Das Kaffeegeschirr klappert, Leute plaudern und lachen - ein ganz normaler Kaffeeklatsch auf den ersten Blick. Auf den zweiten bemerkt man ein paar Rollstühle, dass bei einigen Gästen Bewegungen etwas langsamer sind und bei anderen die Brillengläser etwas dicker. Die Kaffeerunde besteht überwiegend aus Menschen, die an der unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose (MS) leiden.

MS ist eine entzündliche Krankheit des Zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark angreift. Der Krankheitsverlauf ist individuell, sie verläuft aber meist in Schüben. Es gibt sichtbare und unsichtbare Symptome - und jede Menge Vorurteile.

Um es vorwegzunehmen: MS ist weder ansteckend noch tödlich, sie ist kein Muskelschwund und auch keine psychische Krankheit. Richtig ist, dass es zu motorischen Störungen, Sehstörungen, Taubheitsgefühl und Erschöpfbarkeit führt - aber nicht alles bei jedem.

Die Krankheit tritt oft erst im Erwachsenenalter auf. Daher führen Betroffene oft ein ganz normales Familienleben, ziehen ihre Kinder groß und arbeiten in ihrem Beruf, so weit es eben geht. Der Alltag hält für sie trotzdem größere Herausforderungen bereit als für Gesunde.

"Bei unseren Treffen steht die Krankheit nicht im Mittelpunkt", beteuert eine Teilnehmerin. Zwar tausche man sich über Therapien oder Medikamente aus, im Mittelpunkt aber steht das Beisammensein. In der Gruppe weiß jeder, was MS ist.

"Hier muss ich niemand erklären, warum ich einmal im Rollstuhl sitze, dann wieder ohne Stock laufe und warum ich meinen Haushalt nicht allein schaffe."

Deutschlandweit sind etwa 200 000 Menschen an MS erkrankt. Um auf ihre Probleme hinzuweisen und Vorurteile abzubauen, bietet der Welt-MS-Tag seit neun Jahren eine Plattform. Am 31. Mai finden überall Veranstaltungen statt. Die Kronacher MS-Gruppe hat eine Busfahrt nach Bad Steben organisiert, zu der alle Interessierten eingeladen sind.

Gisela Zaich engagiert sich in der MS-Gruppe seit deren Entstehen 1984. Sie stellt das Jahresprogramm zusammen. Neben den Kaffeeklat schrunden organisiert sie Ausflüge. Heuer wird die Gruppe unter anderem einen Rundgang durch die Arnikawiesen in Teuschnitz machen, die Generalprobe von "Mirandolina" auf der Festung Rosenberg besuchen und eine Klangschalen-Meditation erleben. "Wir achten auf behindertengerechte Räume, auf Einstiegshilfen beim Bus und dass alles nicht zu lang dauert, weil die Aufmerksamkeit bei einigen spürbar nachlässt," erläutert sie die Rahmenbedingungen für ein MS-gerechtes Aktionsprogramm.

Aktivität und Bewegung sind wichtig, deshalb gibt es auch beim Kaffeeklatsch eine Übungseinheit, die Christa Seidel vom Kernteam anleitet: Mit leichten isometrischen Übungen und Therabändern aktivieren die Teilnehmer im Stehen oder Sitzen ihre Energiepunkte im Körper. Sie kräftigen und dehnen leicht die Muskeln. Weil lachen Muskeln und Glückshormone aktiviert, gibt es zum Abschluss eine Runde Lach-Yoga.

Wer sich eine positive Lebenseinstellung bewahrt, hat es auch mit MS leichter. Ein Beispiel dafür ist Daniela Rauh aus Kronach. Seit 16 Jahren ist sie erkrankt, sitzt mittlerweile im Rollstuhl. Auch wenn sie sonst gesund wirkt: Sie hat Pflegegrad 5 für Personen, die "nachweislich unter einer schwersten Beeinträchtigung der Selbstständigkeit leiden und einen sehr hohen Pflegebedarf haben". Den größten Pflegeanteil übernimmt ihr Ehemann.

"Die Zeit arbeitet gegen MS", sagt sie. Daniela Rauh ist davon überzeugt, dass es irgendwann Medikamente gibt, mit denen die Krankheit besiegt werden kann. Auch Susanne Reinhart fällt durch ihre Fröhlichkeit auf. Dabei hat sie bitter erfahren, wie Freunde sich nach der Diagnose abwendeten. "Es hat sich herauskristallisiert, welche Freundschaften oberflächlich und welche echt waren", sagt sie. Auch neue Freunde hat sie gefunden, die wirklich zu ihr stehen.

So empfindet sie die Beziehungen in ihrem Umfeld intensiver und echter. Heute versteckt sie sich und ihre Krankheit nicht mehr. Sie besucht regelmäßig zwei MS-Gruppen in Kronach und geht zum Reha-Sport ins Fitness-Studio.

Veranstaltungen zu MS

Busfahrt nach Bad Steben am Welt-MS-Tag Am 31. Mai um 10 Uhr ist Abfahrt am Parkplatz des Crana Mare in Kronach. In Bad Steben wird ein Spaziergang im Kurpark angeboten, danach Mittagessen. Um 15 Uhr hält Dr. Wilkens in der Humboldt-Klinik einen Vortrag. Er hat sich auf anthroposophische Medizin und Homöopathie spezialisiert, mit der er auch MS-Patienten behandelt.
Anmeldung ist telefonisch bis kurz vorher bei Gisela Zaich möglich unter 09261/92140.
MS-Treffen In Kronach gibt es im Monat zwei MS-Treffen. Jeden ersten Mittwoch ab 17 Uhr im Café Kitsch und jeden letzten Donnerstag ab 14 Uhr im Pfarrzentrum St. Johannes. In die Donnerstagsgruppe kommen bis zu 30 Personen.