Nach 16 Jahren unter Leitung der Familie Stark fällt der Vorhang für den Kreuzbergmarkt in seiner heutigen Form. Wie von den Betreibern des kleinen Lebensmittelgeschäftes mit Bäckerei und Metzgerei zu hören ist, hätte man gerne weitergemacht. Jedoch spüre man die Konkurrenz durch die großen Ketten, so dass der künftige Betrieb des Ladens für die Starks von der Unterstützung der Kunden und der Höhe der Miete abhängig gewesen wäre, um kein "Drauflegegeschäft" zu haben. "Die großen Märkte machen die kleinen kaputt", bedauert Michael Stark, ein Mitinhaber des Marktes, die momentane Entwicklung in der Branche.

Veränderung wird kommen


Inzwischen steht fest, dass es eine Veränderung geben wird. Der Pressiger Karlheinz Adam, der sich für die Eigentümer um den bevorstehenden Umbau des Gebäudes und die weitere Nutzung kümmert, sieht für das bisherige Konzept des Ladens keine Zukunft. Er wünscht sich ein Geschäft, das die Menschen wieder mehr anzieht.
Er habe das Gespräch mit der Familie Stark mehrmals gesucht, betont er, doch habe man keinen gemeinsamen Nenner gefunden. "Der Mietvertrag mit den Starks läuft im März aus", stellt Adam klar, dass es sich hierbei nicht um eine Kündigung des Mietverhältnisses handle. "Weitere Verhandlungen sind nicht zum Erfolg gekommen."
Daher ist für ihn klar, dass die Zukunft des Geschäfts ohne die jetzigen Betreiber gestaltet wird. Bereits zum Monatswechsel sollen die Weichenstellungen für eine Nachfolgelösung mit Umbauarbeiten eingeleitet werden. Herauskommen werde vermutlich eine Lösung "im Lebensmittelbereich mit einem eingeschränkten Sortiment."

Wunsch lässt sich nicht erfüllen


Auf Grund der Lage in einem Wohngebiet mit vielen älteren Kunden wäre der Fortbestand eines Lebensmittelmarktes mit einer kompletten Angebotspalette für Adam das Wunschkonzept. Allerdings wird sich dieses wohl nicht realisieren lassen. Adam selbst wie auch Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) und die Mitarbeiter der Stadtverwaltung hätten ihr Möglichstes getan und viele Klinken geputzt, um eine Lebensmittelkette für das Objekt zu begeistern. Letztlich seien die Gespräche aber an der Größe des Marktes (circa 600 Quadratmeter mit Nebenflächen) gescheitert. Wie Adam erklärt, haben neue Märkte heute üblicherweise 1200 und mehr Quadratmeter Platzbedarf.
Bürgermeister Beiergrößlein unterstützt die Aussagen Adams. "Ein Nahversorger und Einzelhändler ist dort aus meiner Sicht dringend nötig", betont er. Gerade im Hinblick auf die vielen Senioren, die am Kreuzberg wohnen, brauche es ein solches Angebot. Allerdings ist auch seine Erfahrung aus den Gesprächen mit Metzgern, Bäckern und Ketten, dass "ein kleinteiliger Lebensmittelhandel schwierig wird". Die großen Ketten hätten nicht nur ein Platzproblem, sondern sie bräuchten zudem einen Einzelhändler vor Ort, der den Kreuzbergmarkt für sie führt.

Nahtloser Übergang geplant


"Wir werden alles tun, damit das Geschäft erhalten bleibt", stellt Beiergrößlein klar, dass er und besonders auch Georg Köstner von der Verwaltung sich um eine Lösung dieser Herausforderung bemühen wollen. Allerdings habe die Stadt keinen unmittelbaren Einfluss auf die weitere Entwicklung, weil ihr die Immobilie nicht gehöre. "Ich würde es sehr bedauern, wenn es dort nicht mehr weitergehen würde", stellt Beiergrößlein fest.
Zumindest wenn es nach Karlheinz Adam geht, ist diese Befürchtung unbegründet. "Es wird vermutlich ziemlich nahtlos weitergehen", unterstreicht er, dass er den Laden nicht leer stehen lassen will.
Die Familie Stark sieht ihre Zukunft derweil ebenfalls wieder im Einzelhandel. "Wir gehen nach Kulmbach", hielt Michael Stark gestern fest. Dort will die Familie wieder einen Laden führen.