Die Eigenständigkeit des Amts für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten (AELF) in Kulmbach ist bald Geschichte. Ab Juli wird die Einrichtung mit ihrem Pendant in Coburg zusammengelegt. Die Standorte Lichtenfels und Kronach gehören zwar weiterhin dazu, tauchen im Namen aber nicht mehr explizit auf.

Das bedeutet auch: Es wird eine neue Amtsleitung geben. Der bisherige Kulmbacher Leiter Michael Schmidt wird künftig die Leitung im Bereich Forsten übernehmen. Die Entscheidung fiel bereits vor über einem halben Jahr durch einen Kabinettsbeschluss in München. "Wir Behördenleiter wurden im Anschluss an die Sitzung informiert", sagt Schmidt. Noch ist er Behörden- und Bereichsleiter Forsten in Personalunion, ab Sommer "nur" noch Bereichsleiter Forst für die vier Landkreise.

Schmidt hält die Entscheidung für einen guten und richtigen Schritt. "Die Aufgaben und die Zielsetzungen in der Verwaltung haben sich nun mal in den vergangenen Jahren verändert, das Ministerium hat das erkannt." Ausschlaggebend sei unter anderem das Volksbegehren "Rettet die Biene" 2019 gewesen. "Es gibt vor diesem Hintergrund eine neue politische Agenda. Die Landwirtschaft rückt verstärkt in die Mitte der Gesellschaft, die Zusammenhänge sollen für die Öffentlichkeit transparenter gemacht werden. Wir müssen den Menschen draußen mehr erklären, müssen sie mitnehmen. Um das zu erreichen, brauchen wir aber andere Strukturen."

Spektrum wird erweitert

Die bisherige Arbeit der Behörde sei, so Schmidt, "ja beileibe nicht schlecht" gewesen. "Es gab aber eben eine andere Herangehensweise. Bisher war es so, dass unsere Zielgruppen die Landwirte, die Forst- und auch die Teichbesitzer waren, die wir umfassend zu beraten hatten. Jetzt erweitert sich dieses Spektrum. Es soll verstärkten Dialog mit dem Bürger geben zum Thema "Landnutzung". Als Beispiel dieser veränderten Herangehensweise nennt Schmidt die Kooperation mit dem MGF-Gymnasium: Hier begleitet das AELF Schüler bei ihren Projekten für P- und W-Seminare zum Thema Forst und Klimawandel. "Dafür braucht man Personal, das ist besagter neuer Ansatz in unserer Arbeit. Dafür müssen wir Ressourcen freischaufeln."

Stichwort Personalausstattung: Die bleibe in Kulmbach unangetastet, es werde niemandem gekündigt. "Die durch die Fusion freigewordenen Häuptlinge werden ins Team der Indianer integriert."

15 neue größere Einheiten

Ähnlich sieht es übrigens Harald Weber aus Coburg, der künftige Leiter des fusionierten Amts: "Wir werden intern umstrukturieren und die Ämter zusammenführen. Beide Standorte bleiben erhalten. Wir wollen auch in Zukunft nahe an unseren Bauern und Waldbesitzern bleiben."

Die Zusammenlegung ist die Folge dessen, dass die Politik in München die Landwirtschaftsverwaltung in Bayern neu ausrichten will. In Zahlen bedeutet das: Statt aktuell 47 Ämtern wird es ab Juli bayernweit nur noch 32 geben. Laut Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) bleiben nach der Reform 17 Ämter selbstständig, 30 werden mit einem benachbarten Amt zu künftig 15 neuen und größeren Institutionen zusammengeführt.

Zur Begründung heißt es: "Wir brauchen mehr Dialog zwischen Land- und Forstwirten, Handel, Verbrauchern, Anwohnern, Schulen oder Kommunen. Eine straffere Verwaltung und gestärkte Ämter bedeutet weniger Leitungspositionen und mehr Personal für Kerndienstleistungen wie Beratung, Bildung und Information für Landwirte und Gesellschaft vor Ort. Die Verwaltung wird bayernweit einheitlicher, wirtschaftlicher und effektiver."

BBV kann damit leben

Für Wilfried Löwinger, Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband (BBV), ist klar: "Wenn die strukturelle Ausrichtung so eingehalten wird, wie sie vom Ministerium in München angekündigt wurde, können wir als Verband damit leben. Und auch die Landwirte vor Ort haben sicher kein Problem damit." Alles freilich unter der Maßgabe, dass gewährleistet ist, die neu formierte Dienststelle auch personell so aufzuwerten, dass eine Beratung im Sinne der Bauern erfolgt. "Das heißt für mich: konkrete Hilfestellungen bei produktionstechnischen Fragen und nicht reines Kontrollorgan. Es sollten nicht mehr Leute eingestellt werden, nur um uns die tägliche Arbeit zu erschweren."

Keine Auswirkungen aufs "Grüne Zentrum"

Wie wird die Entscheidung aus München, die Landwirtschaftsämter von Kulmbach und Coburg zu fusionieren, aufgenommen?

Für Frank Wilzok (CSU), der den erkrankten Oberbürgermeister Ingo Lehmann vertritt, ist von entscheidender Bedeutung, dass durch die Zusammenlegung keine Arbeitsplätze in Gefahr sind. Positiv wertet Wilzok ferner Zusagen, wonach die Hauswirtschaftsschule in Kulmbach erhalten bleibe und zudem die Ziele fürs "Grüne Zentrum" wie bisher weiterverfolgt werden könnten.

"Womöglich hätten wir bei einem kompletten Wegfall des AELF auch das ,Grüne Zentrum' letztlich nicht verwirklichen können." Das soll in einem Teil der ehemaligen Spinnerei angesiedelt werden. Der Freistaat miete dafür Flächen an. Aktuell sei die Stadt dabei, den Bauplan vorzubereiten.

"Wir aus der Landwirtschaft sind nicht gefragt worden", sagt Kronachs BBV-Obmann Erwin Schwarz. Doch Ministerin Kaniber (CSU) habe versprochen, dass mit der Zusammenlegung auch die Landwirte von der Entscheidung profitieren. Tatsächlich ist das Gebiet riesig, für das die neue Behörde zuständig ist. Doch die Landwirte aus dem nördlichen Frankenwald werden kürzere Strecken zurücklegen. "Für eine Beratung können wir künftig nach Coburg fahren."

Wichtig sei, dass die Landwirtschaftsschule in Coburg und die Hauswirtschaftsschule in Kulmbach erhalten bleiben. Außerdem werde in Kulmbach eine Kontrollstelle für EU-Förderanträge eingerichtet. Die nächstgelegene Stelle war bislang in Tirschenreut