Behände lässt der neunjährige Lucas Dittrich vom Musikverein Altenkunstadt seine Trommelstöcke über Becken und Toms huschen und eine faszinierte Lehrer- und Schülerschar schaut ihm bei seinem flüssigen Spiel über die Schulter. "Da fühlt man sich ein bisschen wie ein Lehrer", sagt der Nachwuchsmusikant nicht ohne stolz. Schüler unterrichten Schüler - der Musikprojekttag des Musikvereins Altenkunstadt der erstmals in der Turnhalle der Grundschule stattfindet, macht es möglich.

Die Instrumente erhöhren

Die Idee zu dem nicht alltäglichen Unterricht hatte Lucas Mutter Stephanie, Schriftführerin des Musikvereins. "Mit dem Gastspiel unseres Blasorchesters wollen wir bei den Kindern den Zugang zur Musik öffnen. Musizieren schärft das Denkvermögen, steigert die Konzentration und fördert das Miteinander", nennt sie einen wichtigen Bewegrund. Mit Blick auf die Räumlichkeiten des Vereins, die sich im Schulgebäude befinden, spricht Dittrich auch von einem Antrittsbesuch bei der neuen Rektorin Margaret Greich-Hewera. Und verhehlt nicht, dass der Verein Ausschau halte nach musikalischem Nachwuchs.

Es ist mucksmäuschenstill als der stellvertretende Dirigent Thomas Krappmann seinen Taktstock hebt. Dann durchbrechen die ersten Töne des 16-köpfigen Klangkörpers die Stille und das fröhliche Instrumentenraten beginnt. "Posaune, Schlagzeug, Trompete, Tuba...", zählen die Kleinen nacheinander auf und wie bei einem Puzzle fügen sich die einzelnen Teile zu einem großen Ganzen, dem Blasorchester.

In Gruppen dürfen sich die Jungen und Mädchen an einzelnen Instrumenten ausprobieren. Dabei zeigt sich: Aller Anfang ist schwer. "Immer schön mit dem Bauch atmen und die Lippen schwingen", rät der 16-jährige Florian Zapf vom Musikverein Altenkunstadt dem zehnjährigen Luca Hofmann, der zum ersten Mal mit Erfolg in eine Posaune bläst. Das Instrument ist nicht so ganz nach seinem Geschmack: "In eine Posaune hineinzublasen ist ganz schön anstrengend. Man braucht viel Energie."

Zuhause spielt Hofmann ein anderes Instrument: "Ich bin mit Leidenschaft Schlagzeuger, möchte später einmal in einer Rockband spielen", verrät der Altenkunstadter. Das Musizieren ist für ihn Ausgleich zum Schulalltag.
Yvonne Kern, die die Klasse 4b unterrichtet, findet den Musikprojekttag eine tolle Sache. "Ich könnte den Kindern die Instrumente eines Blasmusikorchesters nicht so gut vermitteln wie die Musikanten des Vereins, die Fachleute auf ihrem Gebiet sind", sagt die Lehrerin.

"Und wie fandet Ihr den Unterricht?", ruft sie ihren Schülern zu. Eine Kinderhand nach der anderen geht nach oben. "Ich fand das Projekt interessant, weil ich viel Neues gelernt habe. Die Instrumente eines Blasorchesters sieht man nicht jeden Tag", meint Lisa Herold.

Jeder der Schüler hat ein anderes Instrument in sein Herz geschlossen. Sophie Helmel zum Beispiel mag den Klang von Saxophon und Klarinette: "Ersteres klingt schön jazzig, Letzteres leicht und heiter." Ins Staunen bringen die Kleinen ihre Lehrerin, als diese die Frage stellt "Wer von Euch könnte sich vorstellen, im Musikverein zu spielen?" Sieben Kinder erheben ihre Hände.

Schulleiterin Margarete Greich-Hewera würde sich darüber freuen, wenn der Projekttag zu einer jährlichen Einrichtung werden würde. "Wer weiß, vielleicht schlummern ja Talente in unseren Schülern, die wir damit wecken würden", sagt sie. Wie denkt man im Musikverein darüber? "Von unserer Seite her spricht nichts gegen eine jährliche Fortsetzung. Wir würden dadurch Nachwuchs gewinnen und zugleich einen Beitrag zur musikalischen Erziehung der Kinder leisten", freut sich Vorsitzender Josef Zapf über die Offerte.