Geschlossene Geschäfte, hochgeklappte Bordsteine, Geisterstimmung in den öffentlichen Verkehrsmitteln - der Lockdown erwischte Köln Anfang des Jahres eiskalt. Mittendrin Marian Hamacher. Im Februar hatte sich der ehemalige Kronacher FT-Redakteur beruflich verändert - und landete im heimischen Rheinland mitten in einem Corona-Hotspot (wir berichteten). Im Oktober steht seine neue Wahlheimat Köln erneut auf der "roten Liste". Die zweite Welle ist da. Inzidenzwert am Mittwoch: 104,5. Also alles wieder beim Alten? Ja - und doch irgendwie auch nicht.

"Die Situation ist heute ähnlich wie im Frühjahr", stellt der gebürtige Düsseldorfer fest. Trotzdem hat sich der Umgang mit dem Virus in der Großstadt geändert. "Alles ist irgendwie normaler geworden. Man gewöhnt sich dran." Beim Lockdown hatte er viel Ungewissheit in der Stadt gespürt. Das sei heute anders. Damals wollte man einfach mal aus den eigenen vier Wänden rauskommen und hat sich gefragt, was einen draußen erwartet, wie sich Hamacher erinnert. Inzwischen wissen die Leute, was draußen auf sie zukommt.

Das zeigt sich auch beim Gang durch die Innenstadt. Mit der Maske, auch im Freien, haben sich die meisten arrangiert, seit die Ampel auf Rot gesprungen ist. Im Hotelrestaurant wundert sich keiner mehr über die Plexiglasscheiben zwischen den Sitzplätzen und auch die Straßenbahn ist heute wieder besser besetzt als noch vor einem halben Jahr.

Leute nehmen Rücksicht

Wenn's um die kleineren Gelegenheiten zum Einkehren in der Stadt geht, muss Hamacher kurz die Stirn runzeln. "Manchmal wundert's mich schon, wie viele Leute in so kleine Läden mit Mittagstisch passen. Ich finde das manchmal doch recht eng."

Enger als vor Monaten geht es auch wieder in der Straßenbahn zu. Doch die Menschen gehen vernünftig und rücksichtsvoll miteinander um, schildert Hamacher seinen Alltag. Die Leute versuchen Abstand zu halten. Und wenn es sich nicht vermeiden lässt, etwas enger nebeneinander zu sitzen, dann schaut der eine nach links, der andere nach rechts, um sich nicht gegenseitig anzuatmen.

Die Warnapp ist ein ganz alltägliches Hilfsmittel

Die Warnapp ist für viele Kölner zum täglichen Begleiter geworden. Für den Mitarbeiter in der Pressestelle eines katholischen Sozialverbandes und seine Kollegen ist der Blick darauf jedenfalls Normalität. Was er dabei sieht, ist jedoch etwas anderes als während der sommerlichen Corona-Verschnaufpause. "Früher zeigte die App meistens null, manchmal vielleicht einen Warnhinweis. Heute werden beim Spazierengehen gleich drei oder vier im eigenen Umfeld angezeigt."

Das Arbeiten im Homeoffice ist für viele Kölner daher ebenfalls zum Alltag geworden. Und nach Hamachers Erfahrung wird es von den Arbeitgebern nicht nur geduldet, sondern vielfach sogar unterstützt.

Dass das Thema Corona wieder näher an den einzelnen herangerückt ist, spüren die Rheinländer aber auch bei den sozialen Kontakten abseits des Arbeitsplatzes. "Die Kölner sind ja relativ gesprächig", weiß Hamacher. "Aber momentan bekommt man wenig mit." Die Kontakte werden seltener, der zwischenmenschliche Austausch lässt nach. Deshalb hofft er, dass die eingeschränkten sozialen Aktivitäten in der dunklen Jahreszeit nicht beim einen oder anderen zu Depressionen führen.

Menschen bleiben geduldig

Trotz aller Einschränkungen werden die Maßnahmen von den Kölnern in der Breite mitgetragen. "Einen Corona-Leugner habe ich hier jedenfalls zum Glück noch nicht getroffen", erzählt der frühere Kronacher Redakteur. Die monatelangen Virusdiskussionen nerven zwar auch ihn und er würde natürlich auch zu gerne mal wieder seine Düsseldorfer Fortunen im vollen Stadion anfeuern, aber der Faktor Sicherheit geht für ihn bei allem Verzicht vor.

Und wie sieht er aus der Ferne das Geschehen an seiner alten Wirkungsstätte? "Ich stelle mir vor, dass es in Kronach viel entspannter ist. Eben weil das Risiko, einem Infizierten zu begegnen, viel geringer ist."