Der Überfall auf die Kronacher Norma-Filiale im vergangenen April beschäftigt weiter das Coburger Landgericht. Am zweiten Verhandlungstag ging es um die Frage, welche Rolle die Mutter des 20 Jahre alten Täters und Mitangeklagte bei der Tat gespielt hat.

Ihr Sohn beteuert, dass die 51-Jährige keinen blassen Schimmer davon hatte, was er im Supermarkt getrieben hat, während sie ahnungslos draußen im Auto gewartet hat. Die Polizeibeamten, die das Duo kurz nach dem Überfall vor der heimischen Haustür festgenommen haben, bezweifeln das.

Der Richter, dem der junge Mann kurz nach der Festnahme vorgeführt wurde, erinnert sich noch gut an die Begegnung, "alleine schon wegen der Tatsache, dass er sich vor der Tat im Supermarkt erst einmal den Einkaufswagen vollgeladen hat." Außerdem sei es die erste Haftvorführung nach dem Corona-Lockdown gewesen.

Sohn verhielt sich verdächtig

Der Angeklagte habe im Gespräch sofort zugegeben, dass er den Überfall begangen hat. Als Grund nannte der 20-Jährige einen finanziellen Engpass, weil ihm, wie berichtet, ein fünfstelliger Geldbetrag aus seinem Geschäft gestohlen worden sei. "Er habe von Anfang an geplant, die Norma zu überfallen. Seine Mutter habe er nicht eingeweiht." Ihr habe der Junior erzählt, er wolle noch schnell ein paar Dinge im Supermarkt einkaufen.

Die 51-Jährige hat laut eigener Aussage keinen Verdacht geschöpft. "Sie fand es nur ganz ungewöhnlich, dass er sich anschließend beim Tanken an den Kosten beteiligt hat, das würde er sonst nie machen."

Auch, dass der Junior ihr im Auto einen größeren Geldbetrag - wie sich kurz darauf herausstellte, die Beute des Überfalls - mit den Worten "Mama, nimm du mal bitte" übergeben hat, habe sie nicht als ungewöhnlich empfunden.

Nicht einmal, als ihr Sohn nach seinem "Supermarkt-Einkauf" auf der Rücksitzbank ihres Wagens Platz genommen und dort seine Kleidung gewechselt hat - in T-Shirt, Badelatschen und kurze Hosen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt - , sei sie misstrauisch geworden. Das zumindest habe sie ihnen weismachen wollen, berichten die Polizeibeamten, die Mutter und Sohn bei ihrer Rückkehr bereits vor der Haustür erwartet haben.

Opfer selbst gab Hinweis auf Täter

Der entscheidende Tipp, der die Polizei zu den vermeintlichen Tätern führte, kam ausgerechnet vom Opfer selbst. "Der Kassierer gab den Hinweis auf den Angeklagten, weil er sich aufgrund von seiner Statur und Stimme um einen alten Schulkameraden handeln könnte", schildert der Polizeibeamte, der daraufhin zu den Verdächtigen nach Hause gefahren ist und das Anwesen überwacht hat.

Wenige Minuten nach ihrer Ankunft seien auch die Angeklagten im Auto eingetroffen. Der Sohn saß - trotz leerem Beifahrersitzes - auf der Rücksitzbank, im Kofferraum waren zwei Hunde. Direkt sei dem Beamten das sommerliche Outfit des Beschuldigten aufgefallen: "Ich habe ihn gefragt, ob er bei den Temperaturen immer so herum läuft. Darauf hat er nicht reagiert."

Mutter und Sohn seien außer Hörweite voneinander befragt worden. "Ihre Aussagen glichen sich aufs Wort." Ihre Geschichte - dass sie abends mit dem Auto weggefahren sind, um mit den Hunden spazieren zu gehen und eigentlich eine Skulptur aus Kulmbach hätten abholen wollten, was aber aufgrund des Corona-Lockdowns nicht geklappt habe - klang für den Polizeibeamten ziemlich unglaubwürdig.

Was dem Zeugen besonders verdächtig erschien: "Der Grund unserer Anwesenheit wurde zu keinem Zeitpunkt hinterfragt." Selbst als er den Sohn gefragt hat, wo die Schusswaffe ist, habe seine Mutter keinerlei Reaktion gezeigt. "Für uns ist das immer ein Zeichen dafür, dass die Leute schon wissen, warum wir da sind."

Auch seine Kollegin - sie hat die 51-Jährige nach der Festnahme zur Dienststelle gefahren - ist von der Version der unwissentlichen Komplizin wenig überzeugt. Im Streifenwagen sei sie ins Reden gekommen und habe sich immer wieder darüber echauffiert, dass sie nicht verstehe, warum sie festgenommen wurde. "Für mich hat das Ganze sehr aufgesetzt gewirkt. So, als ob sie den Anschein erwecken wollte, dass sie nicht wisse, um was es geht."