Wo sehen Sie sich selbst in fünf Jahren? Diese Frage bekommt ein Bewerber oftmals bei einem Vorstellungsgespräch zu hören. Die Antwort darauf ist nicht schnell gefunden, denn wer weiß schon, was bis dahin passiert. Dr. Schneider stellt sich täglich die Frage, wie es in fünf Jahren sein wird. Genauer gesagt: Wie die Mobilität in fünf Jahren aussehen wird.

Die Dr. Schneider Unternehmensgruppe hat sich auf die Innenausstattung von Fahrzeugen spezialisiert. Farbspiel, Mittelkonsolen und Belüftungssysteme - damit beschäftigt sie sich. "Früher haben wir die Luft verpestet, jetzt machen wir sie sauber", sagt Ria Schuberth, Pressesprecherin von Dr. Schneider, und spricht damit das Entstehen des Unternehmens als Zigarrenhersteller an.

Über 90 Jahre später liegt der Fokus auf Innovationen für den Fahrzeuginnenraum. Und dabei beschränken sie sich nicht auf eine Fahrzeugmarke oder Preisklasse. Vom Opel, über den Mercedes bis zum Jaguar kann überall ein Teil von Dr. Schneider verbaut sein.

Ideen auf höheres Niveau setzen

Dennoch ist dann jedes Teil unterschiedlich. Ganz nach den Wünschen und Bedürfnissen des Kunden. Die Vorgaben sind dabei relativ frei, sagt Olaf Uhlenbusch, Lead Engineer Innovation. Vom ersten Modell bis zum fertigen Produkt in Serie kann es einige Zeit dauern. Viele Gespräche zwischen Dr. Schneider und dem Kunden sind nötig. Ideen und Modelle werden so auf ein höheres Niveau gehoben. Einfache Alltagsgegenstände können da Impulse setzen. "Im seltensten Fall geht ein Produkt durch die spezifischen Kundenanforderungen exakt so in Serie, wie es ursprünglich konzipiert worden ist", sagt Uhlenbusch.

Etwas komplett neues sind die Ideen meist nicht. Denn: "Ich muss das Rad nicht neu erfinden, sondern es nur neu anordnen. So entsteht Innovation", sagt Olaf Uhlenbusch. Design spielt dabei eine ganz große Rolle.

Das Design eines Luftausströmers beispielsweise charakterisiert zumeist die Automarke. Ob rund, eckig, oval oder die Anordnung der Lamellen, Kleinigkeiten machen hier einen notwendigen optischen Unterschied zwischen den Marken. Und technisch unterscheiden sie sich durch vielerlei Möglichkeiten. Diffuse zugfreie Luftausströmung ist dabei etwas, worauf Dr. Schneider in Zukunft baut. Auch mit der Luftreinigung befasst sich das Unternehmen bereits seit zwei Jahren. Durch chemische Prozesse mit Hilfe von UV-Licht kann die Luft photokatalytisch gereinigt werden. Auch Viren auf Smartphoneoberflächen können so entfernt werden. In einem Raucherauto lässt sich der Geruch des Qualms so verringern oder entfernen.

Bei Oberflächen für Innenräume lassen sich mittels Kunststoff Echt-Materialien nachahmen. So entsteht beispielsweise eine Schieferoptik in Leichtbauweise. Diese ist für die kommende Generation Fahrzeuge von hoher Bedeutung. Autonomes Fahren braucht leichte Innenräume.

Durch das autonome Fahren braucht das Auto mehr Multifunktionalität. Der Fahrer ist nicht mehr mit Fahren beschäftigt, sondern kann die Zeit anders nutzen: Wellness, Entspannung und vielseitige Nutzung, erklärt Uhlenbusch. So kann eine Mittelkonsole nicht nur als Armauflage dienen, sondern beispielsweise das Handy induktiv laden und einen Mülleimer beherbergt, der noch ein Fach im Deckel hat, in dem Feuchttücher liegen.

Für Carsharing-Modelle lässt sich eine Art "Auto to go" entwickeln. Teile der Mittelkonsole lassen sich aus dem Auto entfernen, sodass jeder selbst sein eigenes Teil mitbringen und in das Auto einsetzen kann. So habe man alles dabei, was man im Auto haben möchte. So die Vorstellung von Olaf Uhlenbusch und seinem Team.

Geniale Ideen, die den Komfort im Auto erhöhen. Ein Flaschenhalter muss nicht nur eine Flasche halten können, sondern kann auf verschiedene Breiten von Gläsern oder Becher eingestellt werden - oder sich selbst einstellen.

Ob eine solche Innovation immer ein Erfolg wird, oder sich beim Kunden durchsetzt, lässt sich vorab schwer sagen. "Manchmal liegen Ideen auch mehrere Jahre in der Schublade, bis der Markt dafür bereit ist", sagt Olaf Uhlenbusch. So zieht sich ein Entwicklungsprozess in die Länge. Bis zu zehn Jahren kann es bis zur Verwendung dauern. Manchmal sei man mit den Innovationen auch zu früh dran. So wie es bei der neuesten Leichtbaukonsole wahrscheinlich der Fall ist, die mit einem internationalen Design Preis ausgezeichnet wurde. Auf einer Messe wurde sie von vielen als sehr revolutionär bezeichnet. Ein Jahr hat der Entstehungsprozess gedauert. Drei bis vier Leute arbeiteten an der Entwicklung und dem Bau dieser Konsole, die für autonomes Fahren gedacht ist. Die Auszeichnung mit dem "International Design Award" war ein Erfolg für das Unternehmen, denn die Konkurrenz in der Branche ist groß und der Preiskampf in der Produktion, vor allem mit dem chinesischen Markt, ist hart.

Standort Kronach wichtig

Trotz der Internationalität und der weltweiten Tätigkeit spielt der Standort Kronach für das Unternehmen weiterhin eine zentrale Rolle, an dem weiterhin festgehalten wird, wie Ria Schuberth bestätigt. Auf dem ehemaligen Loewe-Gelände hat das Neuseser Unternehmen, das dortige EMS-Equipment abgekauft, um elektronische Komponenten nicht nur entwickeln, sondern auch produzieren zu können. Denn den Bereich Elektronik will Dr. Schneider weiter ausbauen, sagt Olaf Uhlenbusch. Ebenso die Lichttechnik. Beleuchtungen im Innenraum in unterschiedlichen Farben sind in vielen neuen Autos Standard.

Ein von Dr. Schneider produziertes Teil, ist im Auto vom "Laien" nicht sofort erkennbar, denn es ist kein Firmenlogo sichtbar. Die Mitarbeiter würden oftmals ihr Auto danach aussuchen, ob eigene Teile verbaut sind, erzählt Ria Schuberth. Sie selbst würden diese erkennen und identifizieren sich damit.