Stadtarchivar Hermann Wich hütet viele wertvollen Schätze. Einer davon ist das Kronacher Gerichtsbuch aus den Jahren 1492 bis 1499. Wenn es das nicht gäbe, hätte die Stadt kein eigenes schriftliches Zeugnis über ihren berühmtesten Sohn - Lucas Cranach d. Ä.
Gestern wurde es gemeinsam mit fünf Epitaphien, sechs Grafiken und zwei Postkarten nach Wittenberg geschickt, wo es ab Freitag in einer Ausstellung über Cranach gezeigt wird. Ronald Gruber und Sebastian Engel von der Spedition DB Schenker Art verpackten das Buch fachgerecht in Tyvik, einem papiervliesartigem Faserfunktionstextil.
"Das Material ist besser geeignet als Seide", erklärte Gruber. Anschließend wurde das Buch vorsichtig in einen Spezialkoffer gelegt, der bereits eine Woche vorher in Kronach angeliefert worden war. "Damit hat er das Raumklima angenommen, in dem auch das Buch aufbewahrt worden ist", erläuterte Ronald Gruber.
Mit Seide polsterten die beiden Fachmänner den Klimakoffer, der dauerhaft eine Temperatur von zwischen 20 und 21 Grad hält, dann weiter aus. Damit soll verhindert werden, dass das Buch beschädigt wird.
"Mit diesen Leihgaben erfüllen wir die Kooperation mit Wittenberg mit Leben", erläuterte Kerstin Löw, Leiterin des Tourismusbetriebs. Im vergangenen Jahr hatten die Cranach-Städte Wittenberg und Kronach eine vertiefte Zusammenarbeit vereinbart, vor allem auf den Gebieten Tourismus und Forschung.
Sobald die Ausstellung beendet ist, wandern die Leihgaben wieder zurück in die Depotbestände, wie der seit April in Kronach tätige Museologe Alexander Süß gestern erklärte. Noch gibt es keine geeigneten Räumlichkeiten, um sie derzeit in Kronach dauerhaft zeigen zu können.