Kronach
Weihnachtsdeko

Gnadenhof für Santa und seine Freunde: Kronachs verrücktestes Weihnachtshaus

Weißbärtige Männer, Christbaumkugeln und Rentiere, die andere nicht mehr haben wollen, finden bei Familie Schreiber ein neues Zuhause. Das Ergebnis ist ein unvergleichbares Weihnachts-Wunderland.
 
Hausherrin Claudia Schreiber ist im Weihnachtsfieber. Foto: Sandra Hackenberg
Hausherrin Claudia Schreiber ist im Weihnachtsfieber. Foto: Sandra Hackenberg
+6 Bilder

Für manche ist es Trash, für andere die wohl ausgefallenste Weihnachtsdeko im ganzen Landkreis. In jedem Fall ist das Haus in der Kronacher Fehnstraße ein absoluter Hingucker - nicht nur für Kinder.

Stefan und Claudia Schreiber lassen in ihrem Garten seit zwei Jahrzehnten ihrer Dekorationsfreude freien Lauf. Ob bewegungsfreudige Rentiere aus Draht, ein Laser, der nachts den Mann mit dem weißen Bart an die Hausfront strahlt oder ein Schlitten mit Geschenken auf dem Vordach - bei den Schreibers ist mit allem zu rechnen. Während die Weihnachtsdeko bei den meisten Menschen eher klassisch festlich ausfällt, liebt das Paar Dinge, die unvollkommen sind. Hauptsache, sie sind ungewöhnlich. "Ein gewisses Farbspiel muss schon vorhanden sein", findet der Hausherr.

Neues Zuhause für aussortierten Weihnachtsschmuck in Kronach

Stefan Schreiber hat lange bei der Müllabfuhr gearbeitet und mit den Jahren so allerhand Dinge mit nach Hause gebracht, die andere ausrangiert haben. Bei dem 59-Jährigen und seiner Frau haben sie ein neues Zuhause gefunden. Ein Weihnachtsmann, der auf der Gartenbank gerne mal in sich zusammensinkt, ein elektrisches Rentier, das den Kopf nicht mehr ganz so gleichmäßig hebt oder riesige Christbaumkugeln mit Schrammen - erst die Macken machen dieses Weihnachts-Wunderland individuell.

Der Garten der Schreibers ist mit den Jahren zu einem Gnadenhof für Dinge gediehen, die sonst niemand mehr haben will. So erwartet das Paar, wenn es morgens die Haustür öffnet, gelegentlich eine Überraschung. "Manche stellen uns Sachen vor die Tür", erzählt Stefan Schreiber und zuckt mit den Schultern. Dass sie für fast alles Verwendung finden, hat sich längst herumgesprochen.

Wer jedoch denkt, dass Christbäume - davon stehen heuer alleine im Garten elf Stück - , Weihnachtsmänner und Rentiere bei den Schreibers einfach wild zusammengewürfelt werden, der irrt. "Wir gestalten jedes Jahr um", betont Claudia Schreiber (54). Viele Jahre gab es im Garten eine große Krippe. "Diesmal wollte ich etwas anders machen. Deshalb haben wir jetzt einen Schlitten mit Rentieren." Meist kommen ihr die "komischen Ideen" ganz spontan.

Alles für große Kinderaugen

Bei der Gestaltung hält sie sich jedoch an einen klaren Zeitplan: Anfang November beginnt das Paar mit dem Dekorieren, Anfang Dezember muss alles fertig sein. Ein straffer Zeitplan, bedenkt man, dass Claudia Schreiber nebenbei noch einen Trachten- und Bügelservice betreibt. Dafür legen sie und ihr Mann auch mal eine Nachtschicht ein. "Hauptsache, am ersten Advent ist alles fertig. Wie ich das schaffe, ist Wurst." Tatsächlich kann Claudia Schreiber beim Aufmöbeln gewöhnlicher Girlanden wunderbar entspannen, sagt sie.

Doch wie kam es überhaupt zu dieser ungewöhnlichen Weihnachtstradition? "Wir haben damit wegen der Kinder angefangen. Und weil es meiner Frau gefällt", erinnert sich Stefan Schreiber an die Anfänge, kurz nachdem sie das Haus gekauft hatten. Die drei Kinder sind schon längst aus dem Haus. Das hält ihre Eltern jedoch nicht davon ab, jedes Jahr noch einen draufzusetzen. Gerade war die Enkeltochter (1) zu Besuch. "Sie ist vor Freude richtig ausgerastet, als sie den großen Weihnachtsmann mit seinem Schlitten und den Rentieren gesehen hat", freut sich der Opa.

Und nicht zuletzt will das Paar anderen Kindern aus der Umgebung eine Freude machen. "Das Schönste ist, wenn sie das Haus sehen und große Augen machen." Bereits im Sommer würden ihn Kinder fragen, ob es heuer denn wieder ein Weihnachtshaus gibt. "Wenn wir sagen würden, dass wir das nicht machen, würden sie mich, glaube ich, ganz schön anranzen."

Ob hier das Christkind wohnt? Rührende Reaktion auf das Weihnachtshaus der Schreibers

Stefan Schreiber erinnert sich noch gut an ein etwa vier Jahre altes Mädchen, dass eines Tages bei ihnen geklingelt hat und wissen wollte, ob hier das Christkind wohnt. Die Schreibers haben das Mädchen durch den Garten geführt und ihr auch das Haus von innen gezeigt - dort geht es nämlich mit der Deko weiter. Am Ende haben sie erfahren, dass die Eltern der Kleinen bei einem Autounfall gestorben sind und sie im Kinderheim wohnt. Zumindest für diesen kurzen Moment konnten sie dem Mädchen eine Freude machen.

Am Tag nach den heiligen drei Königen verpacken die Schreibers ihr Weihnachts-Sammelsurium in Kisten auf dem Dachboden. Dort warten Santa, Rudolf und ihre Freunde gespannt darauf, was sich Claudia Schreiber im nächsten Jahr für sie einfallen lässt.