Einem 40-jährigen Mann aus dem Landkreis Kronach wird vorgeworfen, seine eigene Cousine in sechs Fällen sexuell missbraucht zu haben. Die Vorfälle ereigneten sich im November und Dezember des Jahres 2010, als das Mädchen erst 13 Jahre alt und damit noch ein Kind war. Im Januar 2011 kam der Mann in Untersuchungshaft, jedoch wurde der Haftbefehl aus Mangel an Beweisen im Mai 2011 wieder aufgehoben. Vor dem Landgericht in Coburg wird der Fall nun neu aufgerollt.

An den ersten beiden Verhandlungstagen wurden bereits 21 Zeugen vernommen, darunter auch das Mädchen selbst. Der Angeklagte, der wegen der Verbreitung pornografischer Schriften vorbestraft ist, früher in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften lebte und mittlerweile verheiratet ist, äußerte sich bisher nicht zum Sachverhalt.

Mehrfach körperlich genähert


Im November vorletzten Jahres war das Mädchen übers Wochenende zu Besuch bei ihrem Cousin und dessen Ehefrau. Schon am Freitagabend soll sich der Angeklagte dem Kind körperlich genähert und sexuelle Handlungen verübt haben. Gleich am nächsten Morgen soll es dann zum Geschlechtsverkehr gegen den Willen des Mädchens gekommen sein, ebenso am Samstagabend und am Sonntagmorgen.

Nur zwei Wochen später besuchte das damals 13-jährige Mädchen das Ehepaar erneut - und wieder soll der Angeklagte sich zweimal an ihr vergangen haben. Die Ehefrau soll von den Vorfällen nichts mitbekommen haben, da sie entweder morgens noch im Bett lag oder sich am Abend früher hingelegt habe.

Schon nach dem ersten Wochenende bei ihrem Cousin verschlechterte sich der gesundheitliche Zustand des Mädchens erheblich, bis sie in der Schule zusammenbrach und ins Krankenhaus kam.

Dennoch besuchte sie die Verwandtschaft wieder, angeblich um die Ehefrau des Angeklagten nicht zu kränken. Die leicht geistig behinderte Frau sei schnell zu verletzen und steht genau wie der Angeklagte unter umfassender Betreuung.

Das Mädchen erzählte zunächst niemanden von den Vorfällen, außer ihrem Freund, den sie bis dahin nur über das Internet gekannt hatte. Sie bat ihn aber darum, es für sich zu behalten.

Erst kurz vor Weihnachten entdeckte der Bruder eine merkwürdige Kurzgeschichte auf dem Laptop des Mädchens, die die damals 13-Jährige im Krankenhaus geschrieben hatte. Die Geschichte handelte von einem Mädchen, das ihren Cousin besucht und von ihm vergewaltigt wird. Erstmals schrillten da in der Familie die Alarmglocken.

Erst zwei Wochen später räumte das Kind schließlich einer Klassenkameradin gegenüber ein, dass sie sexuell missbraucht worden sei. Eltern und Polizei wurden daraufhin informiert, das Mädchen kam für mehrere Monate in die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Sie litt zunehmend an Zitteranfällen und Depressionen und ritzte sich immer häufiger an den Armen und am Bauch.

Komplizierte Beweislage


Die Beweislage ist allerdings denkbar kompliziert: Der Angeklagte schweigt - und die Anschuldigungen des Mädchens können kaum belegt werden, direkte Zeugen gibt es keine.

In der mehrere hundert Seiten umfassenden Prozessakte finden sich zahlreiche Nachrichten, die das Mädchen damals über ihr Handy und diverse Internetdienste versendet und erhalten hat. Möglicherweise gibt es darin entscheidende Hinweise zu den Vorfällen. Zeugenaussagen zufolge soll der Angeklagte dem Mädchen gedroht haben für den Fall, dass sie etwas sage.

Auch soll er argumentiert haben, dass seine Frau es nicht verkrafte, wenn das Mädchen ihn verrate. Diese Aussagen sind bisher jedoch durch nichts belegt.

Die modernen Kommunikationswege bereiten dem Landgericht jedoch auch Schwierigkeiten, da zum Teil nur schwer nachvollziehbar ist, wer sich hinter den vielen Nicknames verbirgt. Auch sind manche Chatverläufe nicht protokolliert, und es ist fraglich, ob diese jetzt noch gefunden oder wiederhergestellt werden können.

Die Polizeibeamten, die damals die entsprechenden Mobiltelefone und den Laptop ausgewertet haben, bemühen sich nun, den Nachrichtenverkehr weiter zu vervollständigen.

Außerdem will das Gericht noch eine Psychologin vernehmen, bei der das Mädchen vorübergehend in Behandlung war, diese ist der Vorladung bisher jedoch nicht gefolgt. Erst im Anschluss wird sich das Gericht mit dem psychologischen Gutachten auseinandersetzen, das insbesondere Aufschluss über die Glaubwürdigkeit des Mädchens geben dürfte.

Auffällig ist nämlich, dass das Mädchen bereits vor den Vorfällen im Herbst 2010 über unspezifische Bauchbeschwerden klagte und sich zeitweise an den Unterarmen ritzte. Auch innerhalb der Familie soll es Schwierigkeiten gegeben haben.

Appell an den Angeklagten


Der Vorsitzende Richter am Landgericht, Gerhard Amend, appellierte am Freitag zum Ende des zweiten Verhandlungstags an den Angeklagten und dessen Verteidiger, noch einmal zu überdenken, ob der Angeklagte nicht doch selbst eine Aussage machen will.

Die Verhandlung wird am Freitag, 12. Oktober, um 9 Uhr fortgesetzt.