Richard Eichhorn sitzt in seinem Büro. Derzeit ist es aufgrund der Witterungsverhältnisse noch etwas ruhig. Aber das wird sich bald ändern, "denn die Auftragsbücher sind gut gefüllt". In der Regel besteht sein Arbeitsalltag unter anderem aus der Begehung von Baustellen, aus Planungen für Neu- und Umbauten, aus Kundenkontakten, aus der Erstellung von Angeboten und der Bewältigung von bürokratischen Auflagen und nicht zuletzt aus seiner Tätigkeit bei der Bauinnung.

Die Federführung der Bauinnung, Landkreis Kronach, liegt mittlerweile seit drei Generationen in der Hand der Familie Eichhorn. Richard Eichhorn hat den Vorsitz vor drei Jahren von seinem Vater Hans Eichhorn übernommen, der wiederum Anfang der 80-er Jahre von seinem Vater.

Es sei schwierig gewesen, einen Nachfolger zu finden, erzählt Hans Eichhorn.
Und er sei erleichtert gewesen, dass sein Sohn schließlich in seine Fußstapfen als Innungsobermeister getreten ist. Denn wenn sich kein Nachfolger gefunden hätte, wäre die Selbstständigkeit der Bauinnung im Landkreis Kronach in Gefahr gewesen.

Sicherlich, meint der Seniorchef, müsse ein Obermeister Zeit für die Innung aufbringen. Aber so ein Job habe auch viele Vorteile. In diesem Zusammenhang spricht sein Sohn Richard Eichhorn von Infos und Beratungen, wenn es ums Recht geht, weiterhin vom Austausch von Kenntnissen und Erfahrungen zwischen den Berufskollegen und der Handwerkskammer. Zudem sei man am "Puls der Zeit", wenn es um Neuerungen, um geänderte Vorschriften im Baugewerbe, um Fort- und Weiterbildungen etc. geht.

Baubranche steht gut da

Die Auftragslage im Baugewerbe im Landkreis bezeichnet Richard Eichhorn als stabil. Der Wohnungsbau habe sich in den letzten Jahren zum Motor für die Baukonjunktur entwickelt, jedoch - so Eichhorn, bewege sich der Wohnungsneubau auf einem extrem niedrigen Niveau.

Dagegen werde in bestehende Häuser und Wohnungen investiert. Ein Plus konnte bei den Gewerbe- und Industriebauten in der Region verzeichnet werden. Und auch die Kommunen vergeben mehr Aufträge, beispielsweise wenn es um den Ausbau von Straßen und Brücken geht. Insgesamt stünde die Baubranche gut da.

Beim Thema "Mindestlohn" zuckt der Bauunternehmer mit den Schultern. "Das spielt für uns keine Rolle, denn wir zahlen seit Jahren Tariflohn!" Unverständnis ist allerdings seiner Stimme zu entnehmen, wenn er davon spricht, dass in den neuen Bundesländern für "Facharbeiter im Bauwesen" kein Mindestlohn gefordert wird.

Sorgen bereite der Branche die Gewinnung von Nachwuchskräften. Zum einen gebe es weniger junge Menschen, zum anderen habe die Baubranche in der Industrie einen starken Mitbewerber.

"Früher hat man mit der Entlohnung punkten können, mittlerweile hat die Industrie aber diese Differenzen kompensiert." Richard Eichhorn ist überzeugt, dass die Baubranche künftig händeringend nach Fachkräften und Azubis suchen wird. Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass diese Lücken in einigen Jahren durch junge Menschen aus anderen EU-Staaten minimiert werden.

16 Mitarbeiter

Momentan habe er mit seinen 16 Mitarbeitern keine Personalengstellen, aber das werde sich ändern. Einige seiner Leute seien schon seit über 40 Jahren in dem elterlichen Bauunternehmen beschäftigt.

Bezüglich Nachwuchsrekrutierung seien Vertreter der Bauinnung in Kontakt mit Schulen. Letztes Jahr sei er gar in den Kindergärten in Nordhalben und Kronach gewesen. Anfangs habe er dieser Initiative seitens des Landesverbandes skeptisch gegenüber gestanden. "Mittlerweile sehe ich das etwas anders!". In diesem Zusammenhang schwärmt Eichhorn, mit welchem Eifer die Jüngsten ihre ersten handwerklichen Versuche an einer kindgerechten Werkbank getätigt haben.

Sowohl er als auch sein Vater Hans sind überzeugt, "die Baubranche wird Zukunft haben". Die Berufe im Bauhandwerk werden in einigen Jahren ein besseres Image in der Gesellschaft haben. "Häuser, Brücken, Straßen, Gewerbe müssen immer saniert werden!"

Und außerdem: "Es gibt Perspektiven im Bauhandwerk!" Richard Eichhorn spricht in diesem Zusammenhang auch von Aufstiegschancen, beispielsweise zum Polier, Techniker oder Meister im Baugewerbe bis hin zum Bauingenieur.