturchef der Freien Presse Chemnitz, hatte sich seit ihrer Gründung 1985 zu einer Art Kronacher Tourneetheater entwickelt. Als Kulturbotschafter des Landkreises Kronach erhielt die Truppe wenige Woche später einen der erstmals verliehenen Kulturpreise des Landkreises Kronachs.

Die Truppe war aus den Schultheaterprojekten der beiden theaterbegeisterten Deutschlehrer am Kaspar-Zeuss-Gymnasium in Kronach, Hans-Jürgen Schmitt und Ulf Matthiesen hervorgegangen. Goethes Faust hatte die Theatermacher schon seit der Schulzeit nicht mehr losgelassen - und letztlich Mitte der 90er-Jahre zur Gründung der Faust-Festspiele in Kronach geführt. So gesehen war der Faust I, der Tournee-Faust der Freien Werkbühne, eine Zwischenstation auf dem Weg dahin.

Das war längst nicht abzusehen, als es am Ostersamstag 1990 zum deutsch-deutschen Gastspiel kam. Auf Vermittlung des damaligen Kronacher Landrats Werner Schnappauf mit dem Rat des Kreises Saalfeld und der dort noch amtierenden Vorsitzenden Edith Ludwig zustandegekommen, waren die Darsteller Teil der zu diesem Zeitpunkt intensivierten Kulturkontakte.

Die elf Mitglieder der Werkbühnentruppe - von denen heute noch Rainer und Oda Gräbner beim Faust-Ensemble in Kronach mitwirken - waren von beiden Landkreisen unterstützt worden: Das Landratsamt Kronach stellte Bus und Unimog für den Transport der Requisiten zur Verfügung, der Landkreis Saalfeld sorgte für Verpflegung und die Unterkunft im Betriebsferienheim VEB Carl Zeiss Jena. Organisatorisch lag alles in den Händen des Saalfelder Kulturreferenten Joachim Lieske und dem Leiter des Kulturzentrums Gerd Zimmermann.

Und zum Abschluss der Aufführung wurde zum Essen eingeladen, bei dem die Kronacher und Saalfelder Kommunalpolitiker starkes Interesse an weiteren Gastspielen signalisierten.

Eine ganze Seite im Thüringer Tag

Ausführlich nachzulesen ist das in den beiden Kronacher Lokalzeitungen am 18. April 1990, die beide Anfang des Jahres begonnen hatten, der Bevölkerung in den benachbarten Thüringer Landkreisen eigene Lokalausgaben anzubieten. So war dem Ableger des FT, dem Thüringer Tag, der Bericht über das Gastspiel eine ganze Seite wert - mit einem Bericht über das Zustandekommen des Gastspiels, der Resonanz bei den Zuschauern, einer Theaterkritik und einem Kommentar über die Möglichkeiten des Kulturaustauschs zwischen Kronach und Saalfeld.

Die Leser der ehemaligen SED-Bezirkszeitung, der damaligen Ostthüringer Nachrichten, mussten darauf übrigens verzichten, zumal die Zeitung auf ihrer täglichen einen Seite "Saale-Express" wenig Platz hatte.
Immerhin 150 zumeist junge Zuschauer wollten den Kronacher Faust sehen und reagierten auf die verwestlichte Sichtweise amüsiert und