Wenn die Dunkelheit sich ausbreitete, sorgten früher Wächter für den sicheren Schlaf der Bürger im Kreis Kronach. Aber nicht nur dann hatten sie ein Auge auf das Geschehen in Stadt, Dorf und Flur, wie der frühere Kreisheimatpfleger Roland Graf zum Auftakt einer kleinen Serie über die Nachtwächter berichtet.

Damit in früheren Zeiten der Landesherr oder die Adeligen den Schutz ihrer Untertanen gewährleisten konnten, erließen sie eigene Stadt- und Dorfordnungen, in denen der Schutz von Haus und Hof zwingend festgelegt war, wie Graf erklärt. Zudem nutzte das Bamberger Hochstift als geistliches Fürstentum solche Verordnungen auch dazu, das Volk auf die Einhaltung der Kirchengebote eindringlich hinzuweisen. Im Lauf der Jahrhunderte unterlagen diese Ordnungen steten Veränderungen.

Verordnungen erlassen

Was die Sicherheit auf dem Land anbelangt, bekamen auch die Dörfer eigene Verordnungen. In vielen Dorfordnungen des Hochstiftes Bamberg findet man dazu einen Passus, der die Tag- und Nachtwache in den Dörfern regelt. Als "Amtsperson" waren die Wächter durch die Mitführung eines Spießes, einer Heugabel oder einer Hellebarde zu erkennen.

Zum Beispiel schreibt die "Gemeind- und Dorfordnung" von Friesen 1789 die Aufstellung von Tag- und Nachtwachen vor. Der Schultheiß hatte sie zu visitieren, "ob sie ihre Schuldigkeit tun, vorzüglich auf die Nachtschwärmer und sogenannte Fensterer zu lauern und Aufsicht zu nehmen".

Im 19. Jahrhundert wurde in Friesen die Tag- und Nachtwache von ein und derselben Person ausgeführt. Der erste Punkt des Vertrages betraf die Nachtwache, der zweite die Tagwache: "Er hat als Tagwächter nebst der Obliegenheit der Tagwache auch die Stelle eines Gemeindedieners zu versehen, weswegen er, andere dringende Fälle ausgenommen, wenigstens früh, mittags und abends beim Ortsvorsteher täglich zu erscheinen hat, um das Nötige zu vernehmen."

Auch am Tag unterwegs

Die Aufmerksamkeit der Tagwächter war vor allem an den Sonn- und Feiertagen und während des Kirchganges der Bürger wichtig, da "loses Gesindel" die Abwesenheit der Hausbewohner für ihre Diebeszüge nutzten. Seine Besoldung wurde durch eine Umlage gedeckt, zu der jede Familie 5 ½ Kreuzer zu entrichten hatte. Mit Peter Backer beendete 1869 der letzte Tag- und Nachtwächter in Friesen diese Doppelfunktion. Die Fluren bewachte in Friesen ein eigens aufgestellter Flurer.

Im Wechseldienst

In der Küpser Dorfordnung von 1696 ist festgelegt, dass die Tagwache von den Bürgern im Wechseldienst wahrgenommen wird. Beim jeweiligen Wechsel wurde auch der "gemeine Spieß", das äußere Erkennungszeichen, weitergereicht. Für die Nachtwache standen vier Nachtwächter zur Verfügung.

Für Friedersdorf ist 1844 ein Tag- und Nachtwächter erwähnt, ebenso ein Flurer. In Fischbach sind als Nachtwächter bekannt: 1876 Johann Kastner sowie 1878 Lorenz Schneider und Johann Schlick, der für seinen Dienst einem Jahreslohn von 20 Mark erhielt. In Vogtendorf ist 1889 Georg Zottmann genannt, und in Neuses wird am 21. Juni 1880 Johann Scherbel als neuer Nachtwächter verpflichtet.

Wie in der Stadt Kronach, so waren auch die Bürger in den Dörfern dazu verpflichtet, eine Umlage für die Nachtwächterdienste zu entrichten.

Und so lief es in der Stadt Kronach

Um für eine Stadt wie Kronach die öffentliche Sicherheit gewährleisten zu können, bedurfte es etlicher Wächter, die Tag und Nacht ihren Dienst versahen. Es waren die Nachtwächter, der Turmwächter, die Torwächter, die Schrankensperrer und die Sicherheitswächter, die Bürger der stillen Nachtwache, dazu die Flur- und Waldwächter.

Der Begriff "Nachtwächter" ist deshalb nicht nur auf eine Person zu beziehen, sondern im Kontext zu sehen. Er beinhaltet alle nachts über den Ort und die Fluren wachenden und patrouillierenden Personen. Die Wächter waren einem Wachtmeister unterstellt. Zu seinen Aufgabe gehörte unter anderem das einsammeln des Wachtgeldes bei den Bürgern.

Die eigentlichen Nachtwächter sind für Kronach seit dem ausgehenden Mittelalter bis zum Jahr 1901 nachweisbar. Bereits 1578 liest man im Grünen Stadtbuch von Kronach, dass schon zur damaligen Zeit, außer dem Stadttürmer, noch zwei Nachtwächter im Dienst standen. Es war die so genannte laute Wache, da der Türmer jede volle Stunde sein Horn erschallen ließ und die Nachtwächter zu jeder vollen Stunde lautstark die Zeit ausrufen mussten.

Mit der Abschaffung des "Nachtwächterinstituts" 1901 setzte man für sie städtische Sicherheitswächter ein, die für die nächtliche Ordnung zu sorgen hatten. In der heimatkundlichen Literatur bislang kaum erwähnt, gab es in Kronach von 1830 bis 1873 zusätzlich zum Nachtwächter noch eine stille Wache, die sich ebenfalls aus Bürgern der Stadt rekrutierte.

Sichere Zuflucht

Die mit Mauern und Toren bewehrte Kernstadt bot bei drohender Gefahr für die Bürger der Stadt und des Umlandes einen sicheren Zufluchtsort. Um sich dieses Schutzes sicher zu sein, übernahmen die Bürger selbst den Wachdienst an den Toren und Schranken. Einlass in die Mauern der Stadt erhielt nur derjenige, der unverdächtig war. Aus diesem Grund kontrollierte man Fremde bereits vor den Toren und fragte nach deren Begehr.

Lange Zeit waren die Torschlüssel über Nacht beim Bürgermeister abzugeben. Niemand sollte nachts in die Stadt gelangen oder die Stadt verlassen können. Der hohe Personalbedarf an geeigneten und zuverlässigen Bürgern erwies sich jedoch im Lauf der Zeit oftmals als schwierig.

Vor allem die Handwerker waren alles andere als erfreut, wenn sie ihren Dienst antreten mussten und nicht ihrem Broterwerb nachgehen konnten. Kein Wunder, wenn sich im Laufe der Zeit eine gewisse "Lässigkeit" breitmachte. Davon liest man im Ratsprotokoll von 1690: "Die Bürger (sind) ins Gesambt unfleißig auf der Wacht und kommen zu späth ..."

Der Wachwechsel erfolgte nach dem Stundenschlag der Kirchturmuhr. Nachdem sich der Kirchner wiederholt unfleißig im Richten des Schlagwerkes der Kirchenuhr zeigte, verfügte die Stadt, "an die Kirchen oder den Thurm soll eine Sonn Uhr gemacht, unndt durch den Kirchner die Schlag Uhr vleißig darnach gericht werden."

Im Jahr 1748 entschloss sich die Stadt, eine neue Wacht aufzustellen und als Zeichen des Wächteramtes eine einheitliche Ausrüstung für diese anzuschaffen.

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