Studieren ohne Abi tur, einen akademischen Titel mit 50 Jahren oder während einer Erziehungszeit erwerben, das alles ist ab Oktober 2013 in Coburg möglich. Die Ausführungen des Programmdirektors der Hochschule Coburg, Roland Hertrich, hörten sich spannend an. Die Zielgruppe seien Mitarbeiter in Unternehmen, die bereits Berufserfahrungen vorweisen können und ihr Wissen erweitern beziehungsweise einen akademischen Titel erreichen möchten, beschrieb er das Projekt. Angeboten werden zwei Studiengänge der Betriebswirtschaft mit den Abschlüssen Bachelor und Master.


Startschuss fiel schon 2011


Der Hauptabteilungsleiter der Heinz-Gruppe und Mitini tiator, Thomas Kneitz, wies darauf hin, dass auf Grund der demografischen Entwicklung gerade in unserer Region die Gewinnung von Fachkräften zunehmend Schwierigkeiten bereite.
Seit April 2011 habe sich eine Projektgruppe, bestehend aus Vertretern der Wirtschaft und der Hochschule, mit der Einführung dieses berufsbegleitenden Studiengangs befasst.

Bei dessen Konzipierung sei bewusst Wert darauf gelegt worden, Familie, Beruf und Studium in Einklang zu bringen. Die Sicherung der Unterstützung des bayerischen Wissenschaftsministerium sei nicht einfach gewesen.

Roland Hertrich ging auf die Vorteile für die Unternehmen ein. Er sprach von Mitarbeiterbindung, von der Verzahnung von Theorie und Praxis und von einem verbesserten Image des Arbeitgebers. Für die Mitarbeiter bedeute die Teilnahme am Studiengang eine Verbesserung der beruflichen Perspektiven. Der Austausch mit Studierenden habe ebenfalls positive Auswirkungen.


Sie können mithalten


Hertrich stellte klar, dass die Anforderungen und die Prüfung identisch mit denen des herkömmlichen Studiums seien. Er wisse aus Erfahrung, dass die Zielgruppe - er meinte damit die Berufstätigen - anders als junge Studienanfänger Berufs- und Lebenserfahrung mitbringe und durchaus, was die Prüfungsergebnisse betreffe, mit den jungen Studenten mithalten könne. Wie von Roland Hertrich zu erfahren war, wird schon jetzt reges Interesse an diesem Studiengang gezeigt.

Eine Befragung bei den anwesenden Unternehmern und Personalleitern, wie diese dem neuen Studiengang gegenüberstehen, verlief eher zurückhaltend. Trotzdem merkte man, der berufsbegleitende Studiengang in Betriebswirtschaft ist für sie ein Thema. Matthias Fröba von Wiegand-Glas meinte, dass man noch keine allgemeine Aussage treffen könne. Es werde künftig auf den Einzelfall ankommen. Für ihn sei vor allem der "Master" schmackhaft, den man neben dem Beruf erreichen könne.

Der Personalleiter der Sparkasse Kulmbach-Kronach, Heiko Reuther, wies darauf hin, dass sein Geldinstitut vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten anbiete. Der Charme dieses Studiengangs liege darin, dass es für Berufstätige möglich sei, vor Ort und neben dem Beruf ein Studium zu absolvieren.


"Eine gute Sache"


Für den Vorsitzenden von Kronach Creativ, Rainer Kober, ist dies eine gute Sache. Oftmals hätten junge Leute nach der Beendigung ihrer schulischen Laufbahn nicht gleich den Mut, ein Studium in Angriff zu nehmen. Hier habe jeder die Chance, dieses zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.

Der Vorsitzende des Industrie- und Handelsgremiums Kronach, Hans Rebhan, sprach von steigenden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt und von einer Akademisierung. Hier würden Türen für ein breites Spektrum von Berufstätigen in der Region geöffnet.

Jürgen Heller von Wiegand-Glas bezeichnete dieses Studium als gute Einrichtung, vor allem für Mitarbeiter im kaufmännischen Bereich. Roland Hertrich wies darauf hin, dass es auch für Techniker Wege gebe, dieses Studium zu absolvieren. Möglich sei auch nur einzelne Kurse zu belegen und Zertifikate zu sammeln. Bezüglich der Finanzierung und der erforderlichen Freistellung der Studierenden von ihren Betrieben sprach Thomas Kneitz von betriebsinternen Lösungen und Strategien.