"Die Künstler haben die Kunst nach Nordhalben getragen," betonte Otmar Adler von der Bürgerinitiative NohA. Er war einmal mehr im Einsatz, um sich für den Ort, die Menschen und die Kultur einzusetzen. Die Skulpturenweg-Wanderung im Rahmen des Kunstsommers 2019, die er gemeinsam mit Künstler Volker Ullenboom auf die Beine stellte, entpuppte sich als eine Mischung aus Kunst, Philosophie und Information.

Weg ist ein Kilometer lang

An allen Ecken und Enden des Frankenwaldortes Nordhalben findet sich derzeit gefühlt mindestens ein Kunstprojekt. Und das nicht nur innerhalb von vier Wänden. Der Skulpturenweg, momentan etwa einen Kilometer lang, sei ein "Reifeprozess" und eine "zwangsläufige Folge" aus dem, was die Künstler mit nach Nordhalben brächten. Momentan stehen hier sieben Skulpturen, die sich von der Titschendorfer Straße bis zur Badgaststätte erstrecken. "Aber wir wollen den Weg weiterführen, erst einmal bis zum Maxhaus, später über die Grenze und das grüne Band bis hin nach Titschendorf." Träume, die Otmar Adler auf jeden Fall zum Leben erwecken will. Was bisher schon geschaffen wurde, zeige, dass nichts unmöglich scheint.

Auf Sponsoren angewiesen

"Spenden" und "Sponsoren", das waren wohl die häufigsten Worte, die ihm und auch Zweitem Bürgermeister Ludwig Pötzinger über die Lippen kamen. "Ohne Gönner und Sponsoren läuft hier nichts, denn NohA selbst hat ja kein Geld." Die Skulpturen, teils Dauerleihgaben, teils Geschenke, sprechen für sich. Und für die Kunst. Aber auch für die Philosophie. So findet sich auf der Infotafel neben dem Werk "In Morpheus Armen" von Künstler Volker Ullenboom folgender Text: "Im Stammholz lag eingebunden, was ein Mensch herausgefunden. Schicht um Schicht wurde abgetragen, in reiner Handarbeit geschlagen. Dabei hat das Holz erzählt, es ist von Morpheus auserwählt. Gott der Träume, das ist Deine Zeit. Dies Marterl ist Dir geweiht. Auch Vater Hypnos war zur Stelle, der großzügige Geber, unser Schlafgeselle. Schwestern - Brüder: Wir sind im Traum - Schicht um Schicht hinabgesunken - tief im Schlaf - bildertrunken. Beim Häuten der Zwiebel sinken wir ins Gras, wechseln die Gestalt, aus Wer wird Was. Wir bergen die Schätze aus goldenen Tiefen."

Mehr als nur Information

Auch bei den anderen Skulpturen ging die Beschreibung über den reinen Informationsgehalt hinaus - und Volker Ullenboom meint dazu: "Ich habe mich mit Nordhalben auseinandergesetzt, denn ursprünglich hatte ich eine ganz andere Skulptur geplant." Und in Bezug auf die Haltbarkeit der Kunstwerke meinte er: "Es geht nicht um die Dauer, denn sie sind ja nicht für die Ewigkeit erschaffen. Sie werden verwittern, denn der Vergänglichkeitsaspekt steckt immer auch mit drin." In Kürze will man aber alle sieben Skulpturen abbürsten, reinigen und lasieren, um ihre Lebensdauer mindestens zu verdoppeln, erklärte Otmar Adler.

Ähnlich philosophisch wie Volker Ullenboom drückte sich auch Künstlerin Bertha Shortiss in der Erklärung zu ihrem Kunstwerk "Schiefertanne" aus: "Für mich soll eine Skulptur im öffentlichen Raum, in der Umgebung, in der sie steht, hineinpassen. Sie wird für Nordhalben geschaffen - für diesen Platz zwischen Bäumen und Hügeln. Sie kann nicht sonst wo stehen. Die Umgebung ist Teil davon. Sie soll kein Fremdkörper sein, Raum einnehmen, der ihr gegeben wurde. Das Material entspringt dem Boden, auf dem sie gewachsen. Die zwei Materialien aus zwei Steinbrüchen, Osten und Westen, neu zusammengewachsen in einer anderen Form."

Menschen gehen, Bäume bleiben

Interessant auch die Erklärung von Roger Löcherbach, der 2016 die Skulptur "Menschen unterwegs" schuf. Sie entstand im Rahmen der 20. HolzArt und erhielt den HolzArt-Preis. "Menschen gehen, Bäume bleiben. Die Skulptur steht, der Mensch geht. So sind wir. Vorsichtig, entschieden, fröhlich, nachdenklich. Jeder nimmt etwas mit, das er hochhält. Vitamine für die lange Reise, ernst, spielerisch, locker, gebeugt, den Blick nach oben, unten, geradeaus. Der Mensch geht, die Skulptur steht. Alles Gute auf dem Weg."