Nadja und Christian Reuß sind bisher immer gern mit ihren Kinder auf den Spielplatz in der Oberen Stadt gegangen. "Da musste man eigentlich nie Angst haben, dass Scherben oder so herumliegen", erzählt Christian Reuß. "Deswegen war das jetzt ein ganz schöner Schock."

Am Montagnachmittag gegen vier Uhr macht sich Nadja Reuß mit ihren zwei und vier Jahre alten Söhnen und ihrer neunjährigen Nichte auf den Weg zum Spielplatz hinter dem Rathausparkplatz. Während die Kinder als erstes zu den Schaukeln laufen, schlendert Mutter Nadja an der Rutsche vorbei. Da fällt ihr auf, dass dort, wo die Rutsche endet, etwas aus dem Sand ragt, das in der Sonne blitzt.
"Die Klinge hat so etwa zwei bis drei Zentimeter herausgeschaut und war eine Handbreit vor der Rutsche vergraben", erzählt Christian Reuß. "Wenn ein Kind die Rutsche benutzt hätte, wäre es genau dort gelandet."

Nadja Reuß zieht die Klinge aus dem Sand, schießt noch ein Foto davon und entsorgt sie dann in einem Mülleimer. "Als mir meine Frau später davon erzählt und mir das Foto gezeigt hat, dachte ich gleich, dass man da noch etwas unternehmen müsste." Christian Reuß holt die Klinge wieder aus dem Mülleimer. Da er Mitglied der Kronacher Feuerwehr ist, wendet er sich an den Vorsitzenden der Wehr, Stefan Wicklein, der auch bei der Stadtverwaltung arbeitet. Wicklein erstattet noch am gleichen Abend im Namen der Stadt Anzeige bei der Polizei. "Es war ja offensichtlich, dass die Klinge absichtlich so vergraben worden ist, dass sich jemand daran verletzen sollte", so Wicklein. "Deswegen war mir klar, dass das ein Fall für die Polizei ist. Es ist ja wirklich ein Glück, dass niemand verletzt wurde, sondern die aufmerksame Mutter die Klinge entdeckt hat."

Polizei hofft auf DNA-Spuren und Fingerabdrücke

Die Polizei ermittelt inzwischen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. "Wir gehen davon aus, dass jemand vorsätzlich die Kinder verletzen wollte, die auf dem Spielplatz spielen", sagt Manfred Fugmann von der Polizeiinspektion Kronach. "Wir haben die Klinge sichergestellt und warten jetzt auf die Ergebnisse der Spurenuntersuchung. Wir hoffen, DNA oder Fingerabdrücke zu finden." Zudem sollen Anwohner aus dem Bereich rund um den Spielplatz befragt werden. "Wir hoffen außerdem, dass sich Zeugen melden, denen möglicherweise irgendetwas Verdächtiges aufgefallen ist." Auch Christian Reuß wünscht sich, dass Hinweise auf den Täter gefunden werden. "Lang kann die Klinge ja dort nicht gewesen sein. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn ein Kind da reingerutscht wäre", sagt er. "Ich hoffe wirklich, dass sie den erwischen, der das getan hat."

Einen vergleichbaren Fall gab es in Kronach noch nicht, bestätigen sowohl Fugmann als auch Wicklein. "Einmal haben wir bei Kontrollen Scherben auf einem Spielplatz gefunden, die waren aber nicht so platziert wie die Klinge", erzählt Wicklein. Die Kronacher Spielplätze werden regelmäßig von Mitarbeitern der Stadtwerke überprüft. "Wie oft, das richtet sich danach, wie stark ein Spielplatz genutzt wird. Zum Teil gibt es täglich Kontrollen. Dabei wird der technische Zustand der Geräte in Augenschein genommen, aber natürlich auch die Sauberkeit."

Spielplätze werden ab jetzt öfter kontrolliert

Aufgrund des Vorfalls mit der Klinge wurde nun beschlossen, die Kronacher Spielplätze ab sofort noch häufiger zu kontrollieren, so Wicklein. Manfred Fugmann von der Kronacher Polizei rät, in einem Fall wie dem vorliegenden sofort die Polizei zu verständigen. "So können wir vor Ort die Situation beurteilen und nach Spuren suchen." Mögliche Fingerabdrücke und DNA des Täters ließen sich an einem Messer oder einem anderen Gegenstand sehr viel leichter finden und identifizieren, wenn niemand sonst die Klinge berührt habe. "Wenn sich dort aber die Abdrücke von sieben oder acht verschiedenen Personen finden, wird das natürlich schwieriger", so Fugmann.

Natürlich müsse nicht immer, wenn irgendwo Scherben liegen, die Polizei gerufen werden. "Wenn neben einer Parkbank eine zerbrochene Bierflasche liegt, wird das wohl Unachtsamkeit oder Nachlässigkeit gewesen sein." Dann sei es völlig in Ordnung, die Scherben zu entfernen, so dass sich niemand daran verletzen könne. "Aber wenn etwa Scherben um Spielgeräte herum ausgestreut sind, oder wie im vorliegenden Fall eine Klinge so gezielt platziert wurde, also offensichtlich eine böse Absicht dahinter steckt, dann ist das ein Fall für die Polizei."


Zeugen gesucht


Zur Aufklärung der Tatumstände ist die Polizei Kronach auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Wem sind in letzter Zeit Personen durch ihr Verhalten am Spielplatz in der Oberen Stadt aufgefallen? Hat jemand Streitereien oder andere Auseinandersetzungen in Bezug auf den Spielplatz hinter dem Rathausparkplatz bemerkt? Wer hat sonst verdächtige Wahrnehmungen in dem Umfeld des Spielplatzes gemacht?

Hinweise nimmt die Kronacher Polizei unter der Nummer 09261/5030 entgegen.