Eigentlich hat sie Kunststoffformgeberin gelernt. "Das ist aber lange her, dass ich diesen Beruf ausgeübt habe", sagt Martina Seitz. Und in der Tat, seit neun Jahren betreut sie Kinder bei der Awo-Mittagsbetreuung in Tettau. Vor wenigen Tagen bestand diese Einrichtung zehn Jahre.
"Während dieser Zeit hat sich einiges gewandelt", berichtet Martina Seitz und beginnt zu erzählen. Bei einer Zusammenkunft von Eltern sprach eine berufstätige Mutter das Thema an: "Es wäre doch schön, wenn es in Tettau jemanden gäbe, der eine Hausaufgabenbetreuung übernimmt!"
Die Frau des damaligen Pfarrers, Patricia Nikitka, eine ausgebildete Erzieherin, habe sich nach kurzen Überlegungen bereit erklärt, diese Aufgabe zu übernehmen und das sei der Startschuss gewesen.
"In den ersten Monaten", so Martina Seitz, "wurden die Kinder in der Wohnung, genauer im Esszimmer, des Pfarrerehepaars betreut."
Die Nachfrage zwecks Mittagsbetreuung wuchs schnell. Bald reichten die Kapazitäten nicht mehr aus. Deshalb begab man sich auf die Suche nach einem starken Partner und fand diesen schließlich mit der Awo.
Räumlichkeiten, so die 40-Jährige, wurden auch schnell gefunden, nämlich in der Etage des ehemaligen Kindergartens, der im Pfarrhaus untergebracht war. Für sie bedeutete ihr neues Berufsfeld auch die Teilnahme an Schulungen. "Das habe ich aber gerne gemacht!"
In den Anfangsjahren nahmen über 30 Grund- und Hauptschüler, darunter auch ausländische Kinder, die Mittagsbetreuung in Anspruch. Mittlerweile ist die Zahl der türkischen Kinder zurückgegangen, "denn auch unsere türkischen Mitbürger bekommen weniger Kinder".
Manche Eltern hatten wohl aber auch die Vorstellung, dass aus ihrem Nachwuchs auf Grund der Hausaufgabenbetreuung nur "Einser-Schüler" werden.
Man merkt Martina Seitz bei ihren Erzählungen an, dass sie mit Leib und Seele mit der Mittagsbetreuung verwurzelt ist.
"Auch wenn ich zu Hause bin, lässt mich mein Beruf nicht los. Ich frage mich immer, was ich verbessern könnte, wie ich Kinder und Eltern unterstützen könne."
Mittlerweile möchte sie keinen anderen Job mehr ausüben. "Es macht einfach Freude, mit den Kindern zu arbeiten, sie zu betreuen und sie ein kleines Stück auf ihrem Lebensweg zu begleiten."
Der Alltag mit Kindern sei zwar nicht immer leicht. Nicht alle, die die Mittagsbetreuung in Anspruch nehmen, seien Vorzeigekinder. Ein Großteil ihrer Schützlinge brauche erhebliche Aufmerksamkeit. Und genau darin sehen die zweifache Mutter und ihre Kollegin Simone Wendt ihre Aufgaben, nämlich den Kindern eine Anlaufstation zu geben und ihre soziale Kompetenz durch das gemeinsame Beisammensein mit anderen Kindern zu stärken.
Derzeit nehmen 18 Kinder, im Alter von sechs bis elf Jahren, die Mittagsbetreuung in Anspruch. Sie erledigen nach dem gemeinsam eingenommenen Mittagessen ihre Hausaufgaben, üben Nachschriften und führen gemeinsam Spiele beziehungsweise kreative Beschäftigungen durch.
Sorgen bereitet, dass immer einige Eltern den erforderlichen Beitrag, je nach Zeitaufwand beträgt dieser zwischen 25 und 40 Euro monatlich, nicht mehr aufbringen können. Zudem sei die Sicherstellung der Finanzierung jedes Jahr eine Herausforderung. Rund 15 000 Euro seien notwendig, um die Awo-Mittagsbetreuung aufrecht erhalten zu können. Hierbei seien Investitionen nicht mit berücksichtigt. Trotz der 7000 Euro, die der Awo-Ortsverband von der Regierung erhalte und den Beiträgen, bleibe ein Defizit. Also werden unterschiedliche Aktionen wie Frühjahr- und Herbstbasar, Übernahme von Kaffee und Kuchenverkauf bei Festen etc. organisiert, um somit dieses Defizit kompensieren zu können, beziehungsweise, um auch solche Kinder, deren Eltern den erforderlichen Beitrag nicht aufbringen können, aufzunehmen zu können.
Erleichtert sind Martina Seitz und ihre Mitstreiter über die Sponsoren, wie die Heinz-Stiftung, verschiedene Betriebe, die Gemeinde, den Awo-Kreisverband und viele Privatpersonen, die ihre Mittagsbetreuung unterstützen. Dankbar äußert sie sich auch über den ehemaligen Bürgermeister Alfred Schaden (SPD). Von Anfang an war er voll bei der Sache. "Ohne seine Unterstützung würde die Awo-Mittagsbetreuung nicht so dastehen wie sie heute ist", sagt Martina Seitz.
Nun wollen die Verantwortlichen ihr Angebot ausweiten und bieten zum ersten Mal eine Ferienfreizeit Anfang August für Kinder von sieben bis zwölf Jahren auf dem Wildberg an. Gemeinsames Spielen, Ausflüge in die nahe Umgebung, Lagerfeuer und sonstige Abenteuer sind geplant. "Es wird bestimmt spannend werden", verspricht Martina Seitz.