Seit genau einer Woche wohne ich nun wieder in Deutschland, nachdem ich ein Jahr in einem kleinen Krankenhaus in Rulenge, Westtansania, gearbeitet habe. Nachdem ich meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin abgeschlossen habe, wurde ich im Rulenge Hospital als Krankenschwester angestellt. Ich merkte schnell, dass dort die Hauptaufgabe darin besteht "Erste Hilfe" zu leisten. Nach einigen Wochen wusste ich, wie und mit welchen Instrumenten ich die Erstversorgung nach einem Unfall durchführen kann, denn hierbei gibt es große Unterschiede zu Deutschland.

Nicht wie bei uns werden die Operationskittel und sterilen Instrumente nach der einmaligen Verwendung entsorgt, sondern gewaschen und neu sterilisiert. Auch die sterilen Tupfer und Binden müssen selbst in Form geschnitten und anschließend gefaltet werden. Die medizinische Versorgung unterscheidet sich massiv zu unserem Versorgungssystem aus Deutschland. Denn in Rulenge heißt es: kein Geld, keine medizinische Behandlung.


Eine Situation vor Ort

Während meiner Zeit in Rulenge begleitete ich die 24-jährige Joys gemeinsam mit ihrem vier Monate alten Kind. Joys hatte einen Hirntumor, der nach außen wuchert. Der Anblick des offengelegenen Kopfes ist ziemlich erschreckend und für die Menschen vor Ort nicht gewöhnlich.

Nachdem ihr Arzt mitgeteilt hatte, dass er nicht mehr helfen könne, war für den Mann der Patientin klar, mit einer unheilbar kranken Frau nichts mehr anfangen zu können. Er verließ sie. Da im Krankenhaus vor Ort das Patientenessen von den Angehörigen gebracht werden muss, musste Joys die erste Zeit hungern.


Mann kümmerte sich nicht mehr

Ihr Mann sorgte sich nicht mehr um Joys. Andere Angehörige der Patientin sind so arm, dass sie sich die Fahrt ins Krankenhaus nicht leisten können.

Für uns wurde das Problem offensichtlich, als die junge Patientin nicht mehr genug Milch fürs eigene Baby geben konnte. Mit dem Arzt Dr. Mallya haben wir entschieden, den beiden helfen zu wollen. Deshalb machten wir uns auf den Weg in ein Mutter-Kind-Haus, um anzufragen, ob sie die junge Mama auf ihrem letzten Weg begleiten würden und anschließend für das Kind sorgen können. Leider erklärten uns die Schwestern des Heims, dass sie keinen Platz mehr haben und kein Angestellter sich zutraut, täglich die riesige Kopfwunde zu versorgen.

Nach langem Hin und Her sind wir zu der Vereinbarung gekommen, dass nach dem Tod der Mutter im Heim für das Baby gesorgt werden könnte. Allerdings benötigen wir ein Schreiben des "Dorfoberhaupts", das genehmigt, dass das Kind die ersten Jahre bei den Schwestern leben kann und es im Schulalter zurück zu Verwandten ins Dorf gegeben werden darf.


Unklar, wer die beiden versorgt

Also fuhren Dr. Mallya und ich gemeinsam mit Joys und ihrem Baby in das abgelegene und arme Heimatdorf, weit außerhalb von Rulenge, um dieses Schreiben zu erhalten. Danach stand immer noch die Frage im Raum, wer die beiden nun im Krankenhaus mit Essen, Trinken und Medizin versorgt. Da sich niemand verantwortlich fühlte, beschlossen Dr. Mallya und ich, dass wir helfen wollen.

Für die kommende Zeit wurde Joys von Dr. Mallyas Frau versorgt und bekam dreimal am Tag warmes Essen gebracht. Ich kochte dem Baby jeden Morgen frische Babyersatzmilch für den ganzen Tag. Da Joys unendlich dankbar über meine spontane Hilfe war und ich die beiden ins Herz geschlossen habe, wurde ich von ihr gefragt, ob ich die Taufpatin der kleinen Ajuaye werden möchte. Es vergingen noch eineinhalb Wochen bis zur Taufe. In diesen Tagen hoffte ich sehr, dass Joys die Kraft behält um zusammen mit ihrer Mutter und vielen Arbeitskollegen einen schönen gemeinsamen Tag zu erleben. Super froh und erleichtert war ich dann, als alles gut geklappt hatte und ich gemeinsam mit Dr. Mallya und seiner Frau die kleine "Ester Sharon Ajuaye" taufen durfte.

Die Kleine hat sich gut entwickelt, täglich mehr getrunken und sich vom kritischen Untergewicht zum kleinen Mops entwickelt, während Mama Joys leider täglich mehr und mehr an Kraft verlor. Leider nahm diese Geschichte zum Ende meines Jahres ein sehr trauriges Ende. Mein kleines Patenkind ist ziemlich überraschend und aus unerklärlichen Gründen noch vor ihrer Mutter gestorben, während Joys nach einem sehr langwierigen und schweren Sterbeprozess gemeinsam mit mir am selben Morgen Rulenge verließ.

Der Verein Kivuko

Verein Es gibt inzwischen Kivuko, einen Verein, der von ehemaligen Freiwilligen gegründet wurde, um in solchen Notfällen helfen zu können. Jedoch ist dies noch ein sehr kleiner Verband mit zu wenigen Sponsoren um wirklich großflächig helfen zu können.

Unterstützung Da alle Freiwilligen noch in sehr engem Kontakt mit den Menschen von Rulenge stehen und sich jederzeit Freiwillige vor Ort befinden, wird immer direkt vermittelt und die Gelder kommen auch da an, wo sie benötigt werden. Von den Spendengeldern werden Medikamente, Behandlungskosten und Operationen bezahlt. Das Geld kommt hundertprozentig da an, wo es gebraucht wird.

Infos Mehr über den Verein: www.kivuko.de
Spendenkonto: Kivuko e.V.
KontoNr.: 4064 1839
BLZ: 783 500 00
Iban: De 09 7835 0000 0040 6418 39
BIC: BYLADEM1COB
Sparkasse Coburg - Lichtenfels. Verwendungszweck "Sharons Spendenaufruf".