In Teuschnitz arbeiten seit Jahresbeginn zwei Gemeindeschwestern. Sie stehen mit Rat und Tat zur Seite, wenn die Gemeindemitglieder einmal nicht mehr weiter wissen.Seit Januar diesen Jahres läuft das Projekt "Flexible Altenhilfe-Gemeindeschwestern Teuschnitz". Für die nächsten zwei Jahre soll durch dieses Modellprojekt ermittelt werden, wie man Senioren und deren pflegenden Angehörigen, aber beispielsweise auch Familien und allein erziehenden Eltern den Alltag erleichtern kann. Im Caritas-Gemeinschaftsraum in Teuschnitz trafen sich Janet Januszewski und ihre Kollegin Lena Engelhardt mit unserer Zeitung. Ebenfalls vor Ort war Diplompädagogin Claudia Ringhoff, die das Projekt von der wissenschaftlichen Seite aus betreut.

Janet Januszewski ist eine der beiden Gemeindeschwestern, welche für die unterschiedlichen Anliegen der Bürger Netzwerkarbeit leisten. Immer zur Seite steht der Sozialpädagogin die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin Lena Engelhardt, die derzeit zusätzlich Pflegewissenschaften studiert. "Meine Aufgabe besteht darin, direkt in die Haushalte zu gehen, und herauszufinden, wie man den betreffenden Personen am besten helfen könnte. Dann kann meine Kollegin Kontakte herstellen und so ein Netzwerk aufbauen", erklärt Engelhardt.

Vom Land bezuschusst

Man freute sich sehr, als das Projekt von der Regierung für zwei Jahre bezuschusst wurde. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml möchte so die pflegerische Versorgung der Senioren im ländlichen Raum vorantreiben. Angeknüpft an das Konzept "In der Heimat wohnen" wurde sich zum Ziel gemacht, älteren Menschen Wege aufzuzeigen und entsprechend Hilfsangebote zu finden, damit diese so lange wie möglich selbstständig in ihrem eigenen Zuhause wohnen können.

Als Gemeindeschwestern haben die beiden Frauen sehr vielfältige Aufgaben und kein Tag gleicht wirklich dem anderen. "Wir sind kein medizinischer Pflegedienst, aber wir können helfen, Betroffenen die richtigen Kontakte zu vermitteln. Netzwerkarbeit ist ein zentraler Punkt in unserem Quartiersmanagement", erklärt Januszewski. "Jeder kann sich bei uns melden und beraten lassen, das ist das Schöne an unserem Projekt.

Somit können auch Nachbarn oder Angehörige zu uns kommen, wenn ihnen etwas auffällt. Ebenso kann man sich bei uns informieren, wo man sich ehrenamtlich einsetzen kann. Wir sind dafür da, Lücken in der Versorgung zu erkennen und oft ergeben sich aus ersten Anrufen, die ein Problem schildern, im weiteren Gespräch noch ganz andere Anliegen".

Die Sozialpädagogin bezieht sich auf Probleme, die unter der Oberfläche liegen. Es gäbe glücklicherweise bereits ein gutes Angebot an Einkaufshilfen und Fahrdiensten, die ältere Mitbürger unterstützen. Doch wer ist da, wenn sich Ältere immer mehr zuhause isolieren? Wen kann man anrufen, wenn man lernen will, wie man im Alter mobil bleibt? Welche Freizeitangebote kann man in den Alltag als älterer Mensch integrieren? Das sind Fragen, deren Antworten die Gemeindeschwestern mit entsprechender Kontaktsuche herausfinden können. "Wir sind Ansprechpartnerinnen, hören zu und organisieren anschließend. Wer sich allein oder überfordert fühlt und nicht weiß, an welche Stelle er sich wenden muss, kann jederzeit bei uns anrufen. Ziel ist es, die Lebensqualität der älteren Menschen in Teuschnitz zu verbessern", so Engelhardt.

Wissenschaftliche Studie

Die Gemeindeschwestern werden zudem auch von einer wissenschaftlichen Studie begleitet, die herausfinden soll, ob das Modellprojekt flächendeckend angewandt werden kann. Diplompädagogin Claudia Ringhoff koordiniert den wissenschaftlichen Hintergrund. Sie führt Interviews, sammelt Daten, wertet diese aus und steht in engem Kontakt mit den Gemeindeschwestern vor Ort. "Wir werden im Laufe der nächsten Monate erkennen, ob unser Projekt auch an anderen Standorten, als im ländlichen Raum, angewandt werden kann. Es soll als Vorbild dienen, wie man mit Hilfe von Netzwerkarbeit älteren Mitmenschen helfen kann".

Ringhoff betont, dass man unverbindlich um Hilfe bitten kann. "Altern ist eine Kunst. Viele Menschen fragen sich, was auf sie zukommt und blicken der Zukunft nicht immer positiv entgegen. Wir möchten, dass sich die Menschen mit ihren Problemen an uns wenden um zu erkennen, welche Möglichkeiten es für sie gibt. Das können Freizeitangebote sein oder Aufklärungsarbeit, zum Beispiel zur Mobilität im Alter. Zu dieser Vermittlung tragen meine Kolleginnen bei."

Die Gemeindeschwestern sind nun wieder Montag bis Freitag unter der Telefonnummer 09268/9139017 erreichbar. Auch Hausbesuche sind unter Einhaltung des Mindestabstands wieder möglich. Deshalb sollen Betroffene nicht zögern, sich Rat einzuholen.