Wenn Angela Hofmann (CSU) den Sitzungssaal im Rathaus betritt, ist sie sichtlich in ihrem Element. Zwar hat sie erst vor rund 100 Tagen ihr Amt als erstes weibliches Oberhaupt der Kreisstadt angetreten, doch an Erfahrung mangelt es ihr nicht. Seit Jahren gehört sie dem Ratsgremium an, über Monate hat sie als Zweite Bürgermeisterin schon vertretungsweise die Geschäfte geführt. Bedeutende "Baustellen" und die Zusatzherausforderung Corona bringen sie daher nicht aus der Ruhe.

"Die zwölf Jahre Vorbereitungszeit aufs Amt, sind ein riesengroßer Vorteil", ist Hofmann überzeugt. Aufgaben, Projekte, Abläufe in der Verwaltung - sie habe schon vor ihrer Kandidatur gut einschätzen können, was auf sie zukommt. Und was ihr besonders wichtig ist: "Ich habe die politischen Schwerpunkte, nicht nur meiner eigenen Partei, kennen gelernt."

Ziel ist der Schulterschluss

Das ist aus ihrer Sicht auch notwendig, denn sie will ihre Ratskollegen auf ihren Weg mitnehmen, das Gremium mit seinen neuen Gesichtern und neuen Gruppierungen zusammenschweißen. Schließlich sollen gerade in der aktuell schwierigen Phase Entscheidungen getroffen werden, die von möglichst vielen Schultern getragen werden.

Aus diesem Grund ist die Bürgermeisterin auch schnell aktiv geworden. Die Stadtverwaltung hat sich bereits neu aufgestellt, um noch effizienter handeln zu können.

So sollen die Stadtwerke unter anderem dem Bereich Energieerzeugung künftig ein besonderes Augenmerk widmen. Im Gegenzug wurde der Bauhof als Entlastung von den Werken abgezogen und als eigene Abteilung zurück in die Stadtverwaltung eingegliedert. Ab 1. Januar sollen sich die Stadtwerke dadurch verstärkt auf ihre klassischen Betriebszweige konzentrieren können. Ebenfalls eine eigene Abteilung bilden inzwischen die Bereiche Bildung, Soziales und Ehrenamt.

Problempunkt Haushalt

Doch nicht nur das Wahlergebnis, verlieh der Stadt seit dem Frühjahr eine neue Handschrift; auch das Corona-Virus drückte der Verwaltung seinen Stempel auf. Intern hätten sich zwar alle gut auf das Arbeiten unter Vorsichtsmaßnahmen eingestellt, versichert Hofmann, doch der persönliche Kontakt nach draußen bleibe etwas auf der Strecke.

Noch bedauerlicher sei der Einschnitt, den die Krankheit dem städtischen Haushalt zufügt. "Es war schwierig, ihn aufzustellen", gibt die Bürgermeisterin zu, die hofft, dass er nun auch genehmigt wird. Vor Corona wähnte sich die Stadt bei der Schuldentilgung und für künftige Investitionen auf einem guten Weg. Nun herrscht in vielen Bereichen Stillstand. Die Wirtschaft leidet und damit auch die Gewerbesteuer. "Wir hatten diese Einnahmen mit acht Millionen Euro angesetzt. Mittlerweile haben sie sich um zwei Drittel reduziert", lautet das Fazit der Bürgermeisterin. Es bleibt das Hoffen und Warten auf staatliche Hilfen. Hofmann ist 100-prozentig davon überzeugt, dass sie kommen werden - nur da sind sie im Moment eben noch nicht.

Also ist alle Planung zurzeit auch ein bisschen mit dem Stochern im Nebel verbunden. "Trotzdem haben wir einiges angeleiert", freut sich Hofmann über erste Wegmarken, die in den vergangenen Monaten vom Gremium bereits gesetzt werden konnten.

Sie nennt einige Eckpunkte: Für das Bürgerspital wurde nach jahrelanger Diskussion eine Nutzung für rüstige Senioren ins Auge gefasst. Nun wird die Finanzierung für Renovierung oder Generalsanierung abgeklopft.

Wohnungen schaffen

Fortschritte gibt es beim ehemaligen THW-Gelände. Die "dicken Unterlagen" werden gerade durchgearbeitet, dann soll das Projekt mit einem Bauträger angegangen werden. Etwa 20 Wohnungen mit Stellplätzen werden anvisiert. Wenn alles glatt läuft, könnte eine Realisierung in etwa drei Jahren erfolgen. Auch auf weiteren Flächen, unter anderem Altbauten und Baulücken in der Innenstadt, soll der Wohnungsbau vorangetrieben werden.

Im großen Stil gebaut werden muss aber nicht nur am Spital und der benachbarten Brücke, sondern auch am Kreuzberg. Dort wartet mit dem Crana Mare ein ganz dicker Brocken - auch was die Kosten angeht. Neubau und Anbau stehen zur Debatte. Dass die Einrichtung erhalten bleiben muss, steht für Hofmann außer Frage. "Das Crana Mare ist wichtig als Erholungs-, Freizeit- und Sportangebot sowie für Schulklassen", unterstreicht sie. Die 50 Jahre alte Technik, für die sich manches Ersatzteil kaum noch beschaffen lässt, ließen aber keine Wahl; es müsse investiert werden.

Sowohl in Sachen Wohnen als auch Freizeit tut sich also etwas. Hier strahlt auch schon die Wirkung der kommenden Hochschulen voraus. Diese wegweisenden Einrichtungen wird Hofmann als Bürgermeisterin in den kommenden Jahren begleiten dürfen. Deshalb rechnet sie selbst auch damit, dass sich die Kreisstadt im Lauf ihrer Amtszeit zwangsläufig verändern wird - zum Positiven.

"Kronach wir ein anderes, attraktiveres Stadtbild bekommen", verspricht sie. Die Stadt werde durch die jungen Leute an den Hochschulen belebt werden. Das werde wiederum für weiteres Interesse an Investitionen sorgen und die Geschäftswelt beflügeln. "Die Hochschulen bieten eine große Perspektive für die Stadt und die ganze Region."