Peter Hagemann, Leiter des Forstbetriebes Rothenkirchen der Bayerischen Staatsforsten, führte in das Motto "Multifunktionale Forstwirtschaft gestern und heute", ein: "Der Wald, besonders der Frankenwald, war schon immer mehr als nur Holzlieferant." Besonders die bäuerliche Landwirtschaft sei immer auf den Wald angewiesen gewesen. Früher habe man das Weidevieh in den Wald getrieben und damit dem Förster einigen Ärger beschert, heute nutze der Forst selbst dankbar die Tettauer Hochlandrinder, um gezielt wertvolle Naturschutzflächen waldfrei zu halten. "Gestern Waldschädling, heute Landschaftspfleger", bemerkte Hagemann zutreffend im Bezug auf die Weidetiere. So, wie der Naturschutz im Wald heute einen ganz anderen Stellenwert besitze, hätten sich über die Jahrzehnte und Jahrhunderte auch die Schwerpunkte der Waldnutzungen deutlich verschoben. Sei früher der Wald Schauplatz von Köhlerei, Rindengewinnung und Streunutzung gewesen, werde er heute zum Wandern, Joggen oder Radeln genutzt. "Stabil blieb über die Generationen hinweg aber immer die Bedeutung des Walds als nachhaltiger Erzeuger des nachwachsenden Rohstoffs Holz", so der Forstbetriebsleiter einleitend.

Dann machten sich über 50 an Waldhistorie Interessierte unter Führung von Förstern und Heimatforschern auf die Suche nach Spuren der historischen Waldnutzungen. Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig und Martin Weber von der Geologisch-Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft stellten die Bedeutung der Schildwiese als uralte Zollstation vor: Hier grenzten die Gebiete verschiedener Herrschaften aneinander, die sehr früh den Holzreichtum des Frankenwaldes als ergiebige Energiequelle für die aufkommende Industrialisierung nach dem Mittelalter entdeckt hätten. An mehreren Kohlen- oder Meilerplätzen konnten die Waldbesucher im Anschluss noch Holzkohle als historisches Zeugnis aus dieser Zeit entdecken.


Präsident der Bayerischen Landesanstalt dabei



Der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising, Olaf Schmidt, ein gebürtiger Tettauer, ließ es sich nicht nehmen, an dieser Exkursion persönlich teilzunehmen. Führte sie ihn doch auf die Spuren seiner Kindheit und Jugendzeit und mit Freude erzählte er manche Anekdote, die an Erlebnisse seiner Jugendzeit in Tettau erinnerten. Dabei wies er immer wieder auf seine große Verbundenheit mit den Frankenwäldern hin. Seine fundierte wissenschaftliche Kenntnis verband Schmidt mit der praktischen Sicht auf Tier- und Pflanzenarten am Wegesrand. Wärmeliebende Käfer und Schmetterlinge seien aufgrund des Klimawandels auf dem Weg in den Frankenwald, so Schmidt. Aber auch viele anderswo inzwischen seltene Bodenpflanzen seien hier noch heimisch.

Zum Abschluss der heimat- und naturkundlichen Exkursion wurde ganz handfest angepackt. Georg Heinlein aus Haßlach bei Kronach führte mit großem Geschick vor, wie bis weit in das vergangene Jahrhundert hinein so genannte "Lohrinde" als Gerbstoff für die Ledergewinnung gewonnen wurde. An einem frisch eingeschlagenen Fichtenstamm wurde dafür mit speziellem Werkzeug die Rinde abgeschält, die anschließend getrocknet und in "Lohmühlen" zerkleinert wurde. Ohne dieses wichtige Waldprodukt wäre früher das Gerben von Tierhäuten zu Leder nicht möglich gewesen. Auch in Kronach habe es lange eine Gerberei mitten in der Stadt gegeben, was aufgrund der Geruchsbelästigung für die Einwohner immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen geführt habe, erklärte Heimatkundler Heinlein.

Frankenwaldverein-Hauptvorsitzender Robert Strobel aus Naila lobte die Arbeit der Initiative "Kulturgüterkartierung Frankenwald", in deren Rahmen die Veranstaltung stattfand. Auch er habe bei dieser Exkursion noch viele neue Erkenntnisse über die nachhaltige Waldnutzung über die Jahrhunderte gewonnen. Ein völlig neuer Blickwinkel sei darüber hinaus für ihn die geologische Sicht Martin Webers auf die Entstehung der heimischen Landschaft gewesen, die er so charakterisierte: "Im Frankenwald gibt es keine Berge, nur Täler".